Süddeutsche Zeitung

Ausstellung:"Ich wünsche mir für alle mehr Zeit für Ruhe".

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Unter dem Titel "Wurzeln Fließen Leuchten" präsentiert die Freisinger Künstlerin Julia Zeckau in der Volkshochschule Kunst für Naturliebhaber und alle, die es noch werden wollen.

Von Norick Huß, Freising

Etwas unscheinbar, nahezu im Schatten der Volkshochschule, steht das wohl natürlichste Möbelstück Freisings. Ein Bett aus Moos. Schon etwas vergilbt, schließlich wurde es bereits 2022 in Holzkirchen und 2023 in München zur Schau gestellt. Das unkonventionelle Exponat fordert seinen Gast auf, sich hineinzulegen. Es ist der Startpunkt Ausstellung der Freisinger Künstlerin Julia Zeckau, die ganz im Zeichen der Natur steht.

Im Flur des ersten Stockwerkes bietet sich dem Besucher ein eher minimalistischer Anblick. Naturfotografien, ausgedruckt auf Papier, hängen an Schnüren befestigt von der Wand. Die Bilder seien so "nahbarer als hinter Glas und Rahmen", begründet die Künstlerin die "luftige Präsentation" ihrer Werke.

Gezeigt werden Motive von Bäumen, Insekten, Pflanzen und dem Himmel. Vereinzelt präsentiert Julia Zeckau Gedichte und kurze Texte, passend zu dem jeweiligen Foto. "Für mich sind alle Ausdrucksformen miteinander verbunden", sagt die studierte Kultur- und Sozialwissenschaftlerin. Auch die lyrischen Ausstellungsstücke überzeugen mehr durch ihren Inhalt als durch ihre optische Darbietung.

Das zweite Stockwerk der Volkshochschule Freising hält Exponate der Kategorie Malerei und Grafikdesign bereit. Abstrakte Gemälde reihen sich an formverspielte Bilder. Julia Zeckau arbeitet mit Kreisen und Dreiecken, gefüllt mit Mustern oder Fotos. Alles erinnert an die Natur.

Auch menschliche Motive lassen sich immer wieder finden. Mal in Form eines Auges zwischen abstrakter Malerei. Dann als Zeichnung einer Frau mit einem wuchernden Kranz aus Blumen auf dem Kopf. Man spürt die Verbundenheit von Mensch und Natur, die die Künstlerin erschaffen möchte. Dieses Gefühl kann auch erworben werden. Neben dem bereits gut gefüllten Gästebuch liegt eine Preisliste für einzelne Gemälde aus. Ein Stück Natur für zu Hause.

Auf ihrer Website präsentiert Julia Zeckau neben Motiven der Natur unter den Rubriken "Female Anger" und "Women" auch Werke mit feministischer Botschaft. Das Thema Feminismus werde sie "sicherlich noch lange begleiten", sagt sie.

Am häufigsten findet man dieses in ihren Malereien. "Malen ist für mich eine sehr schöne Art und Weise Dinge loszulassen, aus mir Fließen zu lassen sozusagen". Apropos Fließen: Den Titel ihrer Ausstellung erklärt die Künstlerin wie folgt: "Wurzeln Fließen Leuchten. Alles Dinge, die wir in der Natur beobachten und auch in uns selbst finden können".

Der Wunsch nach der Entschleunigung des Alltags als Botschaft der Ausstellung

Eine Entschleunigung des Alltags, so lässt sich die Ausstellung charakterisieren. Ganz bewusst, wie Zeckau verrät: "Ich wünsche mir für alle mehr Zeit für Ruhe". Man kann in die Bilder versinken, aber auch ein kurzer Spaziergang durch die Flure der Volkshochschule erfüllt seinen Zweck. Sehenswert ist die Ausstellung allemal.

Wie sie weitermachen will, weiß Julia Zeckau schon ganz genau: "Derzeit plane ich eine Ausstellung zu Gefühlen zusammen mit der Künstlerin und Kunstpädagogin Jasmin Jetter im alten Gefängnis in Freising, diese ist für Januar 2025 angedacht." Moos wird die junge Künstlerin also in absehbarer Zeit keines ansetzen. Ganz trennen vom grünen Gewächs möchte sie sich jedoch nicht: "Das Moosbett kommt bestimmt noch einmal zum Einsatz".

Wer die Ausstellung besuchen möchte, kann dies noch bis zum 16. Juni tun. Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der Volkshochschule Freising besucht werden.

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