Das Freisinger Jugendamt hat in Nadine Waschulzik, 29, eine neue Leiterin und: Es wird eine neue Organisationsstruktur geben, die den Blick auf die betroffenen Menschen – Kinder und Familien – wieder in den Mittelpunkt rückt. Mit dieser Ankündigung reagiert das Landratsamt auf die jahrelangen Missstände, die sich in einer hohen Fluktuation beim Personal, aber immer wieder auch in Beschwerden und sogar Klagen der betreuten Klientel gespiegelt hatten.
Einen vorläufigen Höhepunkt hatte die Krise im Freisinger Jugendamt erreicht, als dessen Leiterin im Sommer 2024 fristlos entlassen wurde – nicht aus fachlichen Gründen, wie Landrat Helmut Petz bis heute betont, dennoch blieben unklare Arbeitsabläufe und Strukturen zurück.
Ein Dreivierteljahr lang wurde das Jugendamt dann von Michael Schmatolla geleitet, unter dessen Ägide nicht nur das neue Sachgebiet „Krisenintervention Kinderschutz“ gegründet, sondern auch die jetzt vorgelegte Organisationsuntersuchung in Auftrag gegeben wurde. Übernommen hat diese Aufgabe das Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung, für das Projektleiter Marco Szlapka in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Workshops und Gespräche mit den betroffenen Führungs- und Fachkräften des Freisinger Jugendamtes absolviert hat. Die Schwierigkeiten, auf die er dort stieß, waren in einem menschlich herausfordernden Arbeitsumfeld alles andere als trivial, wie Szlapka zusammenfassend schildert.
Die immer komplexer werdenden Probleme der Familien und immer neue gesetzliche Vorgaben hätten über die Jahre dazu geführt, dass sich das Jugendamt in immer spezialisiertere Fachbereiche aufgegliedert habe. Das wiederum habe zu großen Reibungsverlusten an den Schnittstellen geführt, so Szlapka: „Irgendwann sieht man dann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.“ Das sei im Übrigen kein spezielles Freisinger Problem, so der Experte, ähnliche Probleme gebe es in Jugendämtern in ganz Bayern.
Ziel sei es nun, die Strukturen wieder zu vereinfachen, die Verantwortung zu konzentrieren und – wohl ein Hauptbestandteil der Neuorganisation – künftig wieder die Vorteile der bezirksbezogenen Jugendsozialarbeit für die jungen Menschen und ihre Familien zu nutzen.
Die Zuteilung der Fälle soll ortsbezogen erfolgen
Nach diesem Modell sei auch früher im Freisinger Jugendamt schon gearbeitet worden, erläutert die neue Amtsleiterin Waschulzik. Statt den Sachbearbeitern die Fälle nach dem Alphabet zuzuteilen, gebe es künftig wieder Bezirkssozialarbeiterinnen und -arbeiter und die Zuteilung erfolge ortsbezogen. Damit schaffe man feste Ansprechpartner und eine größere Nähe zu den betroffenen Familien, die dann nicht mehr für jedes Anliegen von einer Stelle zur anderen laufen müssten.
Die von Landrat Petz heftig kritisierten, ständig wachsenden Anforderungen des Gesetzgebers sollen in dem neuen Modell zu den Führungskräften verlagert werden, als neue Ebene im allgemeinen Sozialdienst wird es zwei bezirksbezogene Gruppenleitungen geben. „Wir wollen die Fallbearbeitung nicht mehr mit der strategischen Arbeit vermischen“, formulierte es Petz, „sondern den Menschen wieder in den Fokus nehmen“.
Betroffen sind von der Neuorganisation aktuell um die 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes, die laut Petz und Waschulzik motiviert hinter den Neuerungen stehen, auch wenn manch einer dafür innerhalb des Amtes die Stelle wechseln muss. Man arbeite derzeit intensiv daran, die letzten vakanten Stellen im Jugendamt zu besetzen, so der Landrat. Es gebe Bewerbungen aus dem Haus, aber auch von extern. Für die Leitung der Sozialen Dienste habe man eine mündliche Zusage, eine der neuen Gruppenleitungen sei auch bereits bestellt, für die zweite seien Auswahlgespräche terminiert.
Mitte März sollen die Änderungen umgesetzt sein
Was den Zeitrahmen angeht, bittet die neue Leiterin des Jugendamtes noch um ein wenig Geduld. Selber erst seit 15. Dezember 2025 im Amt, hat die Juristin zusammen mit Marco Szlapka an dem neuen, vereinfachten Organigramm gearbeitet. Die ersten Schritte der Umstrukturierung vor allem in der Bezirkssozialarbeit wolle man bis Mitte oder Ende Februar umgesetzt haben, denn „das ist schon ein erheblicher Einarbeitungsaufwand“. Von Mitte März an wolle man so gut aufgestellt sein, dass man hilfebedürftigen Familien künftig eine bessere Unterstützung gewähren könne.
Experte Szlapka wird bei der Umsetzung auch in Zukunft helfen und „dafür geradestehen“, wie Landrat Petz unterstrich: „Das ist ein echter Glücksfall für den Landkreis Freising.“ Die 15 langen Jahre, in denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Jugendamt im Schnitt weniger als zwei Jahre erhalten blieben, sollen dann endgültig der Vergangenheit angehören.

