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Hebammenberuf wird akademisiert:Mehr Anerkennung und Personal

"Auch im Landkreis Freising ist die Lage angespannt", sagt Annette Fußeder, Hebamme und Leiterin der Elternschule Freising. Die Hebammen hier seien alle am Limit.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Akademisierung soll den Hebammenberuf attraktiver machen. Gut für die Geburtshilfe im Landkreis, die am Limit ist.

Von Gudrun Regelein, Freising

Als letztes Land Europas hat Deutschland den Beruf der Hebamme akademisiert: Seit dem 1. Januar 2020 gilt das neue Hebammengesetz. Entbindungspfleger und Hebammen werden nun in einem dualen Studium auf ihre Aufgaben vorbereitet. Das soll dabei helfen, den Beruf aufzuwerten, denn in der Geburtshilfe fehlt das Personal. "Auch im Landkreis Freising ist die Lage angespannt", sagt Annette Fußeder, Hebamme und Leiterin der Elternschule Freising. "Wir Hebammen hier sind alle am Limit. Und von unten kommt nichts Neues nach, junge Kolleginnen fehlen."

Für sie sei es unerlässlich, dass der Beruf endlich akademisiert wird, betont Fußeder. Davon erhofft sie sich neben einer Aufwertung auch eine bessere Vergütung. Die prekären Arbeitsbedingungen und die zuletzt extrem hohen Versicherungssummen hätten in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass immer weniger Frauen in der Geburtshilfe arbeiten wollen. "Viele waren total frustriert und konnten sich das auch finanziell nicht mehr leisten", berichtet Annette Fußeder.

Das soll sich nun ändern, der Beruf soll wieder attraktiver werden. An drei Hochschulen in Bayern sind zum Wintersemester 2020/2021 Hebammen-Studiengänge gestartet. Eine davon an der Hochschule Landshut. Dort können sich bayernweit einmalig bereits examinierte Hebammen weiterqualifizieren. Deutschlandweit aber gibt es noch nicht genügend Studienplätze, deshalb gilt eine Übergangszeit: Wer bis Ende 2022 mit der klassischen Ausbildung beginnt, kann in Deutschland als Hebamme arbeiten und dieselben Aufgaben übernehmen wie die Kolleginnen mit Studium.

Auch das Alter könnte so steigen - was Fußeder begrüßt

"Es ist an der Zeit, dass die Hebammenarbeit auf wissenschaftliche Füße gestellt wird", sagt Fußeder. Den Hebammen nämlich werde nach wie vor unterstellt, sich bei ihrer Arbeit nur nach ihrem Gefühl zu richten. "Es ist wichtig, dass uns unsere Kompetenz bestätigt wird. Dann können wir auch mit den Ärzten auf Augenhöhe arbeiten." Außerdem würden die Hebammen momentan für ihre große Verantwortung und die andauernde Dienstbereitschaft viel zu schlecht bezahlt.

Mit einer Akademisierung werde sich auch das Gehalt verbessern, erwartet Fußeder. Ein anderer Aspekt, der außerdem für das Studium spreche, sei das momentan noch sehr junge Alter zu Beginn der Ausbildung. "Eine gute Hebamme zu sein, erfordert persönliche Reife, mit 17 Jahren damit anzufangen, ist verdammt jung", meint Annette Fußeder. Viele der Frauen, so sagt sie, seien nach der abgeschlossenen Ausbildung dann auch nicht im Beruf ankommen, sondern haben noch ein Studium begonnen.

Für die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen-Landesverbands, Mechthild Hofner, ist die Akademisierung nicht nur ein dringend notwendiger Schritt, sondern sie sei in einer EU-Richtlinie vorgeschrieben. "Es nicht zu tun, wäre ungesetzlich", sagt Hofner. Ein Studium mit zusätzlichen Lehrinhalten ist in ihren Augen die richtige Antwort auf die heutigen neuen, medizinischen Anforderungen.

"Eine Geburt ist nicht mehr nur eine Geburt, sondern besteht aus einer Vielzahl medizinischer Anforderungen, denen wir uns stellen müssen", sagt sie. Das gehe nur mit einem Studium - das zudem nach Abschluss auch noch ein breites Wirkungsspektrum in vielen verschiedenen Gebieten biete.

© SZ/nta
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