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Wer Impfungen durchführen sollte:Freisinger Apotheker sind sich einig

Thomas Bauer von der Kloster Apotheke in Freising hält wenig von der Idee, dass künftig auch Apotheker impfen. Denn geimpft werden sollen nur gesunde Menschen. Eine solche Diagnose aber dürfen Apotheker nicht stellen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Apotheker in Freising sind von dem Vorschlag, impfen zu dürfen, nicht begeistert. Silvia Tüllmann sagt, ihnen fehle die dafür notwendige Ausbildung und man solle dies besser den Ärzten überlassen.

Von Sara Livadas, Freising

Wer darf die Nadel ansetzen? Bis dato war in Deutschland das Impfen nur den Ärzten vorbehalten. Doch die Frage, wer alles zur Ausführung einer Grippeimpfung berechtigt sein soll, beschäftigt gerade in Pandemiezeiten die Gesundheitspolitik. Nun sollen auch Apotheker in sogenannten Modellvorhaben Menschen gegen Influenza, also Grippe, impfen dürfen. Auch in Freising haben sich die Apotheker und Apothekerinnen dazu eine Meinung gebildet.

Wie jedes Jahr läutet der Herbst auch die Grippesaison ein. Durch Corona hat die Bedeutung einer zusätzlichen Erkältungskrankheit stark zugenommen. Die Grippe ist während der Pandemie eine zusätzliche Gefahr, gerade für ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere sowie für das Medizin- und Pflegepersonal. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wandte sich schon im Oktober mit der dringenden Bitte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Um die Grippeimpfung für die Bevölkerung leichter zu gestalten, sollen Apotheker nun Neuland erkunden. Laut einer Pressemitteilung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) wurde der erste Vertrag zur Grippeschutzimpfung in Apotheken im Juli 2020 in Nordrhein-Westfalen zwischen dem Apothekerverband Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg geschlossen. Die Rechtsgrundlage hierfür ist das am 1. März 2020 in Kraft getretene Masernschutzgesetz.

In Freising ist man von der Idee nicht begeistert

Viele Ärzteverbände wandten sich daraufhin auf Bundesebene mit Bedenken an die Öffentlichkeit. Unter anderem wurde argumentiert, dass ein solches Vorhaben die Patientensicherheit gefährde, da Apotheker im Notfall nicht mit ärztlicher Versorgung reagieren könnten. Nach Ansicht der Bundesapothekenkammer (BAK) könnten Apotheken aber durch das Impfverfahren einen großen Beitrag leisten, indem sie das Impfangebot für die Bevölkerung erweiterten und so letztendlich die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung verbesserten. Impfen außerhalb der Arztpraxis ist bei Weitem kein Novum. Nach Angaben des ABDA dürfen Apotheken weltweit in mindestens 20 Ländern gegen Grippe impfen, darunter Frankreich, Großbritannien und die USA.

Doch welche Meinung vertreten die Apothekerinnen und Apotheker in Freising zu diesem umstrittenen Thema? So umstritten scheint der Sachverhalt hier nicht zu sein. Für Silvia Tüllmann von der Stadt Apotheke ist die Antwort ein ganz klares Nein. "Und zwar ganz einfach wegen den möglichen Impfreaktionen. Hierfür haben die Apotheker einfach nicht die entsprechende Ausbildung. Ich finde Impfungen gehören in die ärztliche Hand." Das solle nicht falsch verstanden werden, sie sei kein Impfgegner, sie sei ein Impfbefürworter. "Aber der Mensch ist keine Maschine und jeder reagiert anders. Der Arzt kann auf Komplikationen reagieren, der Apotheker nicht", lautet ihr Urteil.

"Ich verstehe, wenn die Ärzte sagen, das ist ihre Sache"

Auch die Regionalsprecherin des Apothekerverbandes und Inhaberin der Engel-Apotheke, Ingrid Kaiser, rät zur Vorsicht. "Ich bin hin und her gerissen und verstehe die Ansicht der Ärzte, wenn sie sagen, das ist ihre Sache. Das ist eine riesige Verantwortung. Wir müssen den Modellversuch erst einmal abwarten und wenn dieser sich bewährt hat, kann man weiterschauen." Aber sie sehe auch die Risiken, die das Vorhaben berge, sagt die Sprecherin.

Noch ein weiterer Freisinger Apotheker steht dem Impfvorhaben in Apotheken ablehnend gegenüber. Thomas Bauer von der Kloster-Apotheke hält vor allem die fehlende Ausbildung in Impfbelangen für schwierig. "Ich halte auch nichts davon, dass wir das dann schnell in einem Wochenendkurs oder so lernen. Das größte Problem ist jedoch für mich, dass man einen Menschen nur dann impfen sollte, wenn er auch gesund ist." Apotheker dürften aber keine Diagnose stellen. Ein Arzt der impfe, müsste rein theoretisch seinen Patienten zuvor untersuchen ob dieser gesund, also "impfbar" sei. "Und das können wir Apotheker nicht, dazu haben wir nicht die Diagnosemöglichkeiten und somit halte ich das einfach für falsch" lautet die Begründung des Apothekeninhabers.

Nach Informationen des ABDA folgte Ende Oktober 2020 auch der Bayerische Apothekerverband (BAV) und die AOK Bayern mit einer geplanten Modellregion im Regierungsbezirk Oberpfalz. Die Entwicklung und der Erfolg des neuen Impfverfahrens wird sich noch zeigen.

© SZ/nta/ilos
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