Das Adjektiv „historisch“ wird eigentlich überstrapaziert, aber diesmal hat es schon eine gewisse Berechtigung. Denn bei der nächsten Europawahl am 9. Juni dürfen erstmals auch deutsche Bürgerinnen und Bürger bereits mit 16 Jahren ihr Wahlrecht ausüben. Ein Recht, das bei dieser Wahl nur Jugendliche aus Deutschland, Österreich, Belgien und Malta in Anspruch nehmen können und das der Freisinger Kreisjugendring (KJR) sehr zu schätzen weiß.
„In der Jugendarbeit sehen wir, dass junge Menschen die Gesellschaft mitgestalten wollen, sie sich für Politik interessieren und sich für ihre Zukunft aktiv einsetzen“, sagt Martha Suda, Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin für Demokratieförderung und (jugend-)politische Bildung beim Freisinger KJR. Der KJR ist davon überzeugt, dass dieses Mitgestaltungsrecht jungen Menschen auch bei Landtags- und Kommunalwahlen zusteht.
Der Kreisjugendring Freising ist der Zusammenschluss der Jugendverbände im Landkreis und eine Gliederung des Bayerischen Jugendrings. Zusammen mit der SZ Freising organisiert er im Vorfeld der Europawahl – wie schon vor den vergangenen Kommunal- und Landtagswahlen – eine Diskussionsveranstaltung, bei der Jugendliche ein bevorzugtes Frage- und Rederecht bekommen. Los geht es am 29. Mai, um 18.30 Uhr im Freisinger Lindenkeller. Erwartet werden die Listenkandidatinnen und Listenkandidaten Ludwig Degmayr (Freie Wähler), Phil Hackemann (FDP), Tina Pickert (CSU), David Rausