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Ehrenamtliche Bürgermeister:Mindestens ein Halbtagsjob

Mauerns Bürgermeister Georg Krojer wird, sollte er im März wiedergewählt werden, hauptamtlicher Bürgermeister. Vier andere werden es weiter ehrenamtlich machen.

(Foto: Lukas Barth)

In fünf Gemeinden arbeiten die Rathauschefs trotz wachsender Aufgaben noch ehrenamtlich für eine Aufwandsentschädigung. Lediglich in Mauern wird sich das nach der Kommunalwahl ändern.

Sie sind jeden Tag im Rathaus, die meisten von ihnen den ganzen Vormittag, viele auch nachmittags, ihr Job beinhaltet oft Abend- und immer mal wieder Wochenendtermine. Hans Daniel bezeichnet es "mindestens als Halbtagsjob", Paul Bauer gar als "Rundum-Job". Hans Daniel, Paul Bauer, Michael Hobmaier, Hans Eichinger und Georg Krojer - sie sind die fünf Bürgermeister im Landkreis Freising, die ihren Job noch ehrenamtlich machen. Einzig für Krojer könnte sich das in Zukunft ändern: In der Gemeinde Mauern wird der Bürgermeister mit der kommenden Amtsperiode hauptamtlich.

Ob ein Bürgermeister ehren- oder hauptamtlich tätig ist, hat zum einen mit der Einwohnerzahl zu tun, zum anderen ist es die Entscheidung des Gemeinderates. In Gemeinden von bis zu 5000 Einwohnern ist der Bürgermeister grundsätzlich erst einmal ehrenamtlich - es sei denn, der Gemeinderat bestimmt per Satzung etwas anderes. Leben zwischen 5000 und 10 000 Menschen in einer Gemeinde, ist die Ausgangslage andersherum: Der Bürgermeister ist grundsätzlich hauptamtlich, der Gemeinderat kann sich aber für ein Ehrenamt entscheiden. Und von 10 000 Einwohnern an ist der Bürgermeister - wie in Freising, Neufahrn, Eching Moosburg und Hallbergmoos - zwingend hauptamtlich tätig.

In den kleineren Gemeinden ist es meistens eine finanzielle Frage, denn ein hauptamtlicher Bürgermeister bekommt Beamtengehalt und später dann auch eine Pension ausgezahlt. Die Ehrenamtlichen bekommen dagegen eine Entschädigung, die - je nach Einwohnerzahl - seit diesem Jahr bis zu fast 6000 Euro pro Monat betragen kann. Die ehrenamtlichen Bürgermeister im Landkreis wollen zu der Höhe ihrer Entschädigungszahlungen keine Aussage machen. Das Gesetz über kommunale Wahlbeamte und Wahlbeamtinnen gibt allerdings einen klaren Rahmen vor, nach dem sie bei allen von ihnen aktuell zwischen 2 500 und 3 750 Euro pro Monat liegen müsste.

Geier hält das Ehrenamt für überholt, Krojer ist froh, dass der Mauerner Bürgermeister bald hauptamtlich ist

Es gibt im Landkreis durchaus kleinere Gemeinden, die einen hauptamtlichen Bürgermeister haben, darunter Attenkirchen, Haag und Wolfersdorf. Einer von ihnen ist Anton Geier. Der Bürgermeister von Haag hält das Ehrenamt für überholt und nicht mehr zeitgemäß. In allen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Zolling sind die Bürgermeister seit 2002 hauptamtlich. "Aus Gründen der Vernunft. Ob Hauptamt oder Ehrenamt, kleine oder große Gemeinde: Es gibt immer viel zu tun", sagt Geier.

Georg Krojer sieht das ähnlich. Er ist froh, dass sich die Dinge in seiner Gemeinde bald ändern. "Die Projekte werden mehr, die Aufgaben vielfältiger", sagt der Mauerner Bürgermeister. Den Beschluss des Gemeinderats, von der kommenden Periode an einen hauptamtlichen Bürgermeister einzusetzen, nimmt Krojer vor allem als Lob für seine Arbeit, findet es aber auch grundsätzlich einen Schritt in die richtige Richtung. "Ich glaube aber nicht, dass das jetzt eine Welle der Veränderung in anderen Gemeinden auslöst." Er gibt zu bedenken: Es gibt durchaus Bürgermeister, die lieber ehrenamtlich arbeiten. "Ein generelles Problem beim Hauptamt ist der Wiedereinstieg in den Beruf nach sechs Jahren", sagt er. Wer aus der freien Wirtschaft komme, sei dann "weg vom Fenster". Für Krojer ist das kein Thema mehr. Sein Bauunternehmen hat er vollständig an seinen Sohn abgegeben, um mehr Zeit für das Bürgermeisteramt zu haben.

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Hobmaier ist mit seinem Vorstoß in Hörgertshausen abgeprallt

In Hörgertshausen hat die Nachricht aus Mauern sehr wohl eine kleine Welle ausgelöst: Nachdem die Entscheidung öffentlich wurde, wagte auch Michael Hobmaier einen Vorstoß. "Es kann ja nicht sein, dass wir fast doppelt so viele Angestellte haben und der Bürgermeister ehrenamtlich bleibt, während in Mauern umgestellt wird", begründet der Hörgertshausener Bürgermeister seinen Vorschlag. Hörgertshausen ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Mauern. Doch der Gemeinderat lehnte ab, ein ehrenamtlicher Bürgermeister sei für die Gemeinde mit knapp 2000 Einwohnern ausreichend.

Hobmaier sieht das anders: Er betreut drei Feuerwehren, einen Kindergarten mit 20 Angestellten und viele Ortsteile. "In der Woche komme ich auf 36 bis 46 Stunden", sagt der Schreinermeister, der seinen Betrieb mittlerweile einstellen musste. Beides zu stemmen, war nicht mehr möglich. "Klar bekomme ich eine Entschädigung, aber wenn man Haus und Familie hat, ist das nicht viel", so Hobmaier. Die Verantwortung, die er trage, das Organisieren des laufenden Betriebs in der Gemeinde - das alles sei mit viel Arbeit verbunden. Bei seinem Vorstoß sei es aber nicht um Geld gegangen, sondern um Gleichstellung innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft. Am Ende, sagt Hobmaier, sei er aber Bürgermeister mit Herzblut und stehe bei der diesjährigen Kommunalwahl wieder zur Wahl - auch als ehrenamtlicher Bürgermeister.

In anderen kleinen Gemeinden hält man ein Ehrenamt für ausreichend: "Solange alles gut organisiert ist, geht das"

Auf die Frage, ob er lieber hauptamtlicher Bürgermeister wäre, sagt sein Paunzhausener Kollege Hans Daniel: "In Paunzhausen wär's ein Schmarrn." Seine Gemeinde hat etwa 1500 Einwohner, keine eigene Kläranlage, die Schulen organisieren sich in einem Verband mit dem benachbarten Schweitenkirchen. "Klar, es ist Aufwand, und man macht ja auch nie wirklich Feierabend. Man ist immer Bürgermeister, sobald man aus der Haustür geht", sagt Daniel. Trotzdem ist er der Meinung: "Solange alles gut organisiert ist, geht das."

Ein Hauptamt für den Bürgermeister fände er auch deshalb Unsinn, weil die Gemeinde Paunzhausen in Sachen Ausgaben grundsätzlich einen Sparkurs fährt. "Ich kann ja nicht verlangen, dass wir immer sparen, und dann aber sagen: Bei mir nicht", sagt der Landwirt lachend. Daniel hat einen eigenen Hof, um den er sich morgens kümmert, bevor er ins Rathaus fährt, und abends, wenn er wieder zurück ist. Auch der ehrenamtliche Bürgermeister Bauer sieht das ähnlich: "Bei 1500-Einwohner-Gemeinden ist es üblich, dass der Bürgermeister ehrenamtlich ist. In Gammelsdorf war das auch schon immer so." Würde Bauer weitermachen, würde er bei der Regelung bleiben wollen.

© SZ vom 22.01.2020/lada
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