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Zwischen Freising und dem Flughafen:Pläne für neues Ausbildungszentrum für die Feuerwehr

Hallbergmoos:Baugrundstück - ehemaliger Kammermüllerhof

Im Bebauungsplan soll klar formuliert werden, dass das geplante Übungslände eine Ausnahme vom sonst verbindlich festgesetzten Grünstreifen ist, der die Stadt Freising vom Gelände des Flughafens trennen soll.

(Foto: Johannes Simon)

Auf dem Kammermüllerhof unweit des Postzentrums am Flughafen könnte ein großes Feuerwehrausbildungszentrum entstehen. Das Areal gehört der FMG, erste Gespräche wurden bereits geführt.

Von Peter Becker, Freising

Die Begeisterung in der Nachbarschaft des Bauhofs des Landkreises Freising in Zolling ist nicht groß, wenn am Wochenende dort Feuerwehrleute anrücken, um die Brandbekämpfung zu üben. Dort befindet sich das Feuerwehrausbildungs- und Katastrophenschutzzentrum. Weil es dort obendrein recht eng her geht, haben sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einem Ausweichstandort begeben. Und sind fündig geworden: Es könnte auf dem Kammermüllerhof unweit des Postzentrums am Flughafen entstehen. Der Planungsausschuss des Freisinger Stadtrats stimmte dem Vorhaben zu.

Die Entscheidung war von "übergeordnetem Interesse" geleitet, wie es Werner Habermeyer formulierte. Denn einerseits will die Stadt Freising dort keine Bebauung haben, damit die Lücke zwischen Flughafen und Stadtgrenze frei bleibt. Andererseits muss es jeder Kommune daran gelegen sein, über optimal ausgebildete Feuerwehrleute zu verfügen. Insbesondere dann, wenn sie im Einsatzfall in brennende Häuser eindringen müssen, um dort nach Personen zu suchen.

Das Gelände gehört der Flughafen München GmbH

Das Feuerwehrausbildungszentrum soll aus einem Brandübungscontainer, einem zweistöckigen Verwaltungsgebäude sowie einer Übungs- und Fahrzeughalle bestehen. Das 16 000 Quadratmeter große Gelände ist im Besitz der Flughafen München GmbH (FMG). Erste Gespräche mit dieser sind geführt. Die Flughafenfeuerwehr würde das Übungszentrum natürlich benutzen wollen. Übungen würden dort nachmittags und an Wochenenden stattfinden. "Die legen dort Brände und löschen dann", beschrieb Stadtdirektor Gerhard Koch die Situation.

Das Landratsamt hält den Kammermüllerhof als Standort für ein neues Feuerwehrausbildungszentrum für ideal. Er sei aufgrund seiner zentralen Lage und der Anbindung über die Bundesstraße B 301, die Autobahn A 92 und den öffentlichen Personennahverkehr gut angebunden. Er sei für alle Feuerwehren im Landkreis gut erreichbar. Dieser Meinung ist auch Anton Frankl (FSM). "Die meisten Feuerwehrleute wohnen alle in der Nähe", sagte er, ausgenommen natürlich die im Norden des Landkreises. Die Zeit dränge, beschwor Frankl, denn die Feuerwehren hätten erhöhten Ausbildungsbedarf. "Viele Leute kommen ja nicht mehr aus dem Handwerk", bedauerte er. Den meisten müsse man erst zeigen, wie sie richtig zupacken müssten. "Wir müssen von der Pike auf anfangen, schilderte Frankl die Dringlichkeit.

"Der Flughafen darf nicht mit der Stadt Freising zusammenwachsen"

Dem Bedarf der Feuerwehr stehen die Interessen der Stadt Freising gegenüber. Denn in deren Entwicklungsplan steht als konkretes Ziel drin: "Der Flughafen darf nicht mit der Stadt Freising zusammenwachsen." Der Bau eines Katastrophenschutzzentrums stelle indes eine bauliche Entwicklung dar und widerspreche daher diesem Ziel. Die Stadt, die über den Kammermüllerhof die Planungshoheit hat, müsste den Bebauungsplan ändern. Bei einer konkreten Planung müsste dieser wieder dem Ausschuss vorgelegt werden.

Hans Hölzl (FSM) sieht die Notwendigkeit eines Übungszentrums für die Katastrophenhelfer. "Das ist wichtig", betonte er. Es gelte aber zu verhindern, dass die Lücke zwischen Flughafen und Stadt scheibchenweise zugebaut werde. Habermeyer besteht darauf, den Kammermüllerhof als Übungsgelände aus der Planung explizit herauszutrennen, um einer weiteren Bebauung nicht Tür und Tor zu öffnen. Ähnlich sieht es Manfred Drobny (Grüne) "Wir müssen Vorsorge treffen." Im Übrigen interessierte er sich dafür, ob bei den Übungen der Feuerwehr eventuell Schadstoffe frei gesetzt würden, die das Grundwasser gefährden könnten. Frankl konnte ihn dahingehend beruhigen. "Es werden keine Schadstoffe ausgebracht."

Die Verwaltung der Stadt Freising wird jetzt einen beschlussfähigen Vorentwurf einer Änderung des Bebauungsplans entwickeln. Der betreffende Bereich soll darin explizit als Sonderbereich Feuerwehrausbildungszentrum festgesetzt werden. Im Bebauungsplan soll klar formuliert werden, dass das geplante Übungslände eine Ausnahme vom sonst verbindlich festgesetzten Grünstreifen ist, der die Stadt Freising vom Gelände des Flughafens trennen soll.

© SZ/nta

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