Blühmischungen sind wahre Hingucker:Der Kleingarten für Gemüse im Herbst

Auch nach der Ernte kann das Beet seinen Besitzern viel Freude bereiten. Auf was hier zu achten ist, zeigte Gartenbau-Expertin Katrin Kell während ihrer Führung durch die Schaugärten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Von Maya Rychlik, Freising

Herbstzeit ist Erntezeit. Wenn es allmählich kälter wird, ernten auch Hobbygärtner die Früchte ihrer Arbeit in den Gemüsebeeten. "Dank der Trockenheit war dieses Jahr ein wahrhaftes Tomatenjahr - das zeigen die guten Erträge und die wenigen Fälle von Kraut- und Braunfäule", berichtet Katrin Kell, Leiterin des Kleingartens für Gemüse an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Bei ihrer gut besuchten Führung durch den Kleingarten der Hochschule zeigte die Gartenbau-Expertin den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wie der heimische Gemüsegarten den Besitzern sowie Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten auch im Herbst noch Freude bereiten kann. Denn mit der Ernte ist das Pflanzjahr keinesfalls vorbei.

"Nach der Ernte haben sich Blühmischungen als Gründüngung auch in kleinen Gärten bewährt", weiß Kell. So ist die spät blühende Phacelia eine Bienenweide sowie ein optischer Hingucker. Einige, im Frühjahr angelegte Blühmischungen, wie ein Mix aus Studenten- und Ringelblumen, sind auch als "Bodentherapie" geeignet. Sie reduzieren die Anzahl schädlicher Fadenwürmer, auch Nematoden genannt, im Boden "Wo sie wieder Gemüse pflanzen wollen, sollten sie jedoch keine Gemische mit Senfsaaten aussäen. Sie gehören zu den im Garten häufig angebauten Kohlgewächsen und sind für deren Krankheiten anfällig. Auch Schadinsekten wie der Kohlweißling ernähren sich von ihnen", ermahnt die Fachfrau.

Blühmischungen sind wahre Hingucker: Für Tomaten war heuer ein ausgesprochen guter Sommer. Das ist der Trockenheit in diesem Jahr geschuldet.

Für Tomaten war heuer ein ausgesprochen guter Sommer. Das ist der Trockenheit in diesem Jahr geschuldet.

(Foto: Johannes Simon)

Die Sichtungsgärten der Hochschule locken Besucher von nah und fern, in den Beeten brummt und summt es nur so vor Bienen und Schmetterlingen. Die Gärtner der HSWT sehen es jedoch nicht als ihre Aufgabe, nur Bilderbuch-Wachstum zu zeigen, sondern auch, wie die Pflanzen in der Natur wachsen und auf Krankheiten und andere Schaderreger reagieren. "Im Gemüseanbau wird samenfestes oder Hybrid-Saatgut verwendet, das einheitlich keimt. Das ist bei Wildpflanzen nicht der Fall. Hier keimen die Samenkörner nach und nach über einen größeren Zeitraum, was das Überleben der Art sichern kann. So erfrieren in einer Frostnacht zum Beispiel nicht alle Keimlinge", berichtet Kell.

Auch so manche Pflanzenkrankheit oder manches Schadinsekt hat sich vom Gemüse in den Schaugärten ernährt, kurz vor der Ernte fällt dies am besten ins Auge. So mag der Erdfloh Kohlgewächse, besonders Radieschen oder auch Rukola sind in trockenen Perioden wie heuer anfällig für den Käfer. Die weiße Fliege befällt gern Palm- und Grünkohl, macht aber auch vor Broccoli und Blumenkohl nicht Halt. Auch Spinnmilben ernähren sich gern von Gurken oder Auberginen. "Durch Veredelung können sie ihre Fruchtgemüse-Pflanzen, wie Gurken, Tomaten oder Auberginen resistenter gegen bodenbürtige Krankheiten machen", berichtet Kell. Einfache Veredelungssets erhalten Hobbygärtner in Gartenbaugeschäften. Bei Befall von Schädlingen können zudem Nutzinsekten helfen, die sich mit entsprechenden Blühpflanzen anlocken lassen.

Gegen Mehltau helfen widerstandsfähigere Arten

"Gegen die weitverbreiteten Echten und Falschen Mehltau-Pilze können sie vorbeugend widerstandsfähige Arten anbauen, gegen Echten Mehltau auch die Blätter mit verdünnter Milch oder Fenchelöl-Präparaten besprühen", sagt die Fachfrau. Falscher Mehltau tritt bei feucht-kühler Witterung auf, während Echter Mehltau heiß-trockenes Wetter braucht und im Sommer oft bei Gurken, Melonen und Zucchini auftritt. Im Kleingarten der HSWT wird rein biologischer Pflanzenschutz angewandt, das ist Katrin Kell sehr wichtig.

Alle zwei bis drei Jahre lohnt sich im heimischen Gemüsebeet eine Bodenprobe. Sie gibt Aufschluss darüber, wieviel Kalium, Stickstoff und Phosphor noch in der Erde enthalten sind. "Anhand der Ergebnisse können sie bedarfsgerecht und umweltschonend düngen", fährt Kell fort "Unterschätzen sie auch nicht die Düngefähigkeit von Kompost. Hier reicht es meist, alle drei Jahre etwa drei Liter pro Quadratmeter in die Beete einzuarbeiten." Mikroorganismen im Boden helfen, komplexe Stickstoffverbindungen pflanzenverfügbar zu zerlegen und können das Pflanzenwachstum fördern.

Rosenbögen eignen sich auch für rankende Gemüsearten wie Bohnen

"Bleiben sie neugierig und testen sie auch andere Formen des Anbaus in Ihren Beeten. Rosenbögen eignen sich auch für rankende Gemüsearten wie die Bohne", weiß Kell. Den Platz darunter haben die Gärtner der HSWT mit einem bunten Teppich aus Zier-Süßkartoffeln bepflanzt. Viele andere Gemüsesorten wie roter Grünkohl oder auch verschiedene Radicchio-Arten sorgen außerdem für Abwechslung und Farbtupfer im Beet.

Kell und ihr Team behalten auch die aktuellen Themen im Erwerbs-Bioanbau im Auge und versuchen, diese im Kleingarten umzusetzen. Das geerntete Gemüse geht zum größten Teil an Tafeln in der Umgebung.

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