Die Stadt Freising bekommt am 8. März einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Und egal, wer von den neun Kandidatinnen und Kandidaten sich durchsetzen wird, es warten große Herausforderungen. Da sind die leeren Stadtkassen, die immer weiter explodierenden Mieten und die lahmende Wirtschaft als schwierige politische Rahmenbedingungen – und auf der anderen Seite die ganz Freising-spezifischen Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger: die Betreuungssituation in den Kitas, die Fußgängerzone, das Uferlos-Festival.
Einen ersten Schlagabtausch der Kandidaten dazu gab es am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatts in der Luitpoldhalle – und die fast 600 Besucherinnen und Besucher erlebten eine unterhaltsame Debatte. Unstrittig war dabei, dass sich der nächste Freisinger Oberbürgermeister um die Finanzen kümmern muss – und auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum haben alle Bewerberinnen und Bewerber weit oben auf ihrer Liste. Dass diese beiden Themen für die Bürgerinnen und Bürger wichtig sind, hatte zuvor eine via Smartphone und App ermittelte Prioritätenliste gezeigt, in der aber auch Begriffe wie „Miteinander“ und „Kultur“ an prominenter Stelle auftauchten.
Lebhaft wurde die Diskussion, als Moderator Manuel Eser, Redaktionsleiter des Freisinger Tagblatt, auf dem Podium die Haltung zur Fußgängerzone in der Innenstadt abfragte. Der Stadtrat hatte zuletzt entschieden, es bei der kleinen Lösung rund um den Marienplatz zu belassen, doch der Weisheit letzter Schluss scheint das nicht zu sein. Egal, wie man dazu stehe, „so wie es ist, mit der Durchfahrerei und Parkerei, kann es nicht weitergehen“, fasste es Birgit Mooser-Niefanger, die als unabhängige Kandidatin gewählt werden möchte, zusammen – und erntete Beifall im Publikum.
Diskutiert wurde auch, ob man die Radler in der Fußgängerzone weiter zulassen sollte. Nico Heitz (Grüne) verwies darauf, dass das möglich sein sollte, „wenn man eine Fahrradstadt sein möchte“. Die Realität zeige leider, „dass Radfahrer nicht brav sind“, hielt Nicolas-Pano Graßy (Freising für alle) entgegen, der ansonsten die Gelegenheit nutzte, Werbung für den Bürgerentscheid zu machen, den seine Wählervereinigung zur Fußgängerzone vorbereitet.
SPD-Kandidat Peter Warlimont wies darauf hin, dass die Hauptstraße in Freising eben nicht nur Fußgängerzone, sondern auch eine Durchgangsstrecke sei. „Und schieben ist für Radler nicht attraktiv“, warnte er, während Jens Barschdorf (FDP) forderte, erst einmal alles zu tun, um die rasenden Radler einzubremsen. Nicht ganz so gut kam der Vorschlag von Daniel Hubensteiner (FW) an, die Radfahrer nur nachts durch die Fußgängerzone fahren zu lassen. FSM-Kandidatin Monika Schwind plädierte dafür, dem Verkehrskonzept eine Chance zu geben. Im Herbst solle das ohnehin ergebnisoffen geprüft werden.
Was die Kultur in Freising angeht, so dürften sich die Macher des Uferlos-Festivals gefreut haben, zu hören, dass alle neun Kandidaten uneingeschränkt hinter der Entscheidung des Stadtrats stehen, das Festival als Sponsor zu fördern. Man müsse natürlich sehen, was sich die Stadt leisten kann, mahnte Simon Schindlmayr (CSU). Eine Unterstützung sei richtig, aber irgendwo müsse man einen Strich ziehen.

Größeren Raum nahm in der Debatte schließlich noch die Familien- und Sozialpolitik für Freising ein. Birgit Mooser-Niefanger erklärte, hierfür den Antrag der Grünen auf Qualifizierung als „Kinderfreundliche Stadt“ zu unterstützen. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“ Schindlmayr rief dazu auf, Ehrenamt und Vereine als Bestandteil der Familienpolitik zu sehen und entsprechend zu fördern.
Kinderbetreuung müsse bezahlbar bleiben, forderte Graßy und kritisierte die jüngsten Beschlüsse des Stadtrats zu den Kindergartengebühren: „Unsere Entscheidungen machen die Leute ärmer.“ Monika Schwind rief dazu auf, auch auf kleine Dinge zu achten, etwa Spielplätze auch für körperlich eingeschränkte Kinder nutzbar zu machen. Felix Albrecht (Volt/ÖDP) verwies einmal mehr auf sein Herzensanliegen, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für alle. Sein Anspruch, möglichst 100 Wohnungen im Jahr zu bauen, rief allerdings ungläubiges Raunen hervor.
Ginge es nach dem Publikum des Abends und des angebotenen Livestreams, hätte Mooser-Niefanger die besten Aussichten, Nachfolgerin von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zu werden. Bei einer Online-Abstimmung wurde sie auf Platz 1 gewählt, vor Schwind, Schindlmayr und Heitz. Dass so eine Umfrage nur etwas darüber aussage, wie viele Anhänger eine Person in einem bestimmten Moment mobilisieren kann, darauf machte Mooser-Niefanger in den sozialen Medien selbst aufmerksam. Der Wahlkampf wird nach diesem Auftakt also noch ein wenig weitergehen.

