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Klimaschutz:Der Landkreis als Vorbild

Nur mit dem Bau weiterer Solarparks, Windkraftanlagen und Photovoltaikmodulen auf Dächern ist die Energiewende im Landkreis bis zum Jahr 2035 zu schaffen, darauf weist der Verein Sonnenkraft Freising hin.

(Foto: Claus Schunk)

Um die Energiewende voranzutreiben will der Landkreis Freising nach den Vorstellungen von Landrat Helmut Petz vorangehen. Deshalb soll die Energieberatung künftig fester Bestandteil bei Baugenehmigungsverfahren werden.

Von Peter Becker, Freising

Energieberatung sei sein Steckenpferd, bekannte Landrat Helmut Petz (FW) während der Jahrespressekonferenz. Schon im Wahlkampf hatte er versprochen, die im Jahr 2007 beschlossene Energiewende vorantreiben zu wollen. Symbolisch drückt sich das darin aus, dass die Energieberater im Landratsamt jetzt eine eigene Stabsstelle erhalten und quasi zum Büro des Landrats gehören. "Die Energieberatung soll alle Informationsbedürfnisse abdecken", sagt Petz. Sie wendet sich explizit an Bauherren. Für sie könnten sogar die Baugebühren reduziert werden, wenn sie an einer solchen Beratung teilgenommen haben.

Die Energieberatung soll nach dem Willen von Petz fester Bestandteil im Baugenehmigungsverfahren werden. Aber auch die Gemeinden sollen in der Bauleitplanung über energetische Festsetzungsmöglichkeiten informieren. Die Kommunen seien willig, stellte Petz fest. Allerdings fehle es dort mitunter noch an Einrichtungen und entsprechenden Möglichkeiten.

Ladestationen für elektrische Dienstfahrzeuge sind bereits in Auftrag gegeben

Was die Umrüstung des Fuhrparks des Landratsamts anbelangt, "bauen wir von Verbrennern auf Elektrofahrzeuge um", informierte Petz. Gerade laufe die Ausschreibung für die ersten elektrischen Dienstfahrzeuge, schreibt Petz selbst in seinem Jahresrückblick. Was deren Versorgung mit Energie angeht, wolle der Landkreis auf Ökostrom umstellen. Die Installation von Ladestationen in der Tiefgarage des Landratsamts sei bereits in Auftrag gegeben. In Planung sei ebenso der Kauf von Dienst-E-Bikes.

Wie in vielen anderen Bereichen will der Landkreis in Sachen Energiewende als gutes Beispiel voranschreiten. Diese soll bis zum Jahr 2035 vollzogen sein. Ob das tatsächlich möglich ist, daran werden immer mehr Zweifel laut. Vielen Kritikern geht der Umstieg zu langsam. Statt sich im Gänsemarsch vorwärts zu bewegen, sind wohl künftig eher Siebenmeilenstiefel nötig, um bis um Jahr 2035 klimaneutral zu werden.

Der Kreistag wird sich mit einem Antrag der Fraktion der Grünen beschäftigen. Diese wünscht sich aus Anlass der "Halbzeit" des Energiewendebeschlusses eine "Freisinger Klimakonferenz", so weit dies aufgrund der Pandemie im Jahr 2021 möglich sein sollte. Dabei soll zum einen eine Bilanz gezogen werden, was in den Jahren seit 2007 umgesetzt worden ist. Zum anderen sollen die Teilnehmer Lösungen finden, die durchsetzbar sind, um die Energiewende bis zum Jahr 2035 noch zu schaffen.

Es geht voran - aber langsam

Die Grünen erkennen durchaus an, dass in den vergangenen Jahren viel angestoßen worden ist. Der Landkreis hat ein Klimaschutzbündnis etabliert, aus dem zum Beispiel das Solarkataster hervorgegangen ist. Das beschreibt die Eignung eines Hausdachs für die Installation von Photovoltaikanlagen. Im Landkreis sind zwei Windräder gebaut worden. Viele Liegenschaften des Landkreises sind mittlerweile mit Photovoltaikanlagen versehen, andere sind energetisch saniert worden. "Dennoch würde das Energiewendeziel bei der Beibehaltung der Umsetzungsgeschwindigkeit der ersten vierzehn Jahre bei weitem verfehlt werden", begründen die Grünen ihren Antrag wenig optimistisch.

"Die Ziele waren hehr", erinnerte Petz anlässlich der Vorstellung der Energiebroschüre für das Jahr 2020 im September. "Doch die Anstrengungen haben nicht das gebracht, was erhofft wurde", stellte er nüchtern fest. Andreas Henze vom Verein Sonnenkraft Freising machte Hoffnung, dass die Energiewende doch noch gelingen könnte. Es müsste aber deutlich mehr Energie, bis zu 250 Prozent des aktuellen Bedarfs, erzeugt werden. Laut Henzes Berechnungen wären das bis zu 1,5 Milliarden Kilowatt zusätzlichen Stroms aus erneuerbaren Energien. Am wahrscheinlichsten wäre das seiner Meinung nach durch einen Mix an weiteren Windkraftanlagen, Solarparks und Photovoltaikanlagen auf Dächern zu erreichen.

Moritz Strey, Energieberater im Landratsamt, hatte schon 2017 im Planungsausschuss des Kreistags, zehn Jahre nach dem Beschluss zur Energiewende, eine nüchterne Bilanz gezogen. Diese sei zum angestrebten Zeitpunkt nicht zu schaffen. "Es schaut schlecht aus." Grund für die enttäuschende Entwicklung sei die Tatsache, dass der Landkreis zwar über eine große Menge erneuerbarer Energien verfügt, diese aber nicht ausreicht, um damit Wärme zu erzeugen oder den Umstieg auf Elektromobilität zu ermöglichen.

© SZ/nta
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