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Personalmangel: Pfarrverbände werden aufgelöst.:Eine große "Stadtkirche" für Freising

Neustifter Kirche Freising

Pfarrer Peter Leder von St. Georg wird künftig auch für die Neustifter Kirche St. Peter und Paul zuständig sein.

(Foto: Veronica Laber)

Pfarrer Peter Lederer wird künftig auch für St. Peter und Paul in Neustift zuständig sein - dort sieht man diese Lösung kritisch.

Für die katholische Kirche in Freising ist das ein Umbruch: Die bestehenden Pfarrverbände sollen aufgelöst und zu einer "Stadtkirche" zusammengeschlossen werden, die das Gebiet des bisherigen Dekanats Freising umfasst. Das teilt das Erzbischöfliche Ordinariat mit. Grund dafür sei der Personalmangel.

Konkrete Pläne, wann diese Stadtkirche offiziell gegründet werden soll, gibt es nach Auskunft des Ordinariats noch nicht. Laut Monsignore Peter Lederer, der von Kardinal Reinhard Marx den Auftrag bekommen hat, die Gründung in die Wege zu leiten, wird der Prozess "ein paar Jahre" dauern. Die ersten Änderungen werden aber schon bald zu spüren sein: So wird Lederer zum 1. Juni auch Leiter des Pfarrverbandes Neustift werden.

Der Personalmangel gehört zu den größten Problemen, welche die Kirche zu bewältigen hat. Auch in Freising macht sich das bemerkbar: Pater Mariasoosai Arulandu, bekannt als Pater Soosai, wird nach mehreren Jahren als Seelsorger in Neustift in sein Heimatland Indien zurückkehren, einen Nachfolger gibt es jedoch nicht.

In Zukunft wird das Thema Personalmangel offenkundig noch gravierender. Dass immer weniger Menschen Pfarrer oder Pastoralreferent werden wollen, ist Tatsache - deshalb ist die Kirche gerade dabei, neue Modelle wie die "Stadtkirche" auszuprobieren. Im Erzbistum München und Freising gibt es bereits mehrere Stadtkirchen, unter anderem in Mühldorf und Bad Aibling. "Aus unserer Wahrnehmung haben sich die Gemeinden vor Ort in der neuen Verbundenheit gut eingelebt", teilt die Pressestelle des Ordinariats mit. Ziel von Pfarrverbänden und Stadtkirchen sei es, organisatorische Synergien zu nutzen und pastorale Kompetenzen zu bündeln, und zwar "immer unter Beibehaltung der jeweiligen Identitäten der Gemeinden". Das betreffe insbesondere die Verwaltungsarbeit: Diese sollte gebündelt werden, damit das pastorale Personal sich zentral seiner Kernaufgabe, der Seelsorge, widmen könne.

Der neue Personal- und Stellenplan des Ordinariats sieht vor, dass "gut ein Viertel aller sogenannten Pastoralstellen" in den kommenden zehn Jahren wegfallen werden, wie die Süddeutsche Zeitung am Montag berichtete. Die Zahl der Priester dürfte sogar um ein Drittel sinken. Und in Freising? 2030 soll die pastorale "Grundversorgung" für das Dekanat Freising von vier Seelsorgern, zwei Priestern und zwei Mitarbeitern in der Seelsorge geleistet werden - das ist die "unterste Grenze", wie Lederer sagt. "Gleichzeitig ist aber eine enge Verschränkung von diesen Grunddiensten und weiteren Seelsorgern angedacht", die zum Beispiel in Bereichen wie Kranken- oder Seniorenpastoral tätig sind, heißt es aus dem Ordinariat.

Leicht werden dürfte das nicht, denn Pfarrer Peter Lederer, 59, ist schon Leiter des Pfarrverbandes St. Korbinian und kümmert sich zusätzlich um die Pfarrei St. Lantpert in Lerchenfeld. Doch er ist zuversichtlich, auch die neue Aufgabe als Leiter des Pfarrverbandes Neustift mithilfe seiner Mitarbeiter meistern und ein "tragfähiges" Modell entwickeln zu können, klar ist aber: "Da muss man bestimmte Elemente ändern". Zum Beispiel was die Gottesdienstordnung angeht, die seiner Meinung nach "flexibel" gestaltet werden sollte: Eine Heilige Messe in jeder Gemeinde an jedem Sonntag wird wohl nicht mehr geben, aber zumindest ein Wortgottesdienst ohne Eucharistiefeier sollte seiner Meinung nach gewährleistet werden. Bei weiteren Aktivitäten wie zum Beispiel Pfarrausflügen soll künftig geprüft werden, ob sie auch tatsächlich notwendig sind: "Dass ein Ausflug nicht stattfindet, ist natürlich schade, aber die Kirche wird nicht deshalb untergehen", sagt er. Die Kirche teile das "Schicksal vieler Arbeitgeber in der Region", nämlich den Fachkräftemangel.

Brigitte Knoeppfler, zweite Vorsitzende des Pfarrverbandes Neustift, zeigt sich mit der Lösung unzufrieden. Große Einheiten wie eine Stadtkirche sieht sie prinzipiell kritisch, vor allem, weil ein Pfarrer für immer mehr Katholiken zuständig sei und diese immer weniger Bezug zu ihm hätten. Außerdem fühlt sich der Pfarrverband Neustift bei der Entscheidung nicht genügend berücksichtigt: Ein persönliches Gespräch mit dem Ordinariat hat laut Knoeppfler nicht stattgefunden, die Neustifter wussten zwar, dass die Einrichtung einer Stadtkirche eine Option sei, nicht aber, dass man sich letztendlich dafür entschieden habe. Ihr ist aber wichtig zu betonen, dass es nicht um die Personalie Peter Lederer geht, mit dem man konstruktiv arbeiten werde, sondern um das Modell an sich. In Anbetracht des Personalmangels gäbe es ihrer Meinung nach andere Wege, die man ausprobieren könnte. Insgesamt, so Knoeppfler, "werden wir aber das Beste draus machen".

© SZ vom 13.02.2020
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