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Freising vor der Kommunalwahl:Die Grünen strotzen vor Kraft

Die Umweltpartei will im kommenden Jahr nicht nur die Freisinger Oberbürgermeisterin stellen, sondern obendrein auch stärkste Fraktion im Stadtrat werden.

Das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen", die guten Ergebnisse bei den vergangenen Landtags- und Europawahlen und natürlich die "Fridays for Future"-Bewegung, die derzeit Woche für Woche junge Menschen auf die Straße bringt, um für besseren Klimaschutz und eine lebenswerte Umwelt zu demonstrieren: Die Grünen in der Stadt Freising strotzen vor Kraft und sind fest entschlossen, bei der Kommunalwahl 2020 in Freising mit Susanne Günther nicht nur die künftige Oberbürgermeisterin zu stellen, sondern auch stärkste Fraktion im Freisinger Stadtrat zu werden. Gelingen soll das mit einer "jungen neuen Liste", wie Versammlungsleiter Jürgen Maguhn am Donnerstag bei der Aufstellungsversammlung sagte, auf der sich gleichwohl neben Vertretern der Grünen Jugend auch einige altgediente Stadträte auf den vorderen Plätzen finden.

Jürgen Maguhn selber, das war die einzige wirkliche Überraschung an diesem Abend, wird sich nicht noch einmal zur Wahl stellen, ansonsten ist die bisherige Stadtratsriege komplett wieder dabei, überließ aber beispielsweise die Plätze vier und fünf Nico Heitz und Joana Bayraktar von der Grünen Jugend, die beide ihr bisheriges Engagement in verschiedenen Organisationen und Agenda-Gruppen künftig in der Kommunalpolitik fortsetzen wollen und sich leidenschaftlich um einen Platz auf der Liste beworben hatten.

Man müsse jetzt auf die Anliegen der jungen Menschen eingehen, damit die "ihre Zukunft lebenswert und nachhaltig gestalten können", sagte Heitz, der selber 1997 in Freising geboren wurde und im "Tagwerk", dem Betrieb seiner Familie, mitarbeitet.

Die "Digitalisierung mit Vernunft und Sachverstand angehen", möchte Kandidatin Bayraktar, die sich dafür durch ihr Studium bestens gerüstet sieht. Beide wollen sich auch für die Jugend- und Subkultur in Freising einsetzen - allem voran natürlich für die Wiedereröffnung des "Abseits", denn: "Ich würde da schon gerne mal wieder ein Bierchen trinken gehen", sagte Bayraktar. Bei den Grünen rennen sie damit bekanntlich offene Türen ein - kaum eine oder einer, der sich an diesem Abend nicht für die Freisinger Kultkneipe aussprach.

Fünf Minuten hatte Versammlungsleiter Maguhn den Bewerberinnen und Bewerbern um die ersten zwanzig Listenplätze für ihre Vorstellung eingeräumt, anschließend wurde geheim gewählt und ausgezählt, kein Wunder also, das der optimistische Zeitplan für den Abend schnell ins Wanken geriet. Am Ende dauerte es vier Stunden, bis die Liste stand - für OB-Kandidatin Günther, die selber auf Platz eins gewählt wurde, ein "Meilenstein, der heute gesetzt wird, damit wir im März stärkste Fraktion werden".

Zu den laut Günther "überzeugenden und authentischen Persönlichkeiten", die die Grünen aufzubieten haben, gehört auf Platz zwei Werner Habermeyer, Sprecher des Ortsverbandes, gefolgt von Bürgermeisterin Eva Bönig auf Platz drei. Hinter den beiden Vertretern der Grünen Jugend reihte sich Stadtrat Manfred Drobny auf Platz sechs ein, der ausdrücklich das Engagement der jungen Leute als Grund für seine neuerliche Kandidatur anführte: Man habe es mit wachsenden Umweltproblemen zu tun, sagte er: "Gleichzeitig wächst die Bewegung, sie zu lösen. Das gibt mir die Motivation weiterzumachen."

Zu einer ersten "Kampfkandidatur" kam es um Platz sieben, einen der "ungeraden" Frauenplätze, für den sich die Stadträtinnen Waltraud Heinlein-Zischgl und Charlotte Reitsam beworben hatten - mit dem besseren Ende für Reitsam. Heinlein-Zischgl musste sich zwei weiteren Konkurrentinnen um die Frauenplätze geschlagen geben und landete auf Platz 13 der Liste. Auf Platz acht soll Alfons Aigner, Gärtner, Bienenzüchter und Fledermausfachberater, sein Wissen in den Wahlkampf einbringen, Platz neun ging an die Sozialpädagogin Sabine Bock, auf Platz zehn findet sich "Habermeyer, der Ältere", Stadtrat Sebastian Habermeyer - und auf den Plätzen elf und zwölf treten in der Dozentin und Autorin Manuela Gaßner und dem Schreiner Rolf Linke zwei weitere Personen an, die in der Freisinger Stadtgesellschaft nicht ganz unbekannt sind.

Sie alle, wie auch die anderen 27 Bewerber auf der Grünen-Liste sollen helfen, im März 2020 "ein Zeichen zu setzen", wie es Ortssprecherin Veronika Hannus eingangs formuliert hatte: "Wir werden uns nicht mit einem kleinen Teil zufriedengeben. Wir wollen so viel wie möglich."