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Youtube-Andachten und Einlasskontrollen:Wie Gottesdienste jetzt ablaufen

Abstandsregeln müssen auch während der Gottesdienste eingehalten werden (Archivbild).

(Foto: Marco Einfeldt)

In den von Corona beherrschten Zeiten gehört beim Besuch eines Gottesdienstes ein Mund-Nasen-Schutz dazu. Wie im Alltagsleben auch, müssen sich die Gläubigen auf das Einhalten von strengen Auflagen einstellen.

Von Birgit Grundner, Thilo Schröder und Alexandra Vettori, Freising

Es wird ein seltsames Bild, wenn am Sonntag um 10.30 Uhr der erste Gottesdienst seit Wochen im Mariendom stattfindet. Denn die Landesregierung hat das Verbot aus Seuchenschutzgründen zwar aufgehoben, jedoch strenge Auflagen erteilt: So müssen alle Anwesenden zwei Meter Abstand voneinander halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen, der nur zum Singen oder Predigen abgenommen werden soll. Bei der Kommunion, die nur als Handkommunion zu erfolgen hat, muss der Pfarrer Handschuhe tragen, der Empfänger am besten auch. Damit alle die neuen Regeln einhalten können, hat die Domverwaltung ein Video gedreht, das sie auf ihre Homepage und Youtube stellt.

Die Meinungen zu dieser distanzierten Form des Gottesdienstes seien geteilt, erklärt der Freisinger Domrektor Marc-Aeilko Aris. Die einen freuten sich, dass Eucharistiefeiern überhaupt wieder möglich seien, andere, wie er selbst, sehen es kritischer. "Die Befürworter haben nur noch nicht realisiert, wie furchtbar das ist", so Aris. Was ihn abschreckt, ist der Subtext: "Das Brot des Lebens kann für Dich tödlich sein, das ist die Botschaft, die mitschwingt, und da wird es für mich zur Farce." Dennoch hat sich das Erzbischöfliche Ordinariat dazu entschlossen, wieder Gottesdienste abzuhalten, ohne Voranmeldung. 90 Personen dürfen in den Mariendom, "wir nutzen wirklich alle Sitzplätze, auch die ohne direkte Sicht auf den Altar", so Aris.

Nurullah Özasma ruft die Gläubigen zum Gebet in der Moschee an der Wippenhauser Straße in Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

30 Plätze, statt der üblichen 300 bis 400, stehen Gottesdienstbesuchern in der Christi-Himmelfahrtskirche in Freising von Sonntag an zur Verfügung, einmal pro Woche. Dazu kommt: Um die Vorgaben einhalten zu können, müssen Besucher sich jeweils bis Donnerstag im Pfarramt per Telefon (0 81 61/53 75 70) oder per Mail (pfarramt.freising@elkb.de) anmelden. Sie sollen einen Mund-Nasen-Schutz mitbringen. Bei hoher Nachfrage werde ein weiterer Gottesdienst am Sonntagvormittag angeboten, sagt Pfarrerin Dorothee Löser. Die gut besuchten Youtube-Andachten "Für die Seele" zu Sonn- und Feiertagen würden ungeachtet dessen weiter unter "freisingevangelisch" gesendet. Die Sonntagspredigten lägen in der Kirche und den Gemeindezentren im Paul-Gerhardt-Haus und Epiphaniaszentrum aus und seien auf der Homepage abrufbar.

Die Evangelische Gemeinde Au wartet lieber noch ab

Die Evangelische Gemeinde Au möchte hingegen abwarten, "um genau zu überlegen, wie die Infektionsschutzmaßnahmen dann eingehalten werden können", erklärt Pfarrerin Sophie Schuster und bittet um Verständnis. Kommende Woche wolle man sich zusammensetzen und die Erfahrungen in anderen Gemeinden auswerten. Der Sonntagsbrief liege indes weiter in einigen Geschäften aus und sei auf der Homepage zu finden.

