Freisinger Frauenhaus:Hilferufe finden Gehör

Freisinger Frauenhaus: 143 Anfragen gab es im Jahr 2019, nur zwölf Frauen konnten im Frauenhaus der Diakonie aufgenommen werden.

143 Anfragen gab es im Jahr 2019, nur zwölf Frauen konnten im Frauenhaus der Diakonie aufgenommen werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Einrichtung der Diakonie ist schon lange zu klein, zu voll und schlecht ausgestattet, Corona hat die Lage noch verschärft. Unterstützung kommt jetzt unter anderem von Landrat Helmut Petz.

Von Gudrun Regelein, Freising

Das Frauenhaus Freising der Diakonie platzt aus allen Nähten. Das ist nicht neu - und schon lange appelliert die Freisinger Diakonie-Vorständin Beate Drobniak, dass mehr Platz geschaffen werden müsse. Die Zahlen belegen das: 143 Anfragen gab es im Jahr 2019, aber insgesamt nur zwölf Frauen konnten aufgenommen werden. Inzwischen hat Drobniak mit ihrer Forderung große Unterstützung gefunden - und auch im jüngsten Sozialausschuss des Kreisrates fand sie Gehör.

Maximal fünf Frauen und zehn Kinder könnten derzeit im Frauenhaus unterkommen, berichtet Beate Drobniak auf Nachfrage der SZ Freising. "Die Situation dort ist unzumutbar: Die Wohnverhältnisse sind bei Vollbelegung viel zu eng." Die sanitäre Ausstattung und die Größe der Gemeinschaftsräume beispielsweise erfüllten derzeit nicht einmal die Mindestanforderungen für Wohnraum. Ein anderes Problem, das die Situation verschärft, ist die steigende Aufenthaltsdauer der Frauen. "Das liegt zum einen an der wachsenden Wohnungsnot und zum anderen daran, dass die Fälle immer komplexer werden und dadurch der Unterstützungsbedarf der Frauen zunimmt", erklärt die Vorständin. Eigentlich müsste es laut Quote im Landkreis im Frauenhaus auch mehr Plätze geben, zwischen sieben und acht sind das, sagt Drobniak. "Acht wären gut."

"Wir brauchen ein neues Haus, egal ob gemietet oder neu gebaut"

Erfreulich findet sie, dass sie mit ihrer Forderung nach einer Erweiterung nun auf positive Resonanz stößt - in der Politik und in der Verwaltung. Im Sozialausschuss schlug der Freisinger Landrat Helmut Petz vor, als kurzfristige Lösung Wohnungen als "Second-Stage-Plätze" anzumieten. In diesen Wohnungen - so die Idee - könnten stabilisierte Frauen und ihre Kinder als Zwischenphase ein selbständiges Leben führen, würden aber dabei weiterhin von Mitarbeiterinnen des Frauenhauses betreut. Dass langfristig aber die Kapazitäten erweitert werden müssten, sagte auch Landrat Petz.

"Wir brauchen ein neues Haus, egal ob gemietet oder neu gebaut", betont Beate Drobniak. Idealerweise eines, das vom Platzangebot her für einen weiter wachsenden Landkreis ausgelegt ist und in dem zumindest die Mindeststandards erfüllt sind. Ihre große Vision aber wäre ein "Kompetenzzentrum gegen häusliche Gewalt". Denn die häusliche und sexualisierte Gewalt sei ein großes Thema: Experten erwarten durch die Corona-Krise und den monatelangen Lockdown einen eklatanten Anstieg der Fälle.

Während des Lockdowns ist es schwierig, sich Hilfe zu holen

Im Landkreis Freising sei die Zahl der Frauen, die sich bei der Diakonie wegen häuslicher Gewalt Hilfe suchen, in den vergangenen Monaten zwar nicht stark nach oben geschnellt, berichtet Drobniak. Aber: "Während der kurzen Phasen der Lockerung kamen dann mehr Frauen." Viele Familien müssten während des Lockdowns auf engstem Raum leben, für die Betroffenen gebe es kaum eine Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. "Corona hat die Situation in den Familien, in denen Gewalt schon ein Thema war, wahnsinnig schwierig gemacht."

Eine erste Anlaufstelle für von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder ist die Beratungsstelle "Hilda" - das steht für "Hilfe ist da" - der Diakonie Freising. Die vier Mitarbeiterinnen bieten eine psychosoziale Beratung, informieren beispielsweise über die notwendigen ärztlichen Untersuchungen, den Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz und den Ablauf eines Strafverfahrens. Auf Wunsch werden die Frauen und auch deren Kinder zur Polizei, zu den Untersuchungen oder zu einer anwaltlichen Beratung begleitet.

Hilda gibt es seit einem guten Jahr. In dieser Zeit suchten sich bereits 122 Frauen Hilfe. Die Dunkelziffer der Betroffenen aber liege weit aus höher, befürchtet Beate Drobniak. "Das dauert zumeist sehr lange, bis diese Frauen endlich den ersten Schritt wagen und sich Hilfe suchen."

© SZ vom 22.04.2021/nta
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