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Freising:Klinikum in der Krise

Das Freisinger Klinikum hat im Jahr 2019 ein Defizit von 2,5 Millionen Euro eingefahren. Im Coronajahr 2020 wird das Ergebnis nicht besser ausfallen.

(Foto: Marco Einfeldt)

In einer Sondersitzung will sich der Freisinger Kreistag mit den Umständen der überraschenden Trennung von Geschäftsführer Andreas Holzner beschäftigen. Sorgen bereitet auch der hohe Einnahmeverlust in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Von Peter Becker, Freising

In einer Sondersitzung wird sich der Freisinger Kreistag nach der Sommerpause mit den Begleitumständen der Trennung von Andreas Holzner, dem früheren Geschäftsführer des Klinikums, beschäftigen. Das hat Landrat Helmut Petz (FW) in der Sitzung des Gremiums am Donnerstag angekündigt. Grund dafür ist, dass einige Kreisräte ihre Verwunderung über die Personalie geäußert hatten, die ihrer Auffassung nach aus heiterem Himmel gekommen war.

Maren Kreuzer hat nach der Ablösung von Holzner die Geschicke des Klinikums als Interimsgeschäftsführerin in die Hände genommen. Sie ging in ihrem Bericht auf das Defizit von 2,5 Millionen Euro ein, welches das Krankenhaus im Jahr 2019 eingefahren hatte. Maren Kreuzer machte dafür den rückläufigen Schweregrad von Erkrankungen, die im Krankenhaus behandelt wurden, verantwortlich. Dies macht sich bei Abrechnungen bemerkbar. Rainer Schneider (FW) sagte, er habe in einer Aufsichtsratssitzung des Ingolstädter Klinikums vernommen, dass der Notdienst des Freisinger Krankenhauses öfters abgemeldet gewesen sei. Den hätten die Ingolstädter Kollegen übernommen und die Patienten in andere Kliniken gefahren. Dies sei ein Grund gewesen sein, warum die schwieriger zu behandelnden Fälle in Freising so zurückgegangen seien. Petz sagte, in Freising habe es Besetzungsschwierigkeiten gegeben.

Martin Pschorr (SPD) bemängelte, man sei in den Sitzungen der vergangenen Jahre "nicht ansatzweise" über die Probleme am Klinikum unterrichtet worden. Erich Irlstorfer (CSU) fragte Petz, wie er nach nur wenigen Tagen im Amt des Landrats die "schwerwiegende Entscheidung", sich von Holzner zu trennen, habe fassen können, wie er sich ein Bild von "atmosphärischen Störungen" am Krankenhaus habe verschaffen können. Irlstorfer wollte wissen, warum über Wochen keine Herzinfarktpatienten mehr im Klinikum aufgenommen worden seien. Der CSU-Kreisrat argwöhnte, dass in der neuen Zusammensetzung des Aufsichtsrats Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben worden sei, über ihren Chef abzustimmen. Birgit Mooser-Niefanger (FSM) forderte "präzise Antworten" von Petz. Denn ihrem Vernehmen nach habe es angeblich schon vor der konstituierenden Sitzung des Kreistags festgestanden, dass Holzner gehe müsse. Darüber seien die Kreisräte nicht informiert gewesen.

Dazu wisse sie mehr als er, entgegnete Petz der FSM-Kreisrätin. Es sei über Holzner diskutiert worden, aber eine Entscheidung sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen gewesen. "Atmosphärische Störungen" festzustellen, sei laut Petz nicht schwer gewesen. Als Beispiel führte er an, dass in der konstituierenden Sitzung des Kreistags im Mai kein Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat des Klinikums bestellt werden konnte. Die Kommunikation unter den entsprechenden Partnern seien zu dem Zeitpunkt nur noch über Rechtsanwälte gelaufen. Der Verdacht auf ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Geschäftsführer und Angestellten habe sich im Laufe von Gesprächen verdichtet. "Die Situation war zu verfahren", sagte Petz. Was die aktuelle Zusammensetzung des Aufsichtsrats angehe, habe diese der neue Kreistag bestimmt.

Um das Klinikum wieder auf Vordermann zu bringen, damit dort nicht mehr nur einfache Fälle behandelt würden, wird kommenden Woche eine Task Force gegründet. Die soll nach der Sommerpause ihre Arbeit aufnehmen.

© SZ vom 24.07.2020

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