Im Pfarrverband St. Korbinian setzt man auf eine Einlasskontrolle samt Aushängen mit Regeln, wie Pfarrer Peter Lederer erläutert, "schlimmstenfalls müssen wir Leute abweisen". In der Regel dürfe nur jede dritte Bankreihe mit je zwei bis drei Personen besetzt werden. Laufwege sind markiert, ein Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht. In Sankt Georg mit maximal 50 Besuchern und Sankt Lantpert werden an diesem Donnerstag um 9.30 Uhr beziehungsweise 18 Uhr die ersten Messen im Verband gefeiert. Ähnlich ist das Vorgehen im Pfarrverband Neustift: 55 Plätze gebe es etwa in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Freising, sagt eine Sprecherin. Der erste Gottesdienst nach der Schließung wird an diesem Donnerstag um 18.30 Uhr gefeiert. Am Eingang kontrollieren Ordner.

Die katholische Pfarrei St. Franziskus in Neufahrn hat die Zahl der Gottesdienste am kommenden Sonntag derweil verdoppelt. Denn in die Pfarrkirche dürfen wegen der Abstandsregelungen jeweils höchstens 60 Besucher kommen - um 8.30 Uhr, um zehn Uhr, um 11.15 Uhr und um 18 Uhr. Die Sitzplätze sind markiert, es ist Mundschutz vorgeschrieben. Die Messfeier in Mintraching um 8.30 Uhr findet im Freien beim Kriegerdenkmal statt. Einige Sitzgelegenheiten stehen zur Verfügung, die Besucher können eigene Klappstühle mitbringen.

Für Muslime ist der Ramadan dieses Jahr ungewöhnlich einsam

Der evangelische Sonntagsgottesdienst um 10 Uhr in Neufahrn soll nach Möglichkeit auf der Pfarrwiese gefeiert werden - mit höchstens 50 Besuchern. Bei schlechtem Wetter würde die Teilnehmerzahl, wie beim Gottesdienst um 11.30 Uhr in Hallbergmoos, nach einer "Formel" berechnet: Zwischen Liturg und Besuchern müssen vier Meter und zwischen den Gottesdienstbesuchern mindestens zwei Meter Abstand sein. Familien dürfen aber zusammen sitzen. Für alle Gottesdienste - auch im Pfarrgarten - gilt die Maskenpflicht.

Im Pfarrverband Moosburg/Pfrombach sortiert man sich noch. Es gelte, eine Auswahl zu treffen, in welchen Kirchen überhaupt Gottesdienste stattfinden können, sagt Pastoralreferent Markus John. Durch die geforderten Mindestabstände kämen nicht alle Kirchen in Frage. "Weil die Vorgaben von Seiten der Diözese sehr zeitnah kamen, wird es im Pfarrverband Moosburg/Pfrombach frühestens ab dem 16. Mai wieder Gottesdienste geben.

Dass nun jeden Abend um 20.30 Uhr vier Minuten lang ein Gebetsruf vor der Moschee der Islamischen Gemeinde Freising an der Wippenhauser Straße ertönt, ist immerhin ein Trost für viele Muslime. Dafür, dass sie coronabedingt heuer einen ungewöhnlich ruhigen und einsamen Ramadan begehen müssen. Am kommenden Freitag wird zumindest ein kleiner Teil von ihnen wieder gemeinsam in der Moschee beten. Gemeindevorsitzender Ömer Korkmaz macht sich allerdings nichts vor: Ja, das sei natürlich schön, doch bei den Freitagsgebeten drängten sich normalerweise 200 Leute in dem 130 Quadratmeter großen Gebetsraum. Deshalb werde man die Moschee nur morgens, mittags und am Spätnachmittag öffnen, nicht zum abendlichen Ramadangebet. Da sei der Andrang zu groß, es dürfe ohnehin nicht gemeinsam gespeist werden. Auch für die normalen Gebete gelte: Wenn zu viele kämen, müssten Gläubige abgewiesen werden. "Was sollen wir machen?", fragt Korkmaz rhetorisch. Dass die Regeln so weit gelockert werden, dass am Ende des Ramadan am 23. Mai wieder alle Freisinger Muslime zusammen Fastenbrechen können, bezweifelt er. Vielleicht sei es aber ja möglich, eine Freiluftveranstaltung zu organisieren.

© SZ vom 07.05.2020/nta

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