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Junger Triathlet aus Kirchdorf:Niklas will nach Hawaii

Niklas Ludwig, Ironman

Niklas Ludwig will seine Ausbildung zum Koch auf jeden Fall durchziehen, doch in zehn Jahren sieht er sich nicht am Herd, sondern als Triathlet.

(Foto: Privat)

Das große Ziel des 17-jährigen Kirchdorfers ist die Teilnahme am wichtigsten "Ironman"-Wettkampf der Welt. Dafür muss er nicht nur diszipliniert trainieren, er muss auch erst einmal volljährig werden.

Niklas Ludwig hat klare Vorstellungen von seiner Zukunft: er will nach Hawaii. Nein, nicht in den Urlaub, obwohl wer würde schon dazu nein sagen? Er will nach Hawaii, um am wichtigsten "Ironman"-Wettkampf weltweit teilzunehmen. Und wenn er schon dabei ist, dann bitte auch mit einer Medaille im Gepäck zurückkommen. Das einzige Problem von Niklas Ludwig heißt: Um überhaupt einen "Ironman" mitlaufen zu dürfen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein.

Niklas Ludwig ist noch 17, deshalb sagt er häufig "langfristig" und denkt vor allem an seinen Geburtstag am 5. Juli. Denn zufällig an dem Tag findet in Klagenfurt ein Ironman statt, der als Qualifikation für den hawaiianischen Wettkampf gilt. Niklas Ludwig will natürlich dabei sein und die 3,8 Kilometer Schwimmen, die 180 Kilometer Radfahren und die 42,2 Kilometer Laufen in weniger als zehn Stunden "finishen", wie man im Triathlon-Jargon sagt. Und zwar als "jüngster Athlet".

Niklas Ludwig ist 2002 geboren, mit seiner Familie lebt er in Kirchdorf. Erst im Sommer 2018 hat er den Triathlon für sich entdeckt, das ist gerade eineinhalb Jahre her. Sportlich war er schon immer, doch davor hat er sich ausprobiert: hauptsächlich Fußball, aber auch Klettern, Snowboarden und vieles mehr, denn wenn man in der Jugend nicht experimentiert, wann sonst?

Niklas Ludwig, Ironman

"Meine besten Platzierungen erreiche ich beim Schwimmen, Rad macht mir am meisten Spaß, Laufen mache ich am Längsten", sagt Niklas Ludwig.

(Foto: privat)

Auf Instagram stößt Niklas Ludwig auf Charlie Jabaley, der einen Gehirntumor hat und "Ironman" werden will

Dann aber merkte er, dass das Laufen ihm schon Spaß macht, viel Spaß sogar, und dass er dabei auch gute Ergebnisse erreichen kann. Und hier kommen die sozialen Medien ins Spiel: Auf Instagram, einem Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos, stößt Niklas Ludwig auf das Profil von Charlie Jabaley. Der US-Amerikaner präsentiert sich auf seiner Webseite als "Dreamer", bei ihm wurde ein Gehirntumor diagnostiziert und er hat sich bewusst entschieden, sein Leben umzukrempeln und "Ironman" zu werden. Charlie Jabaley wird für den 17-Jährigen aus Kirchdorf eine Inspiration, vielleicht die wichtigste, weil auch die erste: Auch er will nun Ironman werden. Ironman ist ein geschützter Markenname von Triathlon-Wettkämpfen, weit und breit als Synonym für krasse Menschen, die bis ans Limit kommen, bekannt.

Und tatsächlich ist das Training hart: "Ich stehe gegen sieben Uhr auf, dann gibt es eine erste Trainings-Session - nüchtern. Nach dem Frühstück gehe ich nochmal zum Training", sagt Niklas Ludwig. Seit ungefähr einem Jahr ist der Kirchdorfer Mitglied im TSV Jahn Freising, sein Trainer sitzt aber in Hamburg. "Er schickt mir den Plan übers Handy und ich halte mich daran, bisher hat alles gut gepasst", sagt der 17-Jährige. Dass er "zu 95 Prozent" alleine trainiert, stört ihn nicht. "Ich finde es auch praktisch, denn so muss ich keine Kompromisse machen." Und außerdem: Niklas Ludwig trainiert überwiegend vormittags, sich mit den anderen Athleten zu verabreden, wäre also schwierig. Denn um 14 Uhr geht es los, diesmal mit der Arbeit.

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Ludwig ist in der Kochsausbildung, kennt sich mit Lebensmitteln aus und lebt eine protein- und vitaminreiche Diät

Im Sommer 2018, kurz bevor er seine Leidenschaft für den Triathlon entdeckte, hat Niklas Ludwig eine Ausbildung als Koch angefangen. "Ich habe immer sehr gerne gekocht", sagt er, außerdem sei ihm wichtig, eine Ausbildung als "Back-up für die Zukunft" zu haben. Er arbeitet im Schloss Hohenkammer, häufig in der Spätschicht - und das ist durchaus praktisch, denn so kann er sich morgens mit dem Training beschäftigen. Doch es gibt auch einen anderen Grund, warum ihm die Kochausbildung nützlich ist: Er kennt sich mit Lebensmitteln und deren Inhalten aus, er weiß, wie man eine balancierte Diät gestalten sollte, wie viele Vitamine und Proteine er benötigt. Und das fängt direkt beim Frühstück an, das immer das gleiche ist: ein großer Müslibecher mit einem Apfel, weißem Joghurt, Hafer- oder Mandelmilch, dazu Samen oder Nüsse. Zum Mittag gibt es dann am liebsten eine Nudelpfanne mit Gemüse und einer interessanten Soße oder Fisch. Alkohol trinkt er hingegen nicht, "weil er mir nicht schmeckt". Außerdem geht er nach der Arbeit lieber nach Hause, um für den Folgetag wieder fit zu sein.

Niklas Ludwig will seine Ausbildung auf jeden Fall durchziehen, doch in zehn Jahren sieht er sich nicht am Herd, sondern als Triathlet. Dafür braucht man aber mehr als "nur" Ergebnisse: Man braucht Sponsoren, Kontakte, man braucht schlicht eine Strategie. Das nennt er "Business". Dafür braucht es auch Zeit: Seine Webseite aktualisiert er regelmäßig, und zwar auf Englisch "um mehr Leute zu erreichen", auf den wichtigsten sozialen Medien ist er präsent. Auch einen Podcast hat er gestartet, in der ersten Folge geht es um Networking mit dem Ex-Profiradfahrer David Dudek. Er arbeitet gerne mit "To-do-Listen" und wenn er Bücher liest, dann über Sport oder Ratgeber zur Unternehmensgründung.

Fragt man Niklas Ludwig nach seinem Lieblingssport, antwortet er so: "Meine besten Platzierungen erreiche ich beim Schwimmen, Rad macht mir am meisten Spaß, Laufen mache ich am Längsten." Im Mai vergangenen Jahres hat der Kirchdorfer beim "3Muc Triathlon" in Oberschleißheim mit 54:27 Minuten den dritten Platz erreicht - und somit war er zum ersten Mal auf einem Triathlon-Podest. Beim Ironman sind die Distanzen aber zehnmal so lang: Ob er glaubt, das zu schaffen? "Ich bin zuversichtlich", sagt er, und zögert dabei nicht. Und dann: "Langfristig".

© SZ vom 12.02.2020/lada
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