Süddeutsche Zeitung

Jugendkorbinian:Wallfahrt mal anders rum

Weil auf dem Freisinger Domberg gerade Baustelle ist, müssen die Jugendlichen in diesem Jahr zur Frauenkirche nach München pilgern. Auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums findet nach dem Gottesdienst mit Reinhard Kardinal Marx ein Fest statt.

Von Paula Dick, Freising

Es war das Jahr 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, als sich drei junge Frauen mit ihrem Seelsorger auf den Weg von München nach Freising machten. Dort wollten sie mit vielen anderen Gläubigen den Namenstag des Diözesanpatrons, des Heiligen Korbinian, feiern. Aus Angst vor möglichen Fliegerangriffen und um rechtzeitig zum Gottesdienst in Freising zu sein, brachen sie um Mitternacht auf. Schon ein Jahr darauf wurden 16 junge Wallfahrende aus der ganzen Erzdiözese gezählt, die nach Freising zogen. Zum ersten Mal sprach man vom "Korbiniansfest der Jugend" und Jugendliche durften erstmalig an der Gestaltung des Gottesdienstes mitwirken.

Inzwischen ist der Jugendkorbinian mehr als nur eine Wallfahrt. Es soll ein Fest des Glaubens und der Freude sein, das mit einem Gottesdienst im Freisinger Dom mit dem Erzbischof und einem anschließenden Jugendfest gefeiert wird. Unter einem jährlich wechselnden Leitthema werden Impulse, Workshops, Musik und Aktionen angeboten, die Jugendliche in ihrem Leben und Glauben stärken und inspirieren sollen.

"DU bist das Thema!!"

Die Jugendwallfahrt zum Motto "DU bist das Thema!!", findet in diesem Jahr allerdings nicht wie sonst an der Wirkstätte des Heiligen Korbinian statt, sondern ausnahmsweise in München. Wegen der Bauarbeiten auf dem Freisinger Domberg weicht die Erzdiözese aus, um die Tradition im Münchner Dom fortzusetzen. Sachbearbeiterin Carmen Amrein findet das allerdings gar nicht so schlecht: "Es wird sicher ein ganz besonderer Jugendkorbinian."

Bis zu 1600 Jugendliche können dieses Jahr den Gottesdienst im Münchner Dom mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sowie das anschließende Jugendfest auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums besuchen. Auch sei es seit 2019 das erste Mal, dass man wieder in gewohnten Umfang und Ablauf zusammen kommen kann, so Amrein. "Es ist auch ganz schön, dass die Wallfahrt dieses Jahr an dem Ort stattfindet, an dem sie auch immer geplant wird."

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 27 Jahren sollen in der Gemeinschaft aus dem Alltag ausbrechen, neue Erfahrungen sammeln, zu sich und zu Gott finden. So wandeln sie auf den Spuren von Gabriele Strauß, die 1942 zu den ersten vier Jugendlichen gehörte, die sich auf den Weg nach Freising machten.

Alles anders und doch gleich

"Bei der ersten Wallfahrt zum Bistumspatron waren wir zu viert. Dr. Stöttner, Rosa Hintermayer, Maria Huber aus Milbertshofen und ich haben uns in der Leopoldstraße getroffen. Bei Dunkelheit sind wir losgezogen. Es hat geregnet. Etwa in der Ungererstraße sind uns SS-Leute begegnet, die zu ihrer Kaserne gingen. Stöttner hat dann mit dem ihm eigenen Humor gesagt: "Leute gibt`s, die gehen in der Nacht nach Freising." So haben uns die SS-Leute in Ruhe gelassen. In Freising war das allgemeine Korbiniansfest mit Kardinal Faulhaber. Als er erfuhr, dass wir die ganze Nacht gegangen sind, hat er gesagt: "Haben die wenigstens einen Sitzplatz?", ist in der Chronik des Erzbischöflichen Jugendamtes "Talente, Aufbruch, Leben" von 2004 darüber zu lesen.

"2023 - alles anders und doch bleibt alles gleich!", steht auf der Website des Jugendkorbinian. Das bezieht sich zwar auf die diesjährige Verlegung nach München, ist aber auch auf den historischen Ursprung des Festes zu übertragen. Wallfahrten können inspirieren, eine spirituelle Erfahrung sein oder sich auch "wandeln". Das mag zwar 81 Jahre später anders aussehen als 1942, verliert aber sicher nicht an Aktualität.

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