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Planungsausschuss übt Kritik:FMG-Neubau ist der Stadt Freising zu hoch

LANGENBACH: Blick zu Terminal 1 , Franz-Josef-Strauss-Flughafen Airport MUC München

Die Stadt Freising sieht den geplanten Bau der neuen FMG-Konzernzentrale südlich der Nordallee am Münchner Flughafen nach wie vor kritisch.

(Foto: Johannes Simon)

Obwohl um einige Meter abgespeckt, ist den Stadträten die geplante Konzernzentrale "zu sichtbar" - die Flughafenbetreiber aber halten eine neue "Orientierungsmarke" für notwendig.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die Stadt Freising sieht den geplanten Bau der neuen FMG-Konzernzentrale südlich der Nordallee am Münchner Flughafen nach wie vor kritisch, in erster Linie, weil man ein - auch nur optisches - Zusammenwachsen der Stadt mit dem Flughafengelände grundsätzlich vermeiden will. Kritisiert wird seitens der Stadt vor allem ein Gebäudeteil, der zunächst als 40 Meter aufragender "Hochpunkt" der neuen Konzernzentrale geplant war - obwohl in diesem Bereich maximal 22 Meter Bauhöhe zulässig sind.

Die Flughafenbetreiber möchten bekanntlich einen Neubau ihrer Zentrale auf der sogenannten "Air Site West" errichten. Die allerdings liegt vollständig auf dem Planungsgebiet der Stadt Freising, weshalb sich Verwaltung und Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats bereits seit Monaten immer wieder mit dem Thema beschäftigen müssen. Bedenken hatte die Stadt in einer ersten Stellungnahme im Juni vergangenen Jahres auch wegen der Verkehrssituation rund um den Neubau vorgebracht. Diese sind mittlerweile ausgeräumt, wie es in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses hieß, auf den umstrittenen Hochpunkt aber wollen die Planer der Flughafengesellschaft nicht verzichten.

Zwar wurde die gewünschte Höhe nach "Visualisierungen" von verschiedenen Standorten in der Domstadt aus inzwischen auf 36 Meter reduziert, der Gebäudeteil wird etwas schlanker und leicht gedreht. Dass der Hochpunkt aber das Stadtbild von Freising beeinträchtigen könnte, wie befürchtet, diesem Argument will man bei der FMG nicht folgen. Stattdessen beharren die Flughafenbetreiber darauf, dass dieser Gebäudeteil eine "Orientierungsmarke darstelle, die sich sichtbar von der übrigen Bebauung mit weitgehend gleichmäßig strukturierten Bauhöhen abhebt und somit einen Akzent gegenüber den Konturen des Flughafens setzt". Eine vergleichbare städtebauliche Funktion komme dem Tower zu. Die mittlerweile erreichte Weitläufigkeit der Bebauung in der Airsite West mache eine derartige Orientierungsmarke "dringend erforderlich".

Ziel der architektonischen Gestaltung sei "ein identitätsstiftendes Gebäude, in welchem eine moderne Arbeitswelt zuhause sei und das eine hohe Aufenthaltsqualität biete. Die FMG wolle mit der neuen Konzernzentrale als verlässlicher und moderner Arbeitgeber in die Zukunft investieren. Bei der unlängst ausgeführten Visualisierung - von der Schule Neustift, dem Domberg und dem Weihenstephaner Berg aus - sei festgestellt worden, dass der Neubau lediglich vom Weihenstephaner Berg überhaupt zu sehen sei, er trete vor dem Hintergrund der Wartungshangars jedoch nicht als einzelnes Bauwerk in Erscheinung, argumentieren die Bauherren.

Die Stadt Freising weist in der jetzt vom Planungsausschuss beschlossenen neuerlichen Stellungnahme umgekehrt noch einmal darauf hin, dass man auch den auf 36 Meter reduzierten Hochpunkt "aufgrund seiner nicht unerheblichen Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit" nach wie vor kritisch betrachte. Die Begründung zur Notwendigkeit des Hochpunktes werde zur Kenntnis genommen, heißt es in der Stellungnahme weiter: "Die städtebauliche Entwicklung des Flughafens sollte jedoch auch zukünftig Rücksicht auf die regionalen Siedlungsstrukturen der Umgebung nehmen".

Eine Entwicklung von Hochpunkten in den Randbereichen des Flughafenareals beschneide die Attraktivität der Anliegerkommunen enorm und entspreche nicht dem ursprünglichen Gesamtkonzept des Flughafenareals. Ein Zusammenwachsen mit dem Stadtgebiet Freising sei nicht erwünscht.

Gegen diese Stellungnahme stimmten im Planungsausschuss die Stadträte der Grünen. Sie hätten sich noch einmal eine deutlichere Ablehnung des Vorhabens gewünscht, wie Umweltreferent Manfred Drobny erklärte. Bei einer Abweichung vom Planfeststellungsbeschluss bedürfe es einer Planrechtfertigung, argumentierte er: "Die sehe ich hier nicht."

© SZ vom 07.08.2020

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