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Neue Lösung für "Altstadtring":Kammergasse soll komplett zur Fahrradstraße werden

Eine der beiden Linksabbiegerspuren auf der Mainburger Straße wird wegfallen, wenn die Steineckerstraße beidseitig befahrbar wird.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Planungsausschuss will die gesamte Kammergasse zur Fahrradstraße umwidmen, entgegen früherer Planungen doch nicht nur einen Teil davon. Die Steineckerstraße soll eine Gegenspur bekommen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Kammergasse in Freising dürfte nun wohl doch zu einer reinen Fahrradstraße werden, die nur noch von Anliegern mit dem Auto befahren werden darf. Diesen Grundsatzbeschluss hat der Planungsausschuss des Stadtrats am Mittwoch gefasst - und damit die erst im November 2019 bestätigte Variante zur fahrradfreundlichen Umgestaltung des "Altstadtrings" mit einer nur teilweisen Umwandlung wieder über den Haufen geworfen. Aufnehmen soll den Autoverkehr die Alois-Steinecker-Straße - und in der Fortführung dann die Haydstraße -, die künftig in beide Richtungen befahren werden sollen. Genau diese Möglichkeit war zuletzt ausgeschlossen worden, eine erste Berechnung der Leistungsfähigkeit hatte damals ergeben, dass der gegenläufige Verkehr auf der Steineckerstraße nicht zu empfehlen sei.

Stattdessen sollte eine Variante aus der Machbarkeitsstudie verfolgt werden, die vorsah, lediglich den mittleren Bereich der Kammergasse als Fahrrad- beziehungsweise Anliegerstraße auszuweisen. In den übrigen Bereichen sollten Radwege entstehen, die in beide Richtungen befahren werden könnten - doch genau das hat sich inzwischen als Problem erwiesen. Weil die Kammergasse an manchen Stellen ganz einfach zu schmal ist, wäre dort in Teilen sogar nur ein gemeinsamer Geh- und Radweg möglich gewesen.

Auch im Bereich des Hofgartens öffnen sich so neue Spielräume

Das aber "entspricht nicht den ursprünglichen Planungszielen, in der Kammergasse eine echte Alternative für den Radverkehr zu schaffen", hieß es im Ausschuss. Man habe deshalb die Gegenläufigkeit der Steineckerstraße noch einmal überprüft und das PVT Planungsbüro für Verkehrstechnik Essen hinzugezogen, das im Stadtgebiet bereits für die dynamische Ampelschaltung zuständig ist. Die von diesem Büro durchgeführte Mikrosimulation, die den Ausschussmitgliedern kurz präsentiert wurde, hat nun ergeben, dass eine Nutzung der Steineckerstraße in beide Richtungen sehr wohl möglich wäre, wenn es von dort aus keinen Linksabbieger in Richtung Mainburger Berg geben würde. Außerdem müsste eine der beiden Linksabbiegerspuren von der Mainburger Straße in die Steineckerstraße entfallen. Zu erwarten wäre dann allerdings nach ersten Untersuchungen eine leichte Zunahme des Verkehrs auf der Prinz-Ludwigstraße.

Weil eine reine Fahrradstraße auf der Kammergasse auch neue Gestaltungsspielräume im Bereich des Hofgartens eröffnen würde und die gesamte Maßnahme helfen dürfte, die angestrebte Verlagerung des Durchgangsverkehr auf die neuen Umgehungsstraßen zu erreichen, soll nun die neue Planungsvariante weiterverfolgt werden. Ziel sei es nach wie vor, mit der Umsetzung zeitgleich mit der Eröffnung der Umgehungsstraßen im Herbst 2021 zu beginnen. Gegen die neue Strategie stimmte lediglich CSU-Gemeinderat Rudi Schwaiger, die Stimmung seiner Kollegen fasste eher Karl-Heinz Freitag (FW) zusammen, der die Idee als eine "Super-Lösung" feierte: "Eine knallharte Fahrradstraße, statt so einem Gestopsel, das ohnehin niemandem vermittelbar war."

© SZ vom 09.07.2020/nta

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