bedeckt München 11°
vgwortpixel

Ultrafeinstaub-Messungen am Münchner Flughafen:"Aufgemuckt wird das kritisch begleiten"

Auch wenn Christian Magerl seit 2018 nicht mehr dem Landtag angehört, kämpft er weiter gegen die Ausbaupläne für den Flughafen im Erdinger Moos und für den Klimaschutz.

(Foto: Marco Einfeldt)

Christian Magerl, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen die dritte Startbahn, begrüßt es, dass auch am Flughafen München Ultrafeinstaub gemessen werden soll. Helfen wird aus seiner Sicht nur eine Reduktion des Luftverkehrs.

Auch wenn Christian Magerl seit 2018 nicht mehr dem Landtag angehört, kämpft er weiter gegen die Ausbaupläne für den Flughafen im Erdinger Moos. Jetzt eben als Sprecher des Aktionsbündnisses Aufgemuckt. Recht zuversichtlich gibt er sich, dass der Bau der dritten Startbahn verhindert werden kann, mahnt aber auch, wachsam zu sein. "Wir müssen den Widerstand aufrecht erhalten." Vom neuen Flughafenchef Jost Lammers hätte er sich gewünscht, dass der zu seinem Amtsantritt den Verzicht auf die dritte Startbahn erklärt, "das wäre eine feine Geste gewesen". Vielleicht, so Magerl, mache er das ja noch, "die Hoffnung stirbt zuletzt". Die Stadt Freising und vor allem auch die Attachinger bräuchten schließlich endlich Klarheit. Aufgemuckt werde weiter kämpfen, verspricht er, "wir sind im Widerstand gut aufgestellt".

SZ: Die Staatsregierung will nun ja laut Umweltminister Glauber auch am Flughafen Ultrafeinstaub (UFP) messen lassen, nachdem zunächst nur in Augsburg und Regensburg Messstellen eingerichtet werden sollten. Sind Sie damit zufrieden?

Magerl: Nichts gegen Augsburg und Regensburg, dort macht es bestimmt auch Sinn zu messen. Aber den Flughafen zunächst außen vor zu lassen, war ein völliger Schmarrn. Das Umdenken ist sicherlich dem Kommunalwahlkampf geschuldet. Ich hoffe, dass die Messstellen am Flughafen noch heuer eingerichtet werden und wir von Aufgemuckt werden das sehr kritisch begleiten.

Politik in Bayern Ultrafeinstaub soll bald gemessen werden
Erfolg für Anwohner des Münchner Flughafens

Ultrafeinstaub soll bald gemessen werden

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber erläutert bei einer Wahlveranstaltung der Freien Wähler in Neufahrn die Vorbereitungsmaßnahmen. Zwei Messstationen sind wohl am Airport geplant.   Von Birgit Grundner

Welche Konsequenzen hätte es denn, wenn die UFP-Werte tatsächlich so hoch sind, wie vom Freisinger Bürgerverein festgestellt?

Zunächst gar keine. Es gibt ja immer noch keine Grenzwerte, die müssten erst von der EU festgesetzt werden und das kann dauern. Das Dilemma ist, dass es bei Flugzeugen im Gegensatz zu Autos für nix Rückhaltesysteme gibt. Im Prinzip hilft deshalb nur eine Reduktion des Luftverkehrs, um den UFP-Ausstoß zu verringern. Das würde dann automatisch zu weniger Schadstoffen führen.

Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub für die Menschen?

Wir hatten 2018 eine Anhörung im Landtag und da wurde festgestellt, dass der Luftverkehr die entscheidende Quelle für den UFP ist. Der ist deshalb so gefährlich, weil er lungengängig ist. Umso feiner die Staubpartikel sind, umso gefährlicher sind sie.

Wie ist denn der Stand der Dinge in Sachen Flugbewegungen, die ausschlaggebend für den Bau einer Startbahn sind?

Im Oktober gab es ein Minus von 1,1 Prozent, im November waren es minus 5,7, im Dezember minus 2,9 Prozent und in den ersten vier Wochen des neuen Jahres beträgt das Minus auch schon wieder 2,7 Prozent. Es ist auch nicht erkennbar, dass die Entwicklung wieder mal nach oben geht. Im Vorjahr gab es insgesamt 417 238 Flugbewegungen, nach den früheren Prognosen hätten es 595 000 sein sollen. Im Jahre 2008 wurden 432 296 Flugzeuge abgefertigt, seit zwölf Jahren ist also ein Rückgang zu verzeichnen, trotz der gezahlten Subventionen an die Fluggesellschaften. Es gibt also noch genügend Reserven. Laut Planfeststellungsbeschluss sind schließlich mit zwei Startbahnen 480 000 Flugbewegungen im Moos möglich.

Die Zahl der Passagiere aber nimmt zu. Greift die Flugscham noch nicht um sich?

