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Fahrschule in Freising:Kurz vor knapp gerettet

Mit viel Aufwand hat Dirk Dlugosch sich zwei Autos für seine Fahrschule besorgt. Bis Donnerstag durfte er sie nicht nutzen, weil die Zulassung fehlt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Durch Verzögerungen bei einem Zulassungsdienst stand die Fahrschule von Dirk Dlugosch kurz vor dem Aus. Jetzt hat er doch noch die Zulassung für zwei neue Fahrschulautos bekommen.

Von Laura Dahmer und Thilo Schröder, Freising

Fast hätte Dirk Dlugosch vergangenen Donnerstag vor dem Aus gestanden: Er wäre Inhaber einer Fahrschule ohne zugelassene Autos gewesen. Dann nämlich endete der Leasingvertrag seines bis dahin letzten verbliebenen Fahrzeugs. Kurz vor knapp kann er jetzt aufatmen: Am selben Donnerstag wurden zwei Autos zugelassen, deren Papiere er bereits eine Woche zuvor bei einem Zulassungsdienst abgegeben hatte. Dieser Zulassungsdienst hätte ihn um ein Haar die Existenz gekostet. Und ist nur der Gipfel des Eisbergs.

Um Dlugoschs Situation zu verstehen, muss man zunächst einige Monate zurückblicken. Im Dezember vergangenen Jahres bestellte der 55-Jährige zwei neue Fahrschulautos, die im Mai dieses Jahres geliefert werden sollten. Ein gewöhnlicher Vorgang, denn Fahrschulen mieten Fahrzeuge in der Regel für einige Zeit, um sie dann gegen neue auszutauschen.

Die gekauften Fahrzeuge hatte Dlugosch extra zu Fahrschulautos umbauen lassen

Als dann Corona kam und sich die Lieferung bis voraussichtlich mindestens August zu verzögern drohte, beschloss Dlugosch, den Vertrag zu stornieren. Auch wenn ihn das eine Strafe kostete. "Corona erlaubt den Herstellern, die Lieferung vier Monate zu überziehen, uns aber nicht, zu kündigen", kritisiert Dlugosch. Er habe dann vier Monate lang nach einem Ersatz gesucht und schließlich bei einem Händler in Straßlach bei München zwei normale Autos gekauft. Die muss er bei mehreren Firmen zu Fahrschulautos umrüsten lassen. Ein aufwendiges Unterfangen: Am Mittwoch habe er die Fahrzeuge abgeholt und sie für den Einbau von Überwachungskameras nach Langenbach gebracht, sagt Dlugosch. Am Montag geht es weiter nach Augsburg, wo die doppelten Pedale für den Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz eingebaut werden. Für die Transporte engagiere er jedes Mal für gut 1000 Euro pro Auto den Abschleppdienst des ADAC. Denn selbst fahren durften die Autos bis Donnerstag nicht, weil ihnen noch die Zulassung fehlte.

Zunächst dachte Dlugosch, die Zulassungsstelle des Landratsamt wäre schuld an der Verzögerung. Dann stellte sich heraus: Seine Anträge waren nie dort angekommen. Erst am Donnerstag trafen sie ein, und wurden noch am selben Tag bearbeitet.

Schuld an der Verzögerung war wohl stattdessen der Zulassungsdienst, den Dirk Dlugosch über das Autohaus, bei dem er die Autos gekauft hatte, beauftragt hatte. "Während der Corona-Krise muss man aktuell über einen solchen Zulassungsdienst gehen, weil man sonst wochenlang auf einen Termin bei der Zulassungsstelle wartet", erklärt der Fahrschulinhaber. Die Zulassungsdienste dagegen sammeln die Anträge und können sie schneller beim Landratsamt abgeben. Bei einem solchen Zulassungsdienst sind Dlugoschs Unterlagen allerdings hängen geblieben. "Sie lagen dort seit dem 9. Juli vor", sagt er.

Die Verzögerung der Zulassungen war für Dlugosch nur die Spitze des Eisbergs seit Beginn der Corona-Krise

Bei der Freisinger Zulassungsstelle kamen sie erst eine Woche später an - und zwar nicht von dem Zulassungsdienst, den das Autohaus beauftragt hatte. "Beide Autos wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten von zwei unterschiedlichen Zulassungsdiensten zur Zulassung beantragt", sagt Robert Stangl, Sprecher des Landratsamts. Dass die Zulassungsdienste die Unterlagen untereinander weitergeben, sei zulässig, weil ihnen Vollmachten vorliegen, heißt es aus der Zulassungsstelle. Merkwürdig sei die ganze Sache trotzdem.

Dirk Dlugosch jedenfalls hätte die Warterei beinahe seine Existenz gekostet. Nach acht Wochen Corona-Fahrpause und mit seit Mitte Juni nur einem verbliebenen Fahrschulauto seien zuletzt nur noch er und ein Angestellter abwechselnd im Schichtdienst gefahren. Drei weitere Fahrlehrer sowie eine der beiden Bürokräfte habe er da bereits freistellen müssen, sagt Dlugosch. Bezahlt habe er sie weiterhin, trotz eines Verlusts von rund 1500 Euro pro Tag. Nun hat er wieder zwei zugelassene Autos. Trotzdem will er die Sache nicht auf sich sitzen lassen: "Durch die schlampige Arbeit der Zulassungsdienste ist mir ein ordentlicher wirtschaftlicher Schaden entstanden."

Anmerkung der Redaktion: Im ursprünglichen Artikel vom 16. Juli 2020 wurde suggeriert, dass der Grund der Verzögerung bei der Zulassungsstelle des Landratsamts lag. Dem war nicht so, der Artikel wurde entsprechend aktualisiert. Mittlerweile hat Dirk Dlugosch die Zulassungen außerdem erhalten.

© SZ vom 16.07.2020/lada

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