bedeckt München
vgwortpixel

Klimaprotest in Freising:CSU-Besuch im Solidarischen Zeltlager

Jürgen Mieskes (rechts) und die Mitglieder des Solidarischen Netzwerks sind nicht immer einer Meinung - aber andere Ansichten zu hören, schadet ja nicht.

(Foto: oh)

Das Solidarische Zeltlager stößt in den sozialen Netzwerken nicht nur auf Zustimmung. Auch CSU-Ortschef Mieskes ist "irritiert" - und kommt dann persönlich vorbei, um mit den jungen Leuten zu diskutieren

Die Vernetzung, die im Zuge der "Fridays for Future"-Demonstrationen zwischen Staaten auf der ganzen Welt stattgefunden hat, schlägt auch in den einzelnen Ländern, Städten und Gemeinden weiter Wurzeln. So haben in Freising über die Klimaproteste unterschiedliche aktionistische Gruppen in der neuen Vereinigung SNF (Solidarisches Netzwerk Freising) zusammengefunden. "Wir sind draufgekommen, dass wir neben dem Klima viele andere politische Anliegen gemeinsam haben", erklärte Gregor Diderich, Pressesprecher der Gruppe beim Solidarischen Zeltlager, das das SNF noch bis Donnerstag in dem kleinen Park an der Johannisstraße abhält. Dort soll den gemeinsamen Anliegen der Vereinigung Raum für Gespräch und Diskussion geboten werden.

Diskutiert wurde auch im sozialen Netzwerk Facebook, wo das Camp in der Gruppe "Treffpunkt Freising" eine angeregte Debatte ausgelöst hat. Neben Stimmen, die es lobten, und der Erklärung, dass es sich um eine genehmigte Veranstaltung handele, wurden dort auch viele kritische Aussagen getätigt, die beispielsweise hinterfragten, ob die Mitglieder der Vereinigung selbst bei der Planung des Lagers klimafreundlich vorgegangen seien. Die Diskussion fand schließlich eine Fortsetzung, als Jürgen Mieskes, CSU-Vorsitzender in Freising, der sich ebenfalls an der Facebook-Debatte beteiligt hatte, am Montagnachmittag aus der virtuellen in die reale Welt wechselte und das Zeltlager besuchte. Sein Büro an der Johannisstraße ist gleich nebenan. "Ich war überrascht und irritiert, als ich gestern daran vorbeigefahren bin", hatte er zuvor erklärt. Er befürworte zwar den Einsatz der jungen Menschen, allerdings finde er nicht, dass das Stadtzentrum ein geeigneter Ort für das Camp sei und habe die Sorge, dass Leute angefeindet werden könnten, die mit dem Auto daran vorbeifuhren. "Jeder sollte dort einen Beitrag leisten, wo er kann", so Mieskes.

Negativ aufgefallen war Mieskes eine Antifa-Fahne, Muraro liefert ihm eine Begründung

In diesem Punkt wurde er sich mit Mario Muraro schnell einig, der auf Facebook bereits einige Worte mit Mieskes gewechselt hatte und ihn schließlich auch am Tisch im Zeltlager begrüßte. Nachdem Mieskes erzählt hatte, dass er seit 2006 Ökostrom von den Stadtwerken beziehe und seit einigen Jahren auch nachhaltig einkaufe und wesentlich weniger Müll produziere, schilderte Muraro, dass er seine Lebensmittel vor allem regional beim Tagwerk Biomarkt besorge. "Auf der Hose steht zwar leider Hugo Boss, aber die habe ich im Second-Hand-Bereich bei der Caritas gefunden", erklärte er.

Auf Mieskes Frage nach der Antifa-Fahne, die ihm im Zeltlager sehr negativ aufgefallen war, erläuterte Muraro, dass das SNF sich explizit gegen die gewalttätigen Aktionen stelle, die der Antifa zugeschrieben würden. "Wir wollen gerade deshalb gerne die friedliche, antifaschistische Seite betonen, für die sie unserer Meinung nach stehen sollte", sagte er und erklärte, dass die Fahne bei ihnen im Camp aus diesem Grund neben einer großen Friedensflagge hänge.

Umweltschutz "Solidarisches Netzwerk" schlägt Camp an der Johannisstraße auf
Freising

"Solidarisches Netzwerk" schlägt Camp an der Johannisstraße auf

Das aus Klimaschutz-Demos hervorgegangene Netzwerk SNF macht auf seine Anliegen aufmerksam.   Von Rosanna Wegenstein

Beim Thema "Verkehr und Autofahren" gehen die Lebenswelten auseinander

Auch das kritische Thema "Verkehr und Autofahren" kam zur Sprache. Hierbei trafen zwei verschiedene Perspektiven aufeinander, denn Muraro erzählte, dass er seit einigen Jahren kein Auto mehr besitze und in der Stadt das Rad benutze, während Mieskes erklärte, dass er ein SUV fahre, das er im Urlaub unter anderem zum Ziehen eines Wohnwagens nutze, denn er gab zu, im Sommer ebenfalls sehr gerne zu campen. Zusammen fand man beim großen Thema Mobilität in der Ansicht, dass Veränderung nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt stattfinden müsse und dort beginne, wo man Gewohnheiten hinterfrage. "Es geht uns nicht um einen Vorwurf, sondern immer nur ums Hinterfragen und Bewusstmachen", betonte Muraro. Um das eventuell auch gemeinsam mit Mieskes weiterhin tun zu können, wurde der gleich noch zum Lagerfeuer am Abend eingeladen.

Gregor Diderich von SNF erzählte schließlich, dass in den vergangenen Tagen öfter Leute in das Zeltlager gekommen seien, die erwartet hätten, bei ihnen auf Ablehnung zu stoßen. "Dabei freuen wir uns auch über Ansichten, die anders als unsere sind. Die tun auch etwas mit uns und regen uns zum Nachdenken an", sagte er und ergänzte, dass sie schließlich Menschen seien wie alle anderen. Ein Mann sei gestern vorbeigekommen, der ebenfalls zuerst sehr kritisch gegenüber ihrem Camp eingestellt war. "Heute Abend kommt er wieder. Ich glaube er bringt frisch gebackenes Brot", sagte der Pressesprecher der Gruppe.