FestivalDas Uferlos gehört zu Freising

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Bereits am ersten Festival-Wochenende strömten jede Menge Besucher auf das Festgelände in der Luitpoldanlage.
Bereits am ersten Festival-Wochenende strömten jede Menge Besucher auf das Festgelände in der Luitpoldanlage. Marco Einfeldt
  • Das Uferlos-Festival in Freising feiert nach einer Pause 2025 sein Comeback mit Tausenden Besuchern in der Luitpoldanlage.
  • Die neuen Veranstalter Lemarr Baqai und Joseph Berger übernahmen das Festival nach 17 Jahren von Vipo Maat, nachdem die Stadt Zuschüsse zusagte.
  • Besucher und Standbetreiber zeigen sich erfreut über die Rückkehr des Festivals, das bis Sonntag, 17. Mai dauert.
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Voriges Jahr musste das Festival pausieren, nun feiern Tausende Besucher in der Luitpoldanlage das Comeback. Zwischen Nostalgie und Neuanfang wird klar: Vielen hat es gefehlt.

Von Lena Meyer

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Manche Dinge weiß man erst so richtig zu schätzen, wenn man sie verloren hat. Oder fast zumindest. Für die Freisingerinnen und Freisinger ist es noch einmal glimpflich ausgegangen – sie mussten in diesem Jahr nicht erneut auf das Uferlos verzichten. Und so strömten zum Auftakt des Festes, das am vergangenen Freitag begann und noch bis Sonntag dauert, viele Menschen zur Luitpoldanlage. Um zu essen, zu trinken und einfach den lauen Abend zu genießen.

Viel besser hätte das Comeback kaum beginnen können: blauer Himmel, warme Sonne, kaum eine Wolke am Samstagnachmittag. Ein gutes Omen für das doch sehr wetterabhängige Festival. „Es ist gut besucht“, stellte eine Ordnerin am Eingang fest. Gut besucht wirkte fast schon untertrieben. Aus allen Richtungen strömten die Menschen in die Luitpoldanlage. Es habe zeitweise an eine „kleine Völkerwanderung“ erinnert, scherzen Anwohner, die das Treiben von ihren Gärten aus beobachteten. Schnell ist klar geworden: Die Freisinger nehmen das Uferlos gut an.

Güney staunt. „In Deutschland sieht man für gewöhnlich nicht so viele Menschen zusammenkommen.“ Er bekomme ein Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft. Ursprünglich kommt Güney aus der Türkei, nun lebt er in Freising und schlendert mit seiner Begleitung über das Gelände. „Die Stadt ist am Leben“, sagt er.

Zumindest wirkt es, als sei sie mit der Eröffnung des Uferlos aus einer Art Winterschlaf erwacht. Freising ohne Uferlos, das fühlte sich im vergangenen Frühjahr ein bisschen falsch an. Die Luitpold-Anlage war grün wie immer, die Isar floss – auch wie immer. Aber die Bierbänke fehlten, die Musik, das Stimmengewirr. Jetzt findet das „Kleine Tollwood“ mitten in Freising wieder statt. Und schnell wird klar: Vielen hat es gefehlt.

Auch für Kinder ist auf dem Festival jede Menge geboten, etwa die Perlsacktiere von Falk Prüfer.
Auch für Kinder ist auf dem Festival jede Menge geboten, etwa die Perlsacktiere von Falk Prüfer. Marco Einfeldt
Foodtrucks wie der „Barbarenspieß“ von Alina Steinmeier, der  Tochter vom Standbetreiber Karl Steinmeier – hier mit ihrer Angestellten Steffi Baumann (links) – gehören ebenso dazu.
Foodtrucks wie der „Barbarenspieß“ von Alina Steinmeier, der  Tochter vom Standbetreiber Karl Steinmeier – hier mit ihrer Angestellten Steffi Baumann (links) – gehören ebenso dazu. Marco Einfeldt

Man trifft Leute, kommt zusammen, der Eintritt ist kostenlos und die Stimmung gut, sagt Besucherin Sieglinde Keilhacker. Sie komme jedes Jahr auf das Uferlos. Nun ja, fast jedes Jahr, denn da gab es ja die Unterbrechungen: die Pandemie und das Jahr 2025 – jenes Jahr, an das sich Uferlos-Freunde nicht gerne erinnern. 2026 ist Keilhacker wieder dabei. „Es ist immer schön“, bilanziert sie. Wie groß ihre Freude war, dass das Festival zurück ist? „Bestimmt neun oder zehn.“

Dann wird sie ernster. Wenn es nach ihr ginge, könne man ruhig Eintritt verlangen oder aber die Preise erhöhen. „Es wäre schade, wenn es aus finanziellen Gründen nicht mehr stattfindet“, sagt sie. Das Festival gehört eben zur Stadt dazu – solche Sätze fallen an diesem Nachmittag öfter. Und: Gerade in Zeiten von Unsicherheiten sei es wichtig, einen Lichtblick zu haben. In Freising ist er bunt.

So bunt wie die Tücher, die die Besucher neugierig mustern oder die Tassen, die sie prüfend in den Händen halten. So bunt wie die Perlsacktiere – jene wunderlichen Stofftierkreuzungen, die Falk Prüfer an seinem Stand verkauft. Seit etwa 25 Jahren ist er damit unterwegs, in seiner Auslage tummeln sich Echsen in Schlafanzügen oder kleine gestreifte Tierchen, die schlechte Laune auffressen. Auf dem Uferlos ist sein Stand schon fast Kult.

Ohne Livemusik nicht denkbar: Ralf Richards & Band im Kaffeehauszelt.
Ohne Livemusik nicht denkbar: Ralf Richards & Band im Kaffeehauszelt. Marco Einfeldt
Das kleine Tollwood: Keramik an einem Stand mit tunesischem Kunsthandwerk.
Das kleine Tollwood: Keramik an einem Stand mit tunesischem Kunsthandwerk. Marco Einfeldt

Die Tiere verkaufen sich gut, sagt Prüfer. Ob die Pause vom vergangenen Jahr ein Loch in sein Geschäft geschlagen habe? Prüfer wiegt den Kopf, Strähnen seines weißen Haars tanzen mit. Noch sei das schwer abzusehen. Ebenso wenig könne er die Auswirkungen aktueller Krisen abschätzen. Gerade die Kunststoffkügelchen, mit denen die Tiere gefüllt werden, seien inzwischen schwieriger zu beschaffen. Trotzdem zeigt sich Prüfer zufrieden. Vor allem damit, wieder hier zu sein. „Es ist schön“, sagt er, „dass die Freisinger auch sehen, dass das Uferlos nicht selbstverständlich ist.“

Vieles ist geblieben: das Weißbierkarussell, die vertrauten Stände. Gleichzeitig setzen die Veranstalter auf Neues, wie etwa eine Bühne, auf der ein DJ auflegt. Dass das Uferlos trotz Veränderungen noch immer wie „das alte“ wirkt, hat wohl auch mit seinem langjährigen Veranstalter zu tun. 17 Jahre lang prägte Vipo Maat das Festival. Ein Banner am Rand des Geländes erinnert daran: „Danke für 17 Jahre Uferlos-Geschichte, Vipo Maat.“ Unterzeichnet ist der Spruch mit einem Herz. Nun haben Lemarr Baqai und Joseph Berger das Zepter übernommen. Ohne ihre Entschlossenheit hätte es wohl in diesem Jahr kein Uferlos gegeben. Bis Anfang Dezember war offen, ob es schon 2026 eine Neuauflage geben wird. Die Wende brachte eine Zuschusszusage der Stadt. Über ein Crowdfunding sind zudem bisher knapp 30 000 Euro eingegangen.

Gleich zum Auftakt am vergangenen Wochenende war das Festgelände auf der Luitpoldanlage bestens besucht.
Gleich zum Auftakt am vergangenen Wochenende war das Festgelände auf der Luitpoldanlage bestens besucht. Marco Einfeldt

Wer über das Gelände läuft, taucht schnell in ein Gemisch unterschiedlichster Gerüche ein: Süßes, Gegrilltes, dazu das Brutzeln der Pfannen und das Klirren von Flaschen und Geschirr. Es herrsche „Biergarten Stimmung“, sagt Karl Steinmeier vom Barbarenspieß. Bei dem Namen nicken erfahrene Uferlos-Gänger wissend – auch der Stand ist ein Urgestein im Uferlos-Kosmos. „Corona und das vergangene Jahr haben ein Loch hinterlassen“, sagt Steinmeier. Für ihn ist das Festival wichtig: Neue Mitarbeiter schicke er oft zuerst aufs Uferlos zum Probearbeiten. Mit dem Auftakt in diesem Jahr zeigt er sich zufrieden, das Geschäft laufe an dem Wochenende gut, die Besucher seien konsumfreudig.

So wie eine Gruppe junger Studierender. Sie seien hergekommen, um zu essen und zu trinken. Über Krisen möchte niemand sprechen, nicht „dieses Fass aufmachen“. Mit Reggae-Beats über dem Gelände bleiben viele Besucher länger sitzen oder stoßen unter den blau-weißen Schirmen an. Freising fühlt sich leicht und lebendig an. Und vielleicht ist es genau der Grund, warum so viele das Uferlos vermisst haben.

Das Uferlos-Festival in der Luitpoldanlage dauert bis Sonntag, 17. Mai. Mittwoch und Freitag öffnet das Gelände um 16 Uhr, am Donnerstag (Feiertag), Samstag und Sonntag um 12 Uhr.

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