Die Stadt Freising wird in ihrer City keine durchgängige Fußgängerzone ausweisen. Stattdessen soll an dem 2014 beschlossenen Verkehrskonzept festgehalten werden. Dieses sieht lediglich eine „kleine“ Fußgängerzone zwischen Schiedereck und Amtsgerichtsgasse vor. In den übrigen Bereichen – Obere und Untere Hauptstraße, General-von-Nagel-Straße und Heiliggeistgasse – soll es bei dem verkehrsberuhigten Bereich bleiben. Mit diesem Beschluss hat der Planungsausschuss des Stadtrats jetzt einen vorläufigen Schlusspunkt hinter eine Jahrzehnte währende Debatte in der Stadt gesetzt – und gleichzeitig eine positive Bilanz der Umgestaltung in der City gezogen.
Die Variante mit der kleinen Fußgängerzone rund um den Marienplatz stammt aus dem 2014 vom Stadtrat beschlossenen Verkehrskonzept. Auf den übrigen Flächen im Kern der Altstadt ist in dieser Variante eine „Begegnungszone“ vorgesehen, in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt aufeinander Rücksicht nehmen. Verkehrsrechtlich gibt es diese Zone in Deutschland zwar – anders als erhofft – immer noch nicht, die Ausweisung als verkehrsberuhigter Bereich kommt den Vorstellungen jedoch sehr nahe.
Größter Nachteil dieses Verkehrskonzeptes ist, dass in Oberer und Unterer Hauptstraße, Heiliggeistgasse und General-von-Nagel-Straße eben immer noch mit dem Auto gefahren werden darf – und nicht wenige dieses Recht ausnutzen. Da wird wild geparkt, gerne auch mal auf den Blindenleitstreifen und manch einer nutzt die Fahrt durch die Stadt vor allem, um sein meist PS-starkes Fahrzeug zu präsentieren.
Um das zu unterbinden, würden die Grünen, die Linke und die ÖDP im Stadtrat lieber die gesamte Altstadt der Länge nach zur Fußgängerzone erklären. Das wiederum gefällt den von den Quartiermanagern der Aktiven City vertretenen ansässigen Einzelhändlern, Gastronomen und Ärzten nicht. Sie fürchten eine noch weiter eingeschränkte Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten. Außerdem müssten für sehr viele Anwohner, die ihre Parkplätze in der Innenstadt haben, Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.
Die Freisinger Straßenverkehrsbehörde hatte sich vor etwas mehr als einem Jahr für viele überraschend zwar für die große Lösung ausgesprochen, hat diese Einschätzung inzwischen allerdings revidiert, auch, weil eine Verkehrszählung unterdessen eine maßgebliche Reduktion des Autoverkehrs in der Innenstadt ergeben hat. In weiten Teilen der City würden im Vergleich zu einer Erhebung aus dem Jahr 2013 um die 90 Prozent weniger Autos fahren, hieß es in der Sitzung. Lediglich auf der General-von-Nagel-Straße und in der Heiliggeistgasse habe sich eine Zunahme ergeben, mit der man sich noch einmal befassen müsse.

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Genauer unter die Lupe genommen wurde zuletzt auch die Unfallstatistik für die neugestaltete Innenstadt. Die Unfallkommission zählte hier in ihrer Sitzung im April 87 Verkehrsunfälle seit der Umsetzung des Konzeptes mit der kleinen Fußgängerzone und konnte auch eine Unfallhäufung an mehreren Stellen zweifelsfrei feststellen. Bei den meisten handelte es sich jedoch um Bagatellen, wie im Planungsausschuss erklärt wurde: Allein 39 Unfälle ereigneten sich, weil Hindernisse wie Steinquader, Sitzbänke, Hausfassaden oder der Sonnenschirm einer Eisdiele angefahren wurden.
Voll des Lobes für die bisherige Umsetzung der neuen Innenstadtkonzeption in Freising zeigte sich Sonja Rube aus Sicht des Innenstadtbeirats. Freising habe sich schon 2009, also im Vergleich zu anderen Städten sehr früh, auf den Weg begeben, seine Altstadt zu modernisieren, sagte sie. Mittlerweile „ist ganz Deutschland neidisch auf die Entwicklung in Freising“. Die Umgestaltung sei in der Summe ein voller Erfolg, alle wesentlichen Ziele seien erreicht und teilweise sogar übertroffen worden, lobte Rube. Auch die Freisinger und Freisingerinnen seien wieder stolz auf ihre Innenstadt und flanierten hier inzwischen auch sonntags.
Fahrradfahrer dürfen weiterhin ganztägig durch die Innenstadt fahren
Die Diskussion um die Größe der Freisinger Fußgängerzone ging am Ende mit 8:6 Stimmen für die „kleine“ Lösung aus, die Freisingerinnen und Freisinger müssen sich also nicht schon wieder an neue Regelungen gewöhnen. Anders als von der Verkehrsbehörde gewünscht, dürfen auch die Fahrradfahrer weiterhin ganztägig durch die gesamte Stadt fahren. Die Sitzquader und andere „Hindernisse“ sollen besser markiert werden und die Verwaltung wird beauftragt, eine Informationskampagne über die Verkehrsführung in der Innenstadt in die Wege leiten.
Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zeigte sich am Ende fast erleichtert, das jahrelange Streitthema abgeräumt zu haben. Er sei froh, dass es den Konsens gebe, „dass es gut geworden ist, wenn auch nicht perfekt“. Man sei im Stadtrat immerhin „90 Prozent dieses Weges gemeinsam gegangen“ – und sich nur jetzt, bei der letzten Abzweigung nicht ganz einig geworden, unterstrich er.

