Global gesehen ist die Stimmung gerade düster. Putin führt seinen Angriffskrieg auf die Ukraine unverdrossen weiter und in den USA zerlegt der amerikanische Präsident die Demokratie und die Weltwirtschaft gleich mit. In der Türkei werden Menschen verhaftet, weil sie politisch erfolgreich sind und dem amtierenden Machthaber Erdoğan gefährlich werden könnten, in Gaza sterben weiterhin Menschen.
Alles nichts, was dafür geeignet wäre, einen sorgenfrei in die Zukunft blicken zu lassen. Auch dem Singspiel bei der diesjährigen Gründonnerstagung der Freisinger Grünen im voll besetzten Lindenkeller fehlte darum wohl die übliche heitere Leichtigkeit.
Hauptdarsteller und Singspielautor Johannes Becher wechselte von Bayern nach Hollywood und erschien als breitbeiniger Donald Trump zusammen mit seinem Noch-Intimus Elon Musk (Andreas Heilmeier) samt Kettensäge (nicht funktionstüchtig). Man traf sich nicht etwa im White House, sondern auf einem Schiff namens „MS United Nations“. Mit an Bord und dort auf dem Bayerndeck zu finden, war ein vertrottelter Hubert Aiwanger (Björn Laczay), der Ministerpräsident Markus Söder entschuldigte, der sei noch bei Tisch.


In Person von Susanne Hehnen biederte sich Alice Weidel an („Elon, my sweetheart“). Zum Personal gehörte die Putzfrau Antonia (Toni Wollschläger), die es leid gewesen war, in der Staatskanzlei ewig dem krümelnden bayerischen Food-Influencer Markus Söder hinterher zu wischen und stattdessen auf der MS United Nations angeheuert hatte.
Im weiteren Verlauf erschien noch Katha Schulze, dazu später mehr. Moderiert wurde das Geschehen auf dem Bayerndeck der MS United Nations von Stefan Griebel im Ausguck. Der will bekanntlich für die Grünen Landrat werden, wenn man da den Überblick behält, ist das schon mal nicht schlecht. Dass der Untergang nah war, war nicht nur wegen der Bordbesatzung schnell klar, auch die Musikbegleitung ließ erahnen, dass diese Fahrt unter keinem guten Stern stand. Gesungen wurde zum Titanic-Song „My heart will go on“.


Alles in allem eine schräge Geschichte. Der Becher-Trump polterte sich rüpelhaft durch das Geschehen, bezeichnete Demokratie als „Ramschware der Geschichte“, wetterte gegen die „Shit-Countrys“ im billigen Unterdeck der MS United Nations, bezweifelte den Sinn von Gesetzen und Menschenrechten („to be woke is to be weak“).
Er wollte Grönland kaufen, forderte eine dritte Amtszeit für sich und 20 Prozent Zoll auf alles. Der sonnenbebrillte Elon Musk nickte alles fleißig ab, und Alice Weidel war von dieser neuen Form von „Leadership“ so inspiriert, dass sie sich selbst 2030 im Kanzleramt sah und Deutschland 2036 als Austragungsort für die Olympischen Spiele. Einzig die bayerische Putzfrau Antonia blieb in dieser Narrentruppe bei Verstand, erkannte die Gefahr und alarmierte Katha Schulze, die die Welt vor dem Untergang retten sollte.

Zu spät. Die neuen Leader setzten die MS United Nations mit einem kräftigen Rumms gegen einen Eisberg. Wie das ausgehen kann, ist hinlänglich bekannt. In dieser Untergangsstimmung wollten die Grünen ihr Publikum nicht in den Gründonnerstagabend entlassen.
Für die Abschlussszene legten alle ihre Maskerade ab und sangen zur Musik von „I am sailing“ von Hoffnung und Zuversicht. Prominente Gastrednerin war an diesem Abend neben dem Bundestagsabgeordneten Leon Eckert die Menschen-Umarmerin Claudia Roth. Sie hielt, ganz in Rot, eine flammende Rede für mehr Mitmenschlichkeit („Für uns Grüne ist das Grundrecht auf Asyl nicht verhandelbar.“) und forderte dazu auf, für die Demokratie zu kämpfen, die nicht unverwundbar sei. Denen, die sich zum Ziel gesetzt hätten, sie zu zerstören, gab sie Folgendes mit auf den Weg: „Unsere Angst schenken wir Euch nicht und unser Schweigen schon gar nicht.“

