WohnenJugendpolitik im Furtnerbräu: Von Mietpreisbremse bis Enteignung

Lesezeit: 2 Min.

In der Diskussion mit Jugendlichen im Furtner: Ates Gürpinar, Landessprecher der Linken in Bayern, und Reinhard Fiedler, Freisinger Mitte (v.r.).
In der Diskussion mit Jugendlichen im Furtner: Ates Gürpinar, Landessprecher der Linken in Bayern, und Reinhard Fiedler, Freisinger Mitte (v.r.).
Lukas Barth

Etwa 30 Jugendliche diskutieren mit Politikern im Furtnerbräu über bezahlbaren Wohnraum in Freising.

Von Nadja Tausche, Freising

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Rund 30 Jugendliche, zwei Politiker und eine große Frage: Wie kann das Wohnen in Freising bezahlbar bleiben? Einen aktuellen Aufhänger lieferte gleich zu Beginn des Jugendpolitikforums am Mittwoch Ates Gürpinar, Landessprecher der bayerischen Linken. Seine Partei gehört zu den Initiatoren des Volksbegehrens, das zum Ziel hat, dass die Mietpreise in Bayern für sechs Jahre nicht ansteigen. Seit diesem Mittwoch können Bürger dafür unterschreiben. "Man kann nicht immer weiter die Mieten erhöhen, ohne mehr Leistung zu erbringen", erklärte Gürpinar bei der Veranstaltung im Furtnerbräu den Vorstoß und appellierte an die jungen Leute: Wählen zu gehen, sei wichtig, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen - "aber entscheidend ist, dass ihr etwas mitverändert", indem sich die Jugendlichen engagierten und Druck aufbauten, sagte er.

Eingeladen zu dem Forum hatte der Kreisjugendring Freising unter dem Motto: "Schluss mit Hotel Mama - Bezahlbares Wohnen". Als zweiter Redner stellte Reinhard Fiedler, Fraktionsvorsitzender der Freisinger Mitte im Stadtrat und Architekt, erst mal klar: "Ich hoffe nicht, dass ihr gekommen seid, um eine Lösung zu bekommen." Die eine, einfache Lösung gebe es nämlich nicht. Eine der Schwierigkeiten sei es, genug Sozialwohnungen zu schaffen: 600 Menschen stünden in Freising momentan auf der Warteliste für öffentlich geförderten Wohnraum, so Fiedler.

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Die Jugendlichen sind gut informiert

Grundsteuer, Mietpreisbremse, Enteignung - die Jugendlichen zeigten sich in der Fragerunde im Anschluss an die Vorträge gut informiert. Warum es in Freising keinen Mietspiegel gebe, um Mietpreise vergleichen zu könne, wollte ein Jugendlicher wissen. Das diskutiere man immer wieder, entgegnete Stadtrat Fiedler. Ganz ohne Mietspiegel sei Freising aber nicht - bei rechtlichen Fragen gelte nämlich der aus Dachau. Eine Jugendliche wollte wissen, wie man in Freising mit Leerstand umgehe. Menschen zu enteignen, weil sie ihre Häuser leer stehen lassen: Das sei generell schwierig, entgegnete Ates Gürpinar.

Einig waren sich die beiden Redner darin, dass die Kommunen eine gewisse Macht über den Wohnungsmarkt an sich ziehen müssten. "Die einzige Möglichkeit ist, dass es Wohnungen abgekoppelt vom freien Wohnungsmarkt gibt", sagte Gürpinar. Nur so könne man gewährleisten, dass die Mietpreise in München und auch in Freising nicht grenzenlos in die Höhe schnellten. Eine Jugendliche spann den Gedanken weiter. Wenn es darum gehe, dass nicht nur Investoren ihren Gewinn vermehren, seien denn dann nicht Genossenschaften die Lösung ? Das sah auch Gürpinar so. Genossenschaften müssten vor privaten Investoren bevorzugt werden, befand er. Auch hier habe man aber nicht die perfekte Lösung gefunden, merkte Fiedler an. Denn der Stadt gehörten in Freising nicht allzu viele Wohnungen, außerdem gebe es kaum Flächen, die noch zu bebauen seien. Nachverdichten könne man mit den gesetzlich vorgegeben Abstandsflächen nicht sehr viel mehr. Und wo solle man überhaupt neue Wohnungen hinbauen? Groß ausdehnen könne sich Freising nicht, man sei begrenzt durch den Flughafen und den Wald, den man auch nicht einfach abholzen könne.

Am Ende wird es kritisch

Moderator Tobias Weiskopf ließ die Politiker schließlich nicht ohne eine kritische Frage pro Person entkommen. Er habe viel über bezahlbaren Wohnraum geredet, sagte er zu Fiedler, gleichzeitig kratzten die Gebäude seines Architekturbüros "an der Millionenmarke": Wie das zusammenpasse? Fiedlers Antwort: "Das stimmt halt nicht." Er baue auch einfache Gebäude, stelle die aber eben nicht auf der Homepage aus.

Insgesamt war es das dritte Mal, dass der Kreisjugendring das Jugendpolitikforum in Freising veranstaltet hat. "Wir bemühen uns, jugendpolitische Themen zu finden", so Mitarbeiter Lennart Bagert. Dabei versuche man, Politiker aus Parteien mit gegengesetzten Standpunkten zu einem Thema zu finden und wolle auch Experten einladen.

© SZ vom 11.10.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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