Freising feiert den Startbahn-Bürgerentscheid Danke München

Freising präsentiert sich in bester Feierlaune und spendet auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude Beifall. Den ganzen Tag über sorgen Musikkapellen für Unterhaltung, Bürgerinitiativen backen 54 Meter Kuchen.

Von Janina Schreiberund Peter Becker

Eigentlich könnte alles so schön sein: Die Münchner haben vor gut einem Monat in einem Bürgerentscheid gegen eine dritte Startbahn am Flughafen im Erdinger Moos gestimmt. Dafür wurden sie von der Stadt Freising zu einem Dankeschön-Fest eingeladen, das am Sonntag im Anschluss an das Altstadtfest stattgefunden hat. Auf Nachfrage von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte), wie viele Münchner denn eigentlich der Einladung gefolgt seien, hob dann auch eine erkleckliche Anzahl von Menschen auf dem Marienplatz die Hände. Doch die Ankündigung Eschenbachers, dass die Regierung den Bau der dritten Startbahn im neuen Landesentwicklungsplan nicht nur weiterhin Vorrang einräumt, sondern ihn sogar als Ziel festschreibt, dämpfte ein wenig die Freude.

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) war ebenfalls der Einladung gefolgt. Seit seinem Auftritt beim SZ-Forum zur dritten Startbahn, bei dem er sich noch als eifriger Verfechter des Flughafen-Ausbaus präsentierte, war er zur Reizfigur in Freising geworden. Nach seiner Ankündigung, er werde sich ohne Wenn und Aber an das Votum des Münchner Bürgerentscheids halten, war ihm aber der Applaus der auf dem Marienplatz versammelten Freisinger und Münchner sicher. Ude lobte die Startbahngegner für die "politische Kultur", mit der sie gekämpft hatten: "Sie waren nie militant oder aggressiv." Dies, so erklärte Ude, sei ein Grund, warum der Widerstand letztlich erfolgreich gewesen sei. Der andere sei das Engagement der Bürger gewesen, gegen das letztlich auch der Werbeetat der Startbahn-Befürworter nichts habe ausrichten können.

Knapp zwei Stunden vorher sah der Marienplatz noch sehr verschlafen aus. Die Überreste des Altstadtfestes vom Vorabend wurden beseitigt und Freising schien allmählich zu erwachen. Auf einer der zahlreichen Führungen im Programm begab sich Stadtrat Florian Notter mit den Besuchern auf Münchner Spuren in Freising. Daneben konnte die Altstadt entdeckt, der Domberg besichtigt und ein Spaziergang auf den Weihenstephaner Berg unternommen werden.

Pünktlich zur Mittagszeit war der Biergarten auf dem Marienplatz bei strahlendem Sonnenschein schon wieder gut gefüllt und schien aus allen Nähten zu platzen. Zwar gebe es leider kein Freibier, doch die Preise für eine Maß seien genauso günstig wie seinerzeit bei der Flughafeneröffnung, scherzte Eschenbacher. Für die Verköstigung war gut gesorgt. Der Ansturm auf die Weißwürste sei nach Angaben der Verkäufer allerdings so groß gewesen, das die schon vor dem Mittagessen weg waren. Die Bürgerinitiativen lieferten dafür aber reichlich Kuchen - um genau zu sein 54 Meter. Die erreichten Prozentzahlen bei dem Bürgerentscheid vom 17. Juni seien der Grund dafür gewesen, so der Oberbürgermeister. Damals hatten 54 Prozent der Münchner gegen den Bau einer dritten Startbahn im Erdinger Moos gestimmt.

Wegen der wiederholten Regenschauer drängten dann aber viele Gäste zum Aufbruch, selbst jene, die mit roten Luftballons ausgestattet waren, mit der Aufschrift "Danke München". Doch vor allem junge Familien, die sich auf die unbeständige Wetterlage eingestellt hatten und bestens ausgerüstet waren, trotzten dem Regen. Bis in den späten Abend hinein spielten zu ihrer Unterhaltung dann auch noch die Stadtkapelle, die Vincent Eberle Bigband, Heat und Santana Project.