Für den Freisinger Bürgerverein, der seit Jahren für die Messung von Ultra-Feinstaubpartikeln (UFP) am Münchner Flughafen kämpft, muss es sich zunächst nach einem Erfolg angehört haben: Die im Dezember 2024 in Kraft getretene EU-Luftqualitätsrichtlinie schreibt erstmals verbindliche Messungen von UFP vor – an Hotspots wie Flughäfen, Häfen oder stark befahrenen Straßen. Sie muss bis Ende 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden.
Doch am Münchner Flughafen plant die Staatsregierung offenbar lediglich, eine Messstation durch eine andere zu ersetzen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Umweltministeriums zum Stand der nationalen Umsetzung hervor. Statt in Hallbergmoos soll künftig in der Gemeinde Eitting gemessen werden. Die Messstation in der Stadt Freising wird weiter betrieben.
Seit 2017 fordert der Bürgerverein Freising UFP-Messungen direkt am Münchner Flughafen und warnt unermüdlich vor Gesundheitsgefahren durch die Triebwerksabgase. Eine seit 2020 laufende Studie des Umweltbundesamtes zu Berliner Flughäfen bestätigte im Mai 2025 dass Flughäfen „UFP-Hotspots“ sind.
Etwa 50 Prozent des Feinstaubs stammte allein aus dem Rollverkehr der Flugzeuge. Der Bürgerverein fordert deshalb für den Münchner Flughafen unter anderem die Verwendung von schwefelarmem Kerosin und den Einsatz von Taxibots zum Schleppen der Flugzeuge – bislang vergeblich.

Streit um die dritte Startbahn:Wie ein Plakat Gespräche verhindert
In Freising erschwert ein Banner mit der Aufschrift „Heimatzerstörer“ seit Jahren den Dialog zwischen Startbahngegnern und Staatsminister Florian Herrmann. Beim CSU‑Neujahrsempfang übergeben ihm die Gegner einen Brief für Ministerpräsident Söder, in dem sie diese Blockade beklagen.
Der Frust beim Bürgerverein sitzt tief. Ein Brief an Ministerpräsident Markus Söder, den der Verein beim CSU-Neujahrsempfang am 21. Januar übergab, wurde inzwischen zwar beantwortet – aber nicht von Söder selbst. Stattdessen sei ein „nichtssagendes Schreiben“ aus dem Finanzministerium gekommen, kritisiert der Verein. Darin werde auf Erläuterungen der Flughafen München GmbH verwiesen – aber kein Wort zu den Schadstoffkonzentrationen am Flughafen, zu fehlenden Messungen oder zur besonderen Belastung der Kita „Airport Hopser“ in Startbahnnähe verloren. Der Verein wirft der Staatsregierung vor, bewusst gegen den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu entscheiden.
Künftig soll in der Gemeinde Eitting gemessen werden
Laut Umweltministerium plant der Freistaat nun eine neue Messstation östlich des Flughafens in Eitting. Denn die EU schreibt vor, im nächstgelegenen Wohngebiet in Hauptwindrichtung zu messen – dort nämlich, wo der Wind die Partikel hintreibt. Da der Wind im Erdinger Moos meist aus West kommt, wäre das eben Eitting.
Gleichzeitig sollen die bisherigen Messungen der Universität Bayreuth in Hallbergmoos südlich des Flughafens Ende 2026 eingestellt werden, dann endet auch die Finanzierung des Projekts. Letzteres gilt auch für die Messstation nördlich des Flughafens in Freising. Hier soll allerdings weiter gemessen werden, um „die Hintergrundbelastung zu ermitteln“, wie es im Bericht des Umweltministeriums heißt.

Statt eines erweiterten Messnetzes in drei Windrichtungen bliebe es also bei zwei Standorten – nur an anderer Stelle. Und: Messungen direkt auf dem Flughafengelände, wie sie auch in der Münchner Fluglärmkommission zuletzt gefordert wurden, lehnt die Staatsregierung als „nicht zweckdienlich und nicht richtlinienkonform“ ab.
Johannes Becher, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Landtagsgrünen, ist empört: „Die EU gibt einen neuen Messstandort vor und direkt wird einer der bestehenden Standorte eingestampft“, kritisiert er. Devise der Staatsregierung sei es offenbar, nur das Nötigste zu tun. Dabei würden wissentlich Gesundheitsschäden bei den Menschen in der Flughafenregion in Kauf genommen.
Auf dem Flughafengelände selbst arbeiten tausende Menschen
Becher kritisiert zudem, dass die Staatsregierung keine Notwendigkeit für Maßnahmen zur UFP-Reduzierung sehe, weil die EU-Richtlinie zwar Messungen vorschreibe, aber keine Grenzwerte festlege. Dementsprechend könnten auch keine Grenzwerte überschritten werden, so offenbar die Logik. Verantwortung zu übernehmen würde dagegen bedeuten, die bisherigen Messungen beizubehalten, auszuweiten und den Ausstoß von UFP zu reduzieren: „Es braucht endlich eine echte Gesundheitsvorsorge für die ohnehin von Lärm und Schadstoffen geplagten Menschen in der Flughafenregion.“
Wie Gesundheitsschutz an einem Flughafen aussehen kann, zeige sich am Amsterdamer Flughafen Schiphol, sagt Wolfgang Herrmann, einer der Vorsitzenden des Bürgervereins. Dort seien längst präventive Arbeits- und Gesundheitsschutzprogramme etabliert, für Beschäftigte auf den Vorfeldern würden beispielsweise bereits Atemschutzmasken bereitgestellt. „Und bei uns wird einfach behauptet, die Luftqualität sei gut.“

