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Klinikum Freising:Investition in die medizinische Versorgung

FREISING: Aussenansicht KLINIKUM / KREISKLINIK / KRANKENHAUS

Auch positive Ergebnisse hat die Analyse durch eine Task Force erbracht: Die Pandemie habe man bisher sehr gut gemeistert.

(Foto: Johannes Simon)

Das Freisinger Krankenhaus will sich neu aufstellen. Künftig sollen stationäre Schmerztherapie und Akutgeriatrie zum Portfolio zählen.

Von Petra Schnirch, Freising

Die Arbeit der Task Force ist beendet, nun soll das Klinikum Freising konzeptionell neu ausgerichtet werden. Im Behandlungsangebot gebe es bisher "weiße Flecken", bilanzierte Landrat Helmut Petz (FW) am Montag bei einem Pressegespräch. Als sinnvolle Ergänzungen sollen künftig laut Geschäftsführerin Maren Kreuzer beispielsweise eine stationäre Schmerztherapie und eine Akutgeriatrie zum Portfolio zählen, für die interventionelle Radiologie ist bereits ein Chefarzt gefunden. Ausgebaut werden soll auch der Intensivbereich.

Sechs Monate lang hatte die Task Force, fachlich begleitet durch eine auf Medizinberatung spezialisierte Firma, an dem Konzept gearbeitet. Eine gute medizinische Versorgung sei dem Landkreis wichtig, sagte Petz. "Das darf auch etwas kosten." Die Kosten für die Umsetzung der Maßnahmen schätzt Kreuzer auf etwa 1,1 Millionen Euro. Hinzu kommen drei Millionen für die Digitalisierung, durch die Prozesse verbessert und Personal entlastet werden soll - dafür kann das Klinikum aber mit einer hohen Förderung rechnen. Der Antrag soll noch in diesem Jahr gestellt werden.

Schmerzpatienten wandern bisher in andere Häuser ab

Von den Investitionen verspricht sich der Landrat aber auch auf der Einnahmenseite "eine Spirale nach oben". Zeitweise habe beispielsweise ein Teil der Intensivbetten nicht belegt werden können, weil Personal gefehlt habe. In den vergangenen zwölf Monaten während der Corona-Krise sei das aber nicht der Fall gewesen. Schmerzpatienten, die stationär behandelt werden müssten, wanderten derzeit in andere Krankenhäuser ab. Allein 2019 hätte sich hier im Landkreis ein Potenzial von 155 Patienten ergeben, im benachbarten Pfaffenhofen - dort existiert ebenfalls kein stationäres Angebot - waren es 81. Kreuzer geht in diesem Bereich von einem stabilen und sogar steigenden Bedarf aus. Als Zielwert nannte sie ein Plus von 355 Geriatrie-Patienten pro Jahr.

Zudem soll die Intensivabteilung mit aktuell 14 Betten - zwei weitere wären bei zusätzlichem Fachpersonal verfügbar - um eine sogenannte Intermediate-Care-Station mit sechs Betten erweitert werden. Ein bisher für Umkleide- und für Bereitschaftsräume genutzter Bereich soll dafür umgebaut werden. Er diene künftig als eine Art "Puffer" zwischen Intensiv- und Normalstation, erklärte Petz. Eine Neuorganisation sei darüber hinaus im OP-Bereich notwendig,

Nachbesserungen bei der Geburtshilfe

Auch positive Ergebnisse hat die Analyse durch die Task Force erbracht: Die Pandemie habe man bisher sehr gut gemeistert. Die Akzeptanz und Annahme des Klinikums insgesamt durch die Bevölkerung sei gut, sagte Petz. 82 Prozent der Patienten kämen aus dem Landkreis. Nachbesserungsbedarf sieht er aber bei der Geburtshilfe. Das Klinikum bleibe hier "weit hinter dem, was möglich ist". Viele Frauen gingen zur Entbindung lieber nach Landshut, denn in Freising fehle ihnen der "kinderärztliche Hintergrund". Diese Lücke will das Klinikum schließen, allerdings nicht mit eigenem Personal, sondern Kooperationen. Auch das wird Geld kosten. Kinderklinik werde das Krankenhaus allerdings keine, sagte Kreuzer.

Notwendig sei generell eine enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, um weitere Leistungsbereiche an das Krankenhaus zu binden. Erweitert werden soll auch die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Rechts der Isar, etwa in der Thoraxchirurgie, der Neurochirurgie, der Pneumologie und Pädiatrie. Geschäftsführerin Kreuzer rechnet damit, dass zur Umsetzung der Neuerungen auch in Freising fünf bis zehn zusätzliche Stellen erforderlich sein werden.

Aufbruchstimmung im Klinikum

Mit der neuen Geschäftsführerin seien die "atmosphärischen Schwierigkeiten" im Klinikum verflogen, konstatierte der Landrat. "Die Ideen sprudeln." Er sprach von einer "Aufbruchstimmung", die auch bei der Personalakquise helfen werde. Kreuzer betonte, dass ihr ein "kooperativer Führungsstil" und eine "transparente Kommunikation" wichtig seien. Sie sei offen für Vorschläge und Kritik. Wichtige Eckpfeiler seien Fort- und Weiterbildungsangebote. Auch Teile des Wohnheims würden weiter modernisiert, bevor dann der Neubau mit Kita und Tiefgarage realisiert werden könne. Baubeginn soll in drei bis fünf Jahren sein. Möglichst schon 2023 soll der Bauabschnitt vier starten - dafür wird der weitgehend ungenutzte Gebäudetrakt neben dem grünen Bau abgerissen.

© SZ vom 05.05.2021/psc
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