Es ist eines der schönsten Ausflugsziele in der Region und zugleich einer der ungewöhnlichsten Ausstellungsorte. Der historische Schafhof, idyllisch am Stadtrand von Freising gelegen, ist seit 20 Jahren ein wichtiges Forum für zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler. Für Besucher gibt es ein gemütliches Café. Eine Bewirtung aber ist seit einem halben Jahr nach Aufgabe des bisherigen Pächters nur mehr im kleinen Stil möglich. Das soll sich möglichst bald wieder ändern. Museumsleiter Eike Berg arbeitet gemeinsam mit dem Bezirk Oberbayern, dem Träger des Kunstforums, an einem neuen Konzept für die Gastronomie.
Nicht nur für Ausstellungsbesucher war das Café „Botanika“, so der frühere Name, eine beliebte Anlaufstelle. Auch viele Freisinger und Freisingerinnen schätzten das Angebot mit Tapas-Abenden und Sonntagsbrunch. Im Sommer 2025 aber beendete Betreiber Joaquin von Dehn überraschend das Pachtverhältnis. Seitdem betreibt der Schafhof das Café Muse in Eigenregie und bietet während der Öffnungszeiten der Ausstellungen Kaffee und Kuchen sowie kalte Getränke an. Eike Berg möchte das Angebot wieder ausbauen – im Sinne von „klein und fein“, wie er sagt.
Darunter versteht er ein hochwertiges Barista-Kaffeeangebot, Getränke mit einer „überschaubaren Auswahl an Wein, Sekt, Bier und Mixgetränken“, Kuchen, außerdem einfache Bistro-Gerichte wie Sandwiches, Quiche oder Suppe. „Ein wechselndes Angebot, das sich teilweise saisonal oder entsprechend der Ausstellungsthemen ändert, würde die Attraktivität des Cafés ebenfalls steigern“, sagt Berg. Gemeinsam mit dem Bezirk und „externen Expertisen“ entwickele man derzeit ein Konzept, „um eine ideale Gastronomie für die Größe und die Funktion unserer Kultureinrichtung zu finden“, schildert er. Ein Eröffnungstermin steht bisher nicht fest.
Gebaut worden war der historische Schafhof mit seinem imposanten Tonnengewölbe aus einem ganz anderen Grund. Er entstand 1819/20 als Mustergut im Auftrag von König Max I. Joseph für seine Merinoschafe. Bis in die 1960er-Jahre wurde der Schafhof landwirtschaftlich genutzt. Danach stand er leer. 1990 erwarb der Bezirk das Gebäude und eröffnete vier Jahre später ein landwirtschaftliches Museum, das auf wenig Interesse stieß. 2005 wurde der Schafhof als europäisches Künstlerhaus Oberbayern wiedereröffnet, mit regelmäßigen Ausstellungen und drei Ateliers für Kunststipendiaten aus anderen europäischen Ländern.


Für Eike Berg ist das Café wichtiger Bestandteil des Künstlerhauses. Was die Lage angeht, gerät er ins Schwärmen. Es sei schon jetzt ein beliebtes Ausflugsziel. Die große Sonnenterrasse biete mit ihrer Südlage, dem Panoramablick auf Weihenstephan, die Stadt Freising und bei Föhn sogar auf die Alpen sowie mit dem Skulpturengarten „eine großartige Umgebung für einen entspannten und inspirierenden Aufenthalt“. Im Gastraum solle der Charakter des Kunstforums künftig mit wechselnden kleinen Kunstpräsentationen ausgebaut werden.
Für die Stadt ist der Schafhof ein Aushängeschild. Als Museum für internationale zeitgenössische Kunst biete das Kunstforum „eine in Freising einzigartige und überregionale Möglichkeit, außergewöhnliche Kunstereignisse zu erleben“. Auch das über 200 Jahre alte Gebäude sei einen Besuch wert. Die neue Gastronomie solle „einen Ort bieten, an dem man sich von der Qualität verwöhnen und die Seele baumeln lassen kann“, beschreibt der Museumsleiter seine Vorstellung.
Unter der Woche ist bei den Besucherzahlen „Luft nach oben“
Trotz der schönen Lage dürfte die Aufgabe für einen künftigen Betreiber herausfordernd sein. An den Wochenenden seien die Besucherzahlen im Museum und im Café hoch, erklärt Berg. Während der Wochentage besonders in der kälteren Jahreszeit „ist noch Luft nach oben“. Mit Werbung und Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sowie speziellen Angeboten für Gruppen und Themen lasse sich das aber sicher verbessern, vermutet er.
Bis das neue Konzept steht, bleibt es beim Namen „Muse“, eine naheliegende Assoziation für ein Museumscafé. Berg erinnert er aber auch an die Musen als Schutzgöttinnen der Künste und Wissenschaften. Geöffnet ist das Café während der Ausstellungen, im Winter von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr.

