Beschluss im Freisinger KreisausschussLandkreis will Fairtrade-Kommune werden

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Der Landkreis will sich als Fairtrade-Kommune zertifizieren lassen, auch wenn das kaum mehr als ein Signal sein kann.

Von Alexandra Vettori, Freising

Der Landkreis Freising will Fairtrade-Landkreis werden und reiht sich damit unter die vielen Kommunen ein, die sich an der 2009 in Deutschland gestarteten Kampagne beteiligen. Ziel ist es, ein Bewusstsein für gerechten Welthandel zu wecken. Der Kreisausschuss hat bei seiner Sitzung vergangene Woche einem entsprechenden Grünen-Antrag einmütig zugestimmt, auch wenn die Diskussion zeigte, dass das nicht mehr als ein Signal ist.

"Davon, dass wir hier fair gehandelten Orangensaft trinken, wird die Welt nicht besser", räumte Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) unumwunden ein. Seine Fraktion habe durchaus diskutiert, ob es nicht besser wäre, regionale und ökologische Produkte zu bewerben. Dennoch betonte auch Petz, für die Fairtrade-Kampagne zu sein: "Ich sage, das ist nicht entweder - oder, sondern auch." Was Bio-Essen in Landkreis-Einrichtungen anbelange, sei man etwa im Klinikum noch nicht so weit, von einer weiterführenden Schule, dem Neufahrner Gymnasium, gebe es aber bereits eine Willenserklärung.

Grünen-Kreisrat Michael Stanglmaier betonte, dass durch die Initiative das Thema Welthandel wesentlich präsenter geworden und auch der Markt für fair gehandelte Waren gewachsen sei. Mit Freising und Moosburg gebe es bereits zwei faire Kommunen im Landkreis, dazu sechs zertifizierte Schulen. Aus Moosburg wisse er, "dass es tatsächlich mehr Geschäfte geworden sind, die faire Waren anbieten. Fairer Handel ist ein wichtiges Thema, wir leben ja von der Ausbeutung des Südens", so Stanglmaier. Für die Zertifizierung durch "Transfair Deutschland" müssen einige Kriterien vorliegen. So ist in den politischen Entscheidungsgremien fair gehandelter Kaffee und ein weiteres solches Produkt anzubieten.

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Das einstimmige Votum ist ein eindeutiges Signal

Außerdem braucht es eine lokale Steuerungsgruppe, in der mindestens drei Vertreter aus Schulen, Vereinen, Gastronomie oder Einzelhandel sitzen. Hier sah Landrat Petz bereits ein kleines Problem: "Ich habe schon informell herum gefragt, so richtig fündig geworden bin ich aber noch nicht." Grünen-Kreisrätin Eva Bönig riet, sich Rat bei der Freisinger Agenda-Arbeitsgruppe zu holen, "sie ist eine der aktivsten in Freising, da ist viel Knowhow".

Weiter muss es in 28 Geschäften, Blumenläden oder Supermärkten des Landkreises mindestens zwei Produkte aus fairem Handel geben, desgleichen in 14 Gastronomiebetrieben. Erste Recherchen des Landratsamtes im Einkaufskompass des Fairen Forums Freising haben ergeben, dass diese Hürde kein Problem sein dürfte.

Ein Kriterium, den Beschluss des politischen Entscheidungsgremiums, hat der Landkreis mit dem Kreisausschuss-Votum schon erfüllt. Dass es sogar einstimmig ausfiel, ist ein umso deutlicheres Signal. Daran änderte auch nichts, dass Rainer Schneider von den Freien Wählern monierte, ihn störe, "dass bei verarbeiteten Produkten schon geringe Bestandteile ausreichen, um den Titel Fairtrade zu bekommen".

© SZ vom 26.04.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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