bedeckt München 25°

Shuttleservice in Freising:Existenzangst geht um

PULLING: Park + Fly in der Krise / Pleitewelle

Die Geschäfte gehen derzeit schlecht für Unternehmen, welche Shuttledienste zum Flughafen im Erdinger Moos anbieten. Seit dem Shutdown im März läuft die Nachfrage nur zögerlich wieder an.

(Foto: Johannes Simon)

Seit Anfang März sind der Park-and-Fly-Branche im Landkreis Freising die Einnahmen weg gebrochen. Einige Unternehmen haben staatliche Hilfen Anspruch genommen, kämpfen aber dennoch ums Überleben.

Nicht nur Fluggesellschaften sind von der Coronakrise stark betroffen, ebenso leidet die Park-and-Fly-Branche unter der jetzigen Situation. Da die gesamte Reisebranche in einer noch nie dagewesenen Krise steckt und es aktuell kaum Flüge gibt, ist die Nachfrage nach Parkplätzen in Flughafennähe ebenfalls kaum vorhanden. Ein Inhaber eines Park-and-Fly-Unternehmens in Achering berichtet besorgt: "Ab März hatte das Unternehmen drei Monate lang keinen Gewinn gemacht. Wir hatten 99 Prozent weniger Umsatz als im vorherigen Jahr. Zwar ist der Umsatz im Juni wieder gestiegen, aber auch nur minimal."

Ihm gehe es aber auch um seine Mitarbeiter: "Die sind aktuell in Kurzarbeit und kriegen nur 60 Prozent ihres eigentlichen Nettogehaltes. Das sind gerade mal 900 Euro. Meine Mitarbeiter haben aber Familien zu ernähren und haben dementsprechend jetzt Existenzängste!" Dennoch meint er, sei er für das vom Staat zur Verfügung gestellte Hilfspaket dankbar gewesen.

Ein anderer Parkunternehmer in Freising ist jedoch anderer Meinung. Er empfindet die Hilfen des Staates als nicht ausreichend. Dazu sagt er, "15 000 Euro haben einfach nicht für drei Monate gereicht. Da hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht. Ich habe aber immer noch die Hoffnung, dass der Staat weitere Maßnahmen ergreifen wird." Der Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schildert, dass die Leute zwar langsam anfingen, wieder Parkplätze zu buchen, dass das Park and Fly aber dennoch kaum Umsatz mache. "Wenn sich nicht bald was tut, folgt die Kündigung", verdeutlicht der Inhaber des Freisinger Unternehmens.

"Mit dem Paket konnten wir gerade mal einen Monat überbrücken"

Karl Herrmann, Inhaber von "Park + Fly am Schindlerhof", sagt, dass die Hilfsfonds für sein Familienunternehmen für gerade mal ein bis zwei Monate gereicht hätten. "Wir bräuchten eine Hilfe, mit der wir monatliche Unkosten abdecken können. Mit dem Paket konnten wir gerade mal einen Monat überbrücken", so Herrmann. Er schildert, dass sein Unternehmen von einem Tag auf den anderen keinen Umsatz mehr gemacht habe. Sie hätten höchstens ein bis zwei Fahrten pro Tag gehabt, zu normalen Zeiten seien es vierzig bis fünfzig Fahrten gewesen. Die Coronakrise habe außerdem zusätzliche Arbeit in der Verwaltung ausgelöst, "Man meint, wir würden wegen der Coronakrise jetzt weniger arbeiten, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben seit Mitte März keine neuen Buchungen, aber immer mehr Buchungen werden bei uns storniert. Unsere jetzige Arbeit besteht daraus, Stornierungen zu verwalten. Also arbeiten wir aktuell, ohne dabei Gewinn zu machen." Verzweifelt hat Herrmann versucht, Kredite aufzunehmen und Unterstützung zu finden. Aber er habe den Eindruck gehabt, dass weder die Politik noch die jeweiligen Ämter ihm helfen hätten können. Herrmann habe sich hilflos gefühlt. "Besonders von der IHK in München hatte ich mir mehr Unterstützung erhofft. Ich hatte mir eine finanzielle Beratung gewünscht, diese Hilfe konnte mir aber nicht geboten werden." Hermann ist klar, dass die Corona-Situation schwierig für alle sei, dennoch habe er den Eindruck, dass große Unternehmen leichter Unterstützung bekämen, weil diese die richtigen Verbindungen haben, während kleinere Unternehmen wie seine auf der Strecke blieben.

© SZ vom 01.07.2020/lada

Demonstration am Flughafen
:"Wir sind es wert"

Mehrere Hundert Lufthansa-Mitarbeiter haben am Mittwoch am Münchner Flughafen demonstriert. Sie appellieren an die Aktionäre des Konzerns, dem ausgehandelten Rettungspaket zuzustimmen

Von Thilo Schröder

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite