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Ausgeweitete Notbetreuung in Kitas:Erst spielen, dann desinfizieren

Kindertagesstätte in Nordrhein-Westfalen

Die Betreuung findet in kleinen, festen Gruppen statt, die sich nicht mischen und immer von den selben Erzieherinnen betreut werden.

(Foto: dpa)

In den Kitas ist die Notbetreuung ausgeweitet worden. Jetzt dürfen auch Vorschulkinder und deren Geschwister wieder kommen. Überall aber gelten strenge Hygienevorschriften.

Von Gudrun Regelein und Alexandra Vettori, Freising

Seit 16. März sind Kindertagesstätten in Bayern geschlossen, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu verringern. Lediglich eine Notbetreuung wurde in den gut zwei Monaten angeboten - bis zum Montag. Von dieser Woche an nämlich ist die Notbetreuung ausgeweitet: Jetzt dürfen auch Vorschulkinder und deren Geschwister wieder kommen. Ebenfalls geöffnet sind Großtagespflegen mit Tagesmüttern und Waldkindergärten, wo man das Ansteckungsrisiko als tendenziell niedriger einstuft. Überall aber gelten strenge Hygienevorschriften, und es sollen kleine, feste Gruppen gebildet werden, die immer von den selben Erzieherinnen betreut werden und sich nicht mischen.

"Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie wir das machen sollen", hatte die Leiterin einer altersgemischten Einrichtung im Landkreis Freising vorige Woche noch gesagt. Bisher hatte man hier 16 Kinder betreut, seit diesem Montag sind es 56. Rechne man noch die Eltern dazu, die die Kinder bringen und abholen, und das eine oder andere kleine Geschwisterkind, das notgedrungen auch dabei ist, käme man auf weit über 100 Personen. "Wir hatten jetzt schon Mühe, die ratschenden Eltern hinaus zu bekommen", sagt die Leiterin, die weder ihren Namen, noch den ihrer Kita nennen möchte. Ganz abgesehen davon, dass, um Kleingruppen zu bilden und separat unterzubringen, nicht nur die Räume fehlten, sondern auch das Personal.

Krank werden darf niemand

Andrea Schlüter, Leiterin der Kita St. Georg in Freising, begrüßte am Montag 70 Kinder, normalerweise besuchen knapp 140 den Kindergarten, die Krippe und den Hort. Maximal zehn Kinder werden in einer Gruppe zusammengefasst, Vorschulkinder und ihre Geschwister bleiben zusammen. "Um die Gruppengröße so klein halten zu können, mussten wir eine siebte Gruppe im Hort eröffnen", berichtet Schlüter. Das bedarf aufwendiger Planungen und personell sei es auch nicht einfach. Denn der Betrieb laufe von sieben Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag, je zwei Erzieherinnen, immer die selbe, müssen sich um eine der Gruppen kümmern - und das bei vielen Teilzeitkräften. "Krank werden darf da niemand", meint Schlüter. Auch der Hygieneplan koste Zeit, denn alles müsse gründlich und häufig desinfiziert werden, beim Spielzeug machen die Erzieherinnen das selbst.

Dazu kommt ein streng regulierter Alltag: "Normalerweise bewegen sich bei uns alle frei im Haus", erzählt Schlüter. Das ist nun nicht mehr möglich. Damit die Kinder bei schönem Wetter aber wenigstens in den Garten können, hat man ihn in kleine Bereiche unterteilt - für jede Gruppe einen. "Wir versuchen natürlich, Kontakte zu vermeiden", sagt Schlüter. Die Eltern übergeben ihre Kinder in einer Art Schleuse am Haupteingang, dort tragen Eltern und Erzieherinnen auch Mundschutz. Später in den Gruppen, wird keiner mehr benutzt.

Die Stadt Freising als Trägerin verschiedener Kitas könne nur die Regelungen und Hygienevorschriften der Staatsregierung ausführen, Handlungsfreiheit habe sie nicht, sagt Freisings Pressesprecherin Christl Steinhart. So werde es möglichst kleine Gruppen geben. Falls sich Eltern unsicher sind, ob ihr Kind wieder in seine Kita dürfe, werde das mit der Einrichtung abgeklärt. Die Kommunikation sei da in den vergangenen Wochen nie abgerissen. Das pädagogische Personal sei immer präsent gewesen, habe Masken genäht, die Kitas auf Vordermann gebracht und Konzepte für die Rückkehr entwickelt. Steinhart lobt das "unglaubliche Engagement".

Wie es weiter geht, darüber streitet der Landtag noch. Die Regierung möchte ab 15. Juni die "Notbetreuung" auf 80 Prozent der Kinder ausweiten. SPD und Grüne plädieren für eine Total-Öffnung, weil die restlichen 20 Prozent ausgegrenzt würden und keine wirkliche Notwendigkeit bestehe ihnen den Zugang zu verwehren.

© SZ vom 26.05.2020/nta

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