Internationaler Jugenddienst in Freising:Arbeitseinsatz mit Hacke und Muskelkraft

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Sieben Jugendliche aus verschiedenen Ländern helfen derzeit bei der Pflege des Freisinger Mooses. Sie beseitigen invasive Pflanzen und schaffen Raum für heimische Arten.

Von Lena Meyer, Freising

Sattes Grün so weit das Auge reicht, teilweise durchzogen von den bunten Tupfen einiger Wildblumen und von im Wind rauschenden Weiden. Hie und da tauchen die schwarz-weißen Röcke von Störchen auf, die über die Wiesen im Freisinger Moos stolzieren. "Nach der Mahd suchen sie nach Mäusen", weiß Matthias Maino vom Landschaftspflegeverband in Freising. In der Natur kennt er sich aus, für ihn spielt sie - und ein verantwortungsbewusster Umgang mit ihr - eine wichtige Rolle: Maino möchte die Natur bewahren und beleben, der "Austausch mit ihr" ist ihm ein besonderes Anliegen. Und am Besten, so Maino, lerne man aus der Natur "unmittelbar über Arbeit".

Aus diesem Grund unterstützt Maino mit dem Landschaftspflegeverband Freising die Jugendlichen aus dem Internationalen Jugenddienst (IJGD), die sich derzeit wieder in Freising aufhalten. Sie alle kommen aus verschiedenen Ländern, doch was sie eint, ist die Liebe zur Natur und die Freude daran, sie zu schützen. Seit 21 Jahren gibt es das Projekt bereits, dieses Jahr dient unter anderem das Freisinger Moos als Arbeitseinsatzort.

Die Fläche für die Arbeiten der Jugendlichen gehöre der Stadt und sei als Ausgleichsfläche gedacht, erklärt Christian Mainardy von der Stadtverwaltung. Ziel sei es, Vögel und Insekten zurück zu bringen, das gelinge beispielsweise durch eine Befeuchtung der Moorwiesen. Auch Pflanzen wie etwa Wildackerblumen sollen erneut angepflanzt werden. Dabei setze man auf bestimmte Blumenmischungen aus der Region, so Mainardy.

Die jungen Leute rücken unliebsamen Neophyten zu Leibe

Damit diese aber überhaupt die Möglichkeit haben zu wachsen, müssen invasive Pflanzenarten, sogenannte Neophyten, entfernt werden. Zu ihnen zählen das Springkraut, aber auch Goldrute und weitere Weidenarten. Sie sehen oft wunderschön aus, erfreuen beispielsweise durch eine gelbe Blütenpracht - aber unterdrücken leider heimische Pflanzen und schwächen somit die Biodiversität des Mooses. Bis jetzt. Mit Hacken und ähnlichen Geräten soll es ihnen nun an den Kragen gehen. Mit schnellen, geschickten Griffen entwurzeln die Jugendlichen im Alter von 17 bis 21 Jahren die unliebsamen Pflanzen, entsorgen sie fachgerecht. Es mache ihnen Spaß, erklären sie. Das einzig schwierige an der Arbeit seien die Mücken, lachen sie, bevor sie die Hacken wieder schwungvoll in der Erde versenken und weitere Springkraut-Stauden fällen.

Internationaler Jugenddienst in Freising: Auch das Indische Springkraut zählt zu den Neophyten, die sich unerwünscht im Freisinger Moos ausbreiten.

Auch das Indische Springkraut zählt zu den Neophyten, die sich unerwünscht im Freisinger Moos ausbreiten.

(Foto: Andreas Hartl/LBV/oh)

Einen Monat dauere die Arbeit, erklärt Fabian Eichhorn vom Landschaftspflegeverband, von Ende Juli bis Ende August. Zu einem späteren Zeitpunkt hätten sich die invasiven Pflanzenarten bereits ausgesät und könnten somit nicht mehr entfernt werden, ergänzt Maino. Zudem sei es in späteren Monaten zu kalt und zu feucht für die intensive Arbeit der Jugendlichen. Die Zeit vom Juli bis August sei dagegen ideal.

Untergebracht ist das Team aus sieben jungen Erwachsenen im St. Annaheim in Thalhausen. Diese Unterbringung sei ein Glücksgriff, so Maino. Früher hätten die Jugendlichen in Zelten an der Isar campiert, erinnert er sich, man habe sich wie die Pfadfinder gefühlt. In Thalhausen leben die Jugendlichen in einer autarken Gemeinschaft: Während eine Gruppe die Neophyten im Moos beseitigt, bleiben jeweils zwei Jugendliche zurück im St. Annaheim und kümmern sich um die Verpflegung der Gruppe.

Ein Gruppenleiter kümmert sich um die Finanzen und die Fahrten

Für Anliegen wie die Verwaltung der Finanzen oder die Fahrten ist ein Gruppenleiter verantwortlich. Für das Camp in Thalhausen ist es Arber Hatellari aus Albanien, der bereits an vergangenen Camps teilgenommen hatte, unter anderem in Berlin und Freising. Die Ruhe der Domstadt gefalle ihm, erklärt er, deswegen habe er sich dazu entschieden, erneut herzukommen. Um sich als Gruppenleiter zu qualifizieren, bedarf es eines speziellen Kurses. Dieser umfasst Rechtskurse und Übungen zur Kommunikation und zur Teambildung - das Miteinander und die Stärkung der Gruppe seien äußerst wichtig für die Zeit der Arbeit, erklärt Hatellari.

Gerade diese Mischung aus Sozialem und Umweltschutz begeistert die Jugendlichen: Aritz Sinol studiert Sozialpädagogik in Spanien und hofft auch in Zukunft, das Soziale mit dem Einsatz für die Umwelt verbinden zu können. Das Camp und Deutschland gefallen ihm sehr, besonders angetan ist er von den Seen in der Umgebung. Dass die Veranstalter auch Aktivitäten, wie beispielsweise Bogenschießen anbieten, gefällt ihm und den anderen Jugendlichen und sie freuen sich, neue Kontakte zu knüpfen und unterschiedliche Kulturen kennen lernen zu können.

"Das internationale Verständnis ist ganz wichtig für uns", bekräftigt Maino. Der Austausch der Kulturen sei ihm wichtig - nur so könnten Stereotype und Vorurteile abgebaut werden. Das Camp könne dabei helfen, so Maino. Vor allem aber möchte er Kindern und Jugendlichen ein Gespür für die Natur vermitteln: Viele von ihnen verbrächten zu viel Zeit vor ihren mobilen Geräten, moniert Maino, ihnen gehe der Blick für die Natur verloren. Das möchte er ändern. Es sei ihm wichtig, dass der Mensch von der Natur lerne. "Das Land kommt in die Stadt und die Stadt lernt vom Land."

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