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Traditionelle Wirtshäuser:In schwierigen Zeiten zurück aufs Land

Heutzutage ist man im Gasthaus stolz auf die gehobene Küche, die Gästen weit über das Münchner Umland hinaus ein Begriff ist. Immerhin haben es die Köche der Landbrechts damit schon zu Einträgen im Guide Michelin und im Slow-Food-Führer gebracht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das geschichtsträchtige Gasthaus Landbrecht im Freisinger Ortsteil Haindlfing hat schon einen kleinen Bierkrieg ausgelöst. Seit über hundert Jahren wirkt dort nun die Wirtsfamilie, die sich der gehobenen Küche verschrieben hat, aber auch die örtlichen Vereine beherbergt.

Von Henrike Adamsen, Freising

Das Anwesen mit der Nummer 15 ist schon immer Haindlfings einziges Wirtshaus gewesen. Im März 1914 nimmt dort die Geschichte des Gasthauses Landbrecht ihren Anfang. Georg Landbrecht, Ur-Ur-Opa des heutigen Inhabers Maximilian Landbrecht, erwirbt damals Gastwirtschaft, Metzgerei und Stall. "Zu der Zeit hatten meine Vorfahren in München-Schwabing einen Gastbetrieb, aber durch den Ersten Weltkrieg sind sie zurück aufs Land und in Haindlfing sesshaft geworden", erzählt der 31-Jährige.

Ursprünglich habe das Anwesen Ludwig Graf von Holnstein aus Thalhausen gehört, der den damals noch landwirtschaftlichen Betrieb für sich bewirtschaften ließ. Als der Pächter hoch verschuldet pleite ging, übernahm die Familie Landbrecht, so berichtet es Arthur Landbrecht senior aus der dritten Generation der Landbrechts in Haindlfing. "Das war früher genauso wie heute, wenn du nicht mehr zahlen kannst, dann kommen sie und nehmen dir dein Zeug", kommentiert der 97-Jährige dieses einschneidende Ereignis.

Das Gasthaus Landbrecht in vergangenen Zeiten: Die Wirtsfamilie ist hier bereits in fünfter Generation für die örtlichen Vereine da.

(Foto: Marco Einfeldt)

Unter seiner Leitung erhält die Wirtschaft einen Verkaufsraum für Fleisch- und Wurstwaren, so hält es die Wirtshauschronik des Stadtarchivs Freising fest. Der ausgebildete Metzger habe den landwirtschaftlichen Betrieb weitergeführt. Doch mit Übergabe an seinen Sohn Arthur habe von 1986 an das Hauptaugenmerk auf dem Restaurant gelegen, erzählt Maximilian Landbrecht. Nach und nach gab die Familie Landwirtschaft und Metzgerei schließlich auf. Stattdessen ersetzte ein Neubau 1992 den Stall. Der Anbau sollte mehr Platz bieten, um Gäste zu beherbergen. Mittlerweile gehören zum Restaurant ein großer Veranstaltungssaal, Gästezimmer und ein Boardinghaus.

Die Aufteilung findet zwischen den Generationen statt

2014 steigt Maximilian Landbrecht nach seiner Ausbildung in den Gastbetrieb ein und übernimmt 2016 dessen Leitung. Die Arbeitsteilung findet trotzdem noch zwischen den Generationen statt: "Mein Vater übernimmt den Einkauf, ich schreibe die Speisekarte und kümmere mich um die Vorbereitungsarbeiten." Auch in der Küche seien die Aufgaben klar verteilt, so der junge Wirt. "Mein Vater ist zuständig fürs Braten und ich richte die Beilagen und die Soßen."

