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Startbahngegner in Freising:Für alles gewappnet

Stillstand am Münchner Flughafen, 2020

Aufgemuckt-Sprecher Christian Magerl prognostiziert, dass die Luftverkehrsbranche die Krise so schnell nicht überwinden werde.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Aktivisten von "Aufgemuckt" sind vorsichtig optimistisch, wachsam bleiben wollen sie trotzdem.

Von Katharina Aurich, Freising

Die Startbahngegner von "Aufgemuckt" sehen sich ihrem Ziel ein gutes Stück näher, nachdem Ministerpräsident Markus Söder erklärt hat, in seiner Amtszeit werde die 3. Bahn am Airport nicht gebaut. Söder habe endlich die Realität erkannt, dies sei ein großer Etappensieg, freute sich Aufgemuckt-Sprecher Christian Magerl bei der virtuellen Mitgliederversammlung am Donnerstag. Das nächste Ziel sei, den Planfeststellungsbeschluss, der Baurecht für die 3. Bahn schaffe und der noch bis 2025 gelte, zu ändern oder aufzuheben, forderte Magerl. Da bereits kleinere Teile des Planfeststellungsbeschlusses umgesetzt worden seien, werde er nämlich nicht einfach verjähren. "Wir brauchen Rechtssicherheit und einen Beschluss der Gesellschafterversammlung," sagte Magerl. Außerdem sollten die Flächen für den Bau der 3. Start- und Landebahn aus dem Landesentwicklungsplan gestrichen werden, lautet eine weitere Forderung des Aktionsbündnisses.

22 Mitglieder hatten sich zur Zoom-Versammlung eingefunden, einige hatten wohl Probleme, den richtigen Modus für die Teilnahme zu finden, denn streckenweise knackte es laut durch Rückkoppelungen im Lautsprecher. Auch Johannes Becher, Freisings Landtagsmitglied der Grünen, der sich später noch dem virtuellen Treffen zugeschaltet hatte, betonte, dass die Aufhebung oder Änderung des Planfeststellungsbeschlusses die richtige Richtung sei. Dafür sei eine politische Debatte nötig, "dies nur anzukündigen, das reicht nicht." Wenn sie es ernst meinen würden, dann würden sie die Pläne beerdigen, sagte er an die Adresse der Staatsregierung. Das gehe aber nur, wenn das Baurecht aufgehoben werde. Das sagte auch Christine Markgraf. Der Planfeststellungsbeschluss müsse komplett aufgehoben werden, sonst schwebe er wie ein Damoklesschwert über der Stadt. Denn es könnte sein, dass man versuche, den Beschluss zu verlängern.

Dafür müsse man juristisch gewappnet sein und sich in der Argumentation eventuell auch auf die Finanzierung konzentrieren, schlug Manfred Drobny vor. Aber auch der Klimaschutz sei ein gewichtiges Argument, die Bahn zu verhindern, betonte Alfred Schreiber. Auf jeden Fall müsse man wachsam sein, ob in der Gesellschafterversammlung etwa ein Antrag auf Verlängerung des Planfeststellungsbeschlusses gestellt werde, wenn er nicht vorher aufgehoben werde, waren sich alle einig. Um die Forderungen des Aktionsbündnisses, dass die 3. Bahn nicht gebraucht werde, nochmals zu untermauern, erläuterte Magerl in seiner Präsentation die Zahlen zur Entwicklung der Flugbewegungen. Zwischen Januar und August hätten sie um 61 Prozent abgenommen, sogar das Luftfrachtaufkommen habe sich halbiert. Dies sei ein "gigantischer Rückgang", die Branche komme europa- und weltweit nicht aus den Einbrüchen heraus, so Magerl. Die Airlines würden Teile ihrer Flotten dauerhaft stilllegen und der Flughafen werde zum Jahresende tiefrote Zahlen schreiben, prognostizierte Magerl. Diese Tendenz werde sich noch verstärken, wenn Kerosin nicht mehr durch Steuerbefreiung subventioniert würde, wies Magerl auf eine Forderung von Bündnis 90/Grüne hin.

Die nächste Mitgliederversammlung von "Aufgemuckt" soll, wenn möglich, wieder eine Präsenzveranstaltung werden, dann kämen sicher mehr Teilnehmer, sagte Stefan Nocon vom Sprecherrat. Es müsse jedoch abgeklärt werden, wie die Hygienevorschriften eingehalten werden könnten.

© SZ/nta

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