Bis August gab es bei den Passagieren noch eine Zunahme von fünf Prozent, seither sind die Werte deutlich gesunken, aber es gibt immer noch Wachstum. Ich bin gespannt, wie die Entwicklung im ersten Quartal aussieht. Fragt man die Reisebranche, dann ist von Flugscham nichts zu merken, gestiegen ist jedoch die Kompensation des CO₂-Ausstoßes mit Umweltprojekten. Die idealste Kompensation wäre natürlich der Verzicht auf die dritte Startbahn und die Renaturierung des Erdinger Mooses. Wenn die wirtschaftliche Entwicklung schlechter wird, werden auch die Firmen ihre Reisen zusammenstreichen, das hat nichts mit Flugscham zu tun, das ist ein Kostenfaktor.

Freisinger Köpfe "Wir haben ja viel erreicht"
Freisinger Köpfe

"Wir haben ja viel erreicht"

Schon mit 14 hat Christian Magerl gegen den Flughafen demonstriert.

Helfen würde wohl auch, wenn die Bahn besser würde.

Ich war 43 Jahre Pendler. Die Bahn ist nicht so schlecht, wie immer geredet wird. Im Vorjahr war ich mit der Bahn an der Ostsee. Bei der Hinfahrt hatte mein Zug acht Minuten Verspätung, bei der Rückfahrt war er pünktlich und das bei mehr als 1000 Kilometer Fahrstrecke. Aber sicher, was Pünktlichkeit und Qualität betrifft, ist schon noch Luft nach oben.

Wie stehen die Aussichten, die dritte Startbahn zu verhindern?

Momentan gibt es das Moratorium bis 2023. Die Meinung des Landratskandidaten Petz (Freie Wähler), dass die dritte Startbahn klinisch tot sei, kann ich so nicht teilen. Aus einem künstlichen Koma kann man jederzeit zurückgeholt werden. Der Planfeststellungsbeschluss gilt nach wie vor und wenn sich die politischen Rahmenbedingungen ändern sollten, wenn etwa die Stadt München ihren Widerstand aufgeben oder im Landtag die CSU wieder allein regieren sollte, könnte die Startbahn jederzeit gebaut werden.

Umweltminister Glauber hat in Neufahrn gesagt, die dritte Startbahn werde erst in 15 Jahren wieder aktuell. Gilt dann der Planfeststellungsbeschluss überhaupt noch?

Der Planfeststellungsbeschluss gilt zehn Jahre und kann um fünf Jahre verlängert werden. Die Frist beginnt nach der letzten richterlichen Entscheidung, das war 2015 Leipzig. Das wäre also 2030, aber die Juristen sind sich da nicht ganz einig, ob im Planfeststellungsbeschluss enthaltene Straßenbaumaßnahmen nicht schon als Baubeginn zu werten sind und dadurch von der Baugenehmigung Gebrauch genommen wurde. Ergänzungen wird es aber auf jeden Fall geben müssen, denn es ist nicht davon auszugehen, dass noch alles gilt, was vor zehn Jahren in den Planfeststellungsbeschluss geschrieben wurde. Da hat sich in der Umweltgesetzgebung schon jetzt viel geändert.

Welche Klimabelastung würde denn der Bau der Startbahn auslösen?

Die drei wichtigsten Faktoren sind die Zerstörung des Moores, weil dann keine CO₂-Fixierung mehr möglich ist, und der ungeheure Verbrauch von Beton, bei dessen Produktion besonders viel CO₂ entsteht. Bei der Herstellung des Betons für die Startbahn und der dazugehörigen Rollwege würde eine riesige Menge CO₂ freigesetzt werden. Und dazu kommt natürlich noch der CO₂-Ausstoß durch die Flugzeuge selbst.

Die FMG hat 2019 etwa 25 Millionen Euro Subventionen an Fluggesellschaften bezahlt. Was sagen Sie dazu?

Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Weitere Subventionen sind der Verzicht auf Kerosinsteuer, der Verzicht auf Mehrwertsteuer im internationalen Luftverkehr, der Verzicht auf Mehrwertsteuer beim Kauf von Flugzeugen, wenn die international eingesetzt werden, der Bau von Flughäfen und die Subventionen für die Flugzeughersteller. Das sind Milliarden an Steuererleichterungen.

Wie geht es einem Christian Magerl nach so vielen Jahren im bayerischen Landtag dabei, nicht mehr hautnah am Geschehen zu sein?

Bestens, mir geht nichts ab. Ich krieg ja noch viel mit, die Sitzungen im Landtag sind öffentlich und mit meinem Nachfolger Johannes Becher telefoniere ich regelmäßig. Ich fühle mich gut informiert.

© SZ vom 10.02.2020/nta
Umwelt und Energie Gefährlicher als Feinstaub: Ultrafeinstaub

Gesundheit und Wetter

Gefährlicher als Feinstaub: Ultrafeinstaub

Moderne Kohlekraftwerke stoßen offenbar winzige Partikel aus, die das Herz-Kreislauf-System des Menschen schädigen können. Möglicherweise beeinflusst der Ultrafeinstaub auch das Wetter.   Von Benjamin von Brackel

Zur SZ-Startseite