In fünfter Generation setzt der Koch die Familientradition fort - auf moderne Weise: gehobene Küche trifft lauschigen Biergarten und Wirtshaus-Erinnerungen an 75 Jahre Schützenverein. "Die Gerichte sind schon höherpreisig, aber unser Publikum ist bereit, das zu bezahlen." Laut Arthur Landbrecht junior treffen sich aber auch noch immer die Haindlfinger Feuerwehr und der Kriegerverein im Gasthaus Landbrecht zu ihren Stammtischen. Letzterem gehört auch sein Vater an: Er war als Soldat im Zweiten Weltkrieg und ist im Kriegerverein damit mittlerweile der einzige Zeitzeuge aus jener Zeit. Jedes Jahr am Totensonntag marschiere der Verein zur Kirche mit anschließendem Mittagessen im Gasthaus, erzählt sein Sohn. "Früher gab es noch eine Blaskapelle dazu, aber das kann sich heute keiner mehr leisten."

Durchs Ampertal

Direkt an der Ecke Freisinger Straße, Gartenerstraße, an der das Gasthaus Landbrecht liegt, führt der Ammer-Amper Radweg entlang. Mit stetigem Blick auf das Amperufer, lässt sich auf diesem Teilstück des insgesamt 202 Kilometer langen Fernradwegs das Landschaftsschutzgebiet Ampertal erkunden.

Vorbei an Mooswiesen und seltenen Tier- und Pflanzenarten, schlängelt sich der Radweg von seinem Ausgangspunkt in Oberammergau bis zur Endstation, in das etwa 20 Kilometer entfernte Moosburg. Dort finden Ausflügler auch eine Anbindung an den Isarradweg Richtung München vor. Ein Stück weit führt dieser Radweg außerdem durch die Hallertau, das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Henrike Adamsen

Einträge im Guide Michelin und im Slow-Food-Führer locken zahlreiche Gäste, nicht nur aus dem Münchner Umland, nach Haindlfing, das inzwischen ein Ortsteil von Freising ist. Zu den bekanntesten Besuchern zählen laut Maximilian Landbrecht der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu und früher auch der Schauspieler Helmut Fischer, bekannt aus der Kultserie "Monaco Franze". Der Meisterkoch zeigt sich davon jedoch unbeeindruckt: "Das sind normale Persönlichkeiten."

Eine ganze Akte im Stadtarchiv erzählt vom "Bierkrieg"

So unbeschwert ging es in dem Wirtshaus nicht immer zu. Ein knappes Jahrhundert vor der Zeit der Landbrechts, im Jahr 1827, bekamen sich Peter Sailer, damaliger Wirt der Haindlfinger Gastwirtschaft, und der Brauhausverwalter in Thalhausen in die Haare. Eine ganze Akte im Stadtarchiv Freising berichtet von dieser kuriosen Auseinandersetzung. Im Zentrum des "Bierkriegs": Das Bier schmeckte nicht. Deshalb hielt es Wirt Sailer für sein gutes Recht, das Bier stattdessen vom Stieglbräu in Freising zu beziehen. Der Brauereiverwalter hingegen befürchtete, seine Bierproduktion nicht mehr vollständig absetzen zu können. Schließlich habe ihm der Sailer ja nicht einmal Bescheid gesagt, sondern sei einfach nicht mehr erschienen, beklagte er sich damals.

Aus dem Konflikt entwickelte sich ein handfester Streit vor Gericht: Laut den Akten akzeptierte das Freisinger Landgericht die Beschwerde Sailers nicht als förmliche Austrittserklärung und verdonnerte ihn dazu, bis Ende des Jahres weiter Bier aus Thalhausen abzunehmen. Sailer reagierte entrüstet: "Es sei üblich, dass man bei einer Bierabnahme gutes Bier erhalte und nicht stinkenden Essig", schrieb der Wirt in einem sechsseitigen Brief an die königliche Regierung des Isarkreises. "Was soll man länger bei einem Brauhäusl, das ein so schlechtes Bier fabriziert, dass es der hierzu eigens aufgestellte Bräuverwalter nicht einmal selbst trinkt", wetterte Sailer. Der Streitfall landete vor der Kammer des Inneren, doch ein Ende des "Bierkriegs" ist nicht dokumentiert. Die vorübergehende Versiegelung der Brauerei in Thalhausen 1828 mag dem Wirt Sailer jedoch Recht gegeben haben.

© SZ vom 24.08.2020/nta

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