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Kritik:Keine Feinstaubmessungen am Flughafen Freising

Im Besucherpark sind laut Bürgerverein besonders hohe Ultrafeinstaub-Konzentrationen festzustellen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bürgerverein kritisiert geplante Standorte für staatliches Ultrafeinstaub-Monitoring.

Für den Bürgerverein Freising ist es ein Skandal: Endlich gibt es Geld von der Staatsregierung für ein seit langem gefordertes Ultrafeinstaub-Monitoring, insgesamt sind es 1,4 Millionen Euro. Doch am Flughafen München soll nicht gemessen werden. Erhebungen seien dort aber dringend nötig, sagte Vereinsvorsitzender Reinhard Kendlbacher am Mittwochabend bei einem Pressegespräch. "Wir brauchen Aufklärung hier vor Ort, nicht in Regensburg oder Augsburg."

Flughäfen sind laut Bürgerverein "Hot Spots", was die Ultrafeinstaub-Belastung angeht. Die Partikel würden dort "in höchsten Konzentrationen aus den Triebwerken ungefiltert ausgestoßen". Auch in mehreren Kilometern Entfernung hat der Verein mit den eigenen Geräten noch hohe Werte festgestellt: Am Flughafen selbst sind es bis zu 1,5 Millionen Partikel pro Kubikzentimeter, im Umland, je nach Windrichtung, 18 000 bis 80 000. "Ein sehr beunruhigendes Bild", sagte Kendlbacher. Grenzwerte für Ultrafeinstaub gibt es nach wie vor keine. Der Bürgerverein sieht hier die Politik in der Verantwortung. Passiert sei nichts.

Kein kontaktiertes Ministerium erklärt sich für zuständig

Kritik übt er auch daran, dass die Messstellen am Flughafen nicht dort stünden, wo die höchsten Belastungen auftreten. Genau dies aber schreibe der Europäische Gerichtshof vor, sagte Wolfgang Herrmann. Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher habe immerhin erreicht, dass in dem sensiblen Bereich um Besucherhügel und die Kindertagesstätte "Airporthopser" eine mobile Messstation aufgestellt worden sei, lobte Kendlbacher. Deren Ergebnisse bestätigten die Zahlen des Bürgervereins - genau in diesem Gebiet, wo sich Kinder, Mitarbeiter und Besucher aufhalten, sei die Belastung besonders hoch. "Und die Leute haben davon keine Ahnung." Er bat den OB, sich dafür einzusetzen, dass die Station mindestens ein Jahr lang an dieser Stelle bleibt.

In den vergangenen Wochen hat der Verein laut Kendlbacher noch einmal mehrere Politiker angeschrieben. Doch sämtliche Ministerien in München erklärten sich für nicht zuständig, von Finanzminister Albert Füracker, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen München GmbH ist, bis zu Innenminister, Umweltminister und Gesundheitsministerin. "Frustrierend" nannte es Kendlbacher, dass Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann als Freisinger Stimmkreisabgeordneter einfach "abgetaucht" sei. "Er interessiert sich für unsere Probleme gar nicht."

"Wenn es Risiken gibt, gehört das auf den Tisch gelegt", betonte Kendlbacher. "Wir werden weiter bohren." Der Verein wartet auf einen Termin bei Umweltminister Thorsten Glauber. Eschenbacher schlug vor, Flughafen-Chef Michael Kerkloh einmal einzuladen. Auch dank der "Fridays-for-Future"-Bewegung werde die Öffentlichkeit für das Thema Umweltbelastung sensibilisiert.

© SZ vom 26.07.2019
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