Seit 2012 gilt der Furtnerbräu in Freising als der „place to be“ für die Partygemeinde in der Freisinger Innenstadt. Jetzt wurde bekannt, dass die Kultkneipe, die seit 2008 im Besitz von Luis Praetner ist, verkauft werden soll. Den Auftrag dazu hat das Freisinger Immobilienbüro Stanglmaier erhalten.
Für4,5 Millionen Euro, so liest es sich auf der Website des Unternehmens, ist das Objekt, Baujahr 1886, zu haben. Es gibt einiges zu tun. Die Immobilie sei vollständig sanierungsbedürftig und überdies denkmalgeschützt, gibt das Maklerbüro Interessenten im Exposé gleich mit auf den Weg.
Der Gebäudekomplex werde provisionsfrei angeboten, informierte Geschäftsführer Peter Stanglmaier, so könne sich möglicherweise auch die öffentliche Hand dafür interessieren. „Denn der Furtner liegt dem Besitzer Louis Praetner am Herzen“, sagte Stanglmaier weiter. Freisings Feiergemeinde müsse sich auch keine Sorgen machen. Der Betrieb im Furtnerbräu laufe wie üblich weiter. Und wenn es nach den Vorstellungen von Louis Praetner gehe, dann solle der mögliche neue Besitzer in dem Gebäude eine Gastronomie einrichten, die sich vor allem an den vielen Studierenden in Freising orientiert. Vorstellbar sei dort auch studentisches Wohnen im Obergeschoss.
Mit dem Furtnerbräu ist Stanglmaier im Auftrag von Louis Praetner schon seit 2008 befasst. Damals hatte Praetner den Gebäudekomplex samt der dahinterliegenden früheren Brauerei erworben. Im Klinikbetreiber Medical Park, der dort ein Rehazentrum habe realisieren wollen, sei bereits ein „Ankermieter“ bereitgestanden. Gleichzeitig seien Gespräche mit der Brauerei Weihenstephan für den Gastronomiebetrieb geführt worden. Die Mietverträge seien schon aufgesetzt gewesen. Dann sei der Medical Park wegen interner Unstimmigkeiten abgesprungen und auch Weihenstephan habe sich nicht mehr engagieren wollen.
Für den Besitzer nicht zu verwirklichen
Seit dieser Zeit diskutiere Louis Praetner mit der Stadt Freising wegen der Ausgestaltung des Bebauungsplans für das Areal zwischen Kochbäckergasse und Stieglbräugasse, zu dem der Furtnerbräu gehört. „Das, was die Stadt sich vorstellt, hält mein Mandant so für nicht verwirklichbar“, erläuterte Stanglmaier. Der jahrelange Rechtsstreit mit der Stadt habe ihn zermürbt. Darum sei jetzt die Entscheidung für den Verkauf gefallen. „Er wünscht sich, dass da jetzt etwas weitergeht, denn er will nicht, dass das Gebäude verfällt“.
Die Geschichte des Anwesens reicht bis zum Jahr 1513 zurück. Im Jahre 1886 brannte das gesamte Gebäude ab und wurde wieder neu aufgebaut.

Der Furtnerbräu gehörte seit 1833 zum Besitz der Familie Braun, einer Freisinger Braudynastie. Die Bierkeller befanden sich an der Wippenhauser Straße. Sie liegen unterhalb des AOK-Gebäudes.
Die Brauerei errichtete im Umfeld ihres Lagerkellers einen Wirtsgarten, in dem Gäste unter schattigen Kastanien das Bier genießen und mitgebrachte Brotzeiten verzehren konnten. Bald spielte die Blasmusik dazu, der Bierkeller wurde zum beliebten Ausflugsziel.

Bis 1967 wurde im Furtner Bier gebraut, dann wurde dies aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben. Lange war der Furtnerbräu an der Oberen Hauptstraße ein gut besuchtes Gasthaus. 2007 gab der letzte Wirt auf und das Gebäude stand leer.
Bis zum Jahr 2012: Da traten der Allershausener Bauunternehmer Andreas Adldinger, der Freisinger Architekt und FSM-Stadtrat Reinhard Fiedler und Frank Hager, von Beruf Informatiker, auf den Plan, um den Furtner wiederzubeleben. Den Betrieb verpachteten sie an Franziska Kreuter, die den Furtner zusammen mit Ludwig Dinzinger bis heute erfolgreich führt. Besitzer Louis Praetner zeigte Entgegenkommen und verlängerte den Pachtvertrag immer weiter. Als Zwischenlösung, bis zudem Zeitpunkt, zu dem er seine eigenen Pläne hätte umsetzen können. Er wollte für den gesamten Komplex zwischen dem damaligen Praetner-Haus und Furtner-Bräu ein Gesamtkonzept entwickeln.
Im Oktober 2013 zerstörte ein Feuer aus unbekannter Ursache einen Großteil der Einrichtung, es entstand Sachschaden in Höhe von 200 000 Euro. Der Schankraum war zerstört. Auch das historisch wertvolle Nebenzimmer wurde in Mitleidenschaft gezogen. Erst schien es, als ob dies das endgültige Aus des Furtnerbräu sein sollte.


Doch die Bestürzung der Gäste war groß, die Pächter krempelten die Ärmel auf, räumten Schutt und Asche raus und machten nach ein paar Wochen weiter, genau wie schon nach dem Brand 1886. Und wie könnte es nun weitergehen, sollte sich ein neuer Besitzer finden?
Reinhard Fiedler meldete sich bereits via Facebook mit dem Vorschlag, eine Bürgergenossenschaft könnte den Furtner kaufen und so dauerhaft erhalten. Ein Vorhaben, das Peter Stanglmaier seiner Einschätzung nach bei einem Projekt dieser Größenordnung und mit diesem Sanierungsbedarf mit gewissen Zweifeln betrachtet. Und wie lange könnte es dauern, bis sich ein Käufer findet? „Schwer zu sagen“, sagt Stanglmaier. Bei einem solchen Projekt könne man als Makler schon mal zwei Jahre warten. „Es kann dann aber auch ganz schnell gehen.“

