Prozess am Landgericht München II:Kunstliebhaber fallen auf schnöde Fälschungen rein

Lesezeit: 2 min

Richter Martin Hofmann (l) steht zum Auftakt im Prozess gegen zwei Angeklagte an seinem Platz. Hinter den beiden mutmaßlichen Kunstfälschern stehen ihre Anwälte. (Foto: Peter Kneffel/dpa)

Zwei Männer verkaufen angeblich wertvolle Gemälde an Auktionshäuser und Privatkunden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen Betrug vor. Am Landgericht München II hat der Prozess gegen die Angeklagten begonnen.

Von Andreas Salch, Freising

Jahrelang sollen Silvano A. und sein Sohn Tyrone in Deutschland in zum Teil namhaften Auktionshäusern ein- und ausgegangen sein und vermeintlich wertvolle Gemälde für Versteigerungen geliefert haben. Bei den Werken handelte es sich vor allem um Gemälde des US-Amerikaners Edward Cucuel (1875-1954) sowie solche des Tirolers Leo Putz (1869-1940). Zu den Kunden von Silvano A. und seinem Sohn sollen auch private Kunstliebhaber gezählt haben – unter anderem in Freising.

Zwischen 2017 und 2019 sollen die beiden Münchner dort an zwei Männer mehrere Gemälde von Cucuel und Putz, die im Stil der Impressionisten malten, für insgesamt knapp 230 000 Euro verkauft haben. Allerdings, was die Kunstfreunde in Freising und die allermeisten Auktionshäuser nicht erkannten: Bei den scheinbar wertvollen Werken handelte es sich um schnöde Fälschungen.

Nach aufwendigen, jahrelangen Ermittlungen, hat an diesem Mittwoch der Prozess gegen den 69-jährigen Silvano A. und seinen Sohn Tyrone (36) vor dem Landgericht München II begonnen. Nach Angaben von Staatsanwältin Marquardt sollen die Angeklagten Auktionshäusern und Privatkunden zwischen 2014 und 2019 gefälschte Gemälde im Wert von insgesamt fast 360 000 Euro angedreht haben.

Laut Anklage malten Silvano A. und sein Sohn die vermeintlich echten Meister selbst. Damit der Schwindel nicht auffliegt, verwendeten sie offenbar alte Leinwände. Vater und Sohn sollen auch Bilder von anderen Künstlern abgeändert, beziehungsweise eine Kunstmalerin damit beauftragt haben, Gemälde mit einer gefälschten Signatur von Cucuel nach einer Vorlage herzustellen.

Offenbar wirkte alles täuschend echt

Für die angeblich von dem US-Amerikaner stammenden Werke sollen zwei von den Angeklagten beauftragte Kunstsachverständige Gutachten erstellt haben, in denen die Echtheit der Bilder garantiert wird. Der Anklage der Staatsanwaltschaft zufolge haben sich Experten sogar dazu überreden lassen, die Fälschungen in ein Werkverzeichnis aufzunehmen. Offenbar wirkte alles täuschend echt. Denn Fachleute, darunter die eines namhaften Auktionshauses im Rheinland, nahmen ein gefälschtes Bild von Cucuel an, das die Angeklagten für eine Versteigerung geliefert hatten. Letztlich fand das Gemälde, das im Auktionskatalog mit einem Schätzpreis von 25 000 bis 30 000 Euro angeboten wurde, keinen Käufer. Doch dies war eher eine Ausnahme. Denn in aller Regel sollen sich für die Fälschungen bei anderen Auktionen Abnehmer gefunden haben.

In einem Auktionshaus am Bodensee etwa, in das die Angeklagten einen täuschend echt aussehenden Cucuel samt gefälschter Expertise zur Versteigerung angeboten hatten, zahlte ein Kunstfreund für das 90 mal 110 Zentimeter große Ölgemälde „Auf Parkbank sitzende Dame unter Kastanienbaum am Ufer des Starnberger Sees“ 20 160 Euro. Die meisten Einnahmen erzielten A. und sein Sohn aber bei Kunstliebhabern in Freising.

Im Oktober 2018 etwa zahlten zwei Männer für drei Ölgemälde von Cucuel und Putz insgesamt 65 000 Euro. Ebenso wie in den anderen angeklagten Fällen sollen die Werke aber nicht von den beiden Künstlern stammen, sondern, so die Staatsanwaltschaft, von einer von den Silvano A. und seinem Sohn beauftragten Kunstmalerin.

Der angebliche Kunsthändler entpuppt sich als Flohmarkthändler

Im Frühjahr 2019 scheinen die beiden Freisinger nochmals dazu bereit gewesen sein, weitere 65 000 Euro an A. und dessen Sohn für angeblich originale Gemälde von Cucuel und Putz zu zahlen. Die Verkaufsverhandlungen waren laut Staatsanwaltschaft bereits abgeschlossen. Doch dann kam es zu einer Durchsuchung bei den Angeklagten, sodass das Geschäft platzte.

Zum Auftakt des Prozesses machten weder Silvano noch Tyrone A. Angaben zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Im Zuge der Ermittlungen hatte Silvano A. einem Gerichtspsychiater offenbart, er sei „kein richtiger Täter“, sondern sei „betrogen worden.“ Silvano A., der als Beruf Kunsthändler angibt und Bürgergeld bekommt, hat keine Ausbildung und verdingte sich in der Vergangenheit außer im Kunsthandel mit dem Verkauf von Möbeln, und zwar auf Flohmärkten. Außer gemeinschaftlichen Betrug wirft die Staatsanwaltschaft dem 69-Jährigen vor, er habe zu Unrecht Pflegegeld in Höhe von fast 56 000 Euro bezogen. Tyrone A. arbeitete zuletzt im Internethandel. Derzeit lebt der 36-jährige seinen Angaben zufolge von Sozialhilfe. Der Prozess wird fortgesetzt.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusGebrüder Asam
:Moderne Kunst-Stars ihrer Zeit

Cosmas Damian und Egid Quirin Asam erarbeiteten sich auch mit dem Freisinger Mariendom den Ruf als bedeutende Vertreter des Spätbarock und wurden fürstlich bezahlt. Egid baute sich gar seine ganz persönliche Kirche mitten in München mit Privatblick auf den Altar: die Asamkirche in der Sendlinger Straße.

Von Francesca Polistina und Birgit Goormann-Prugger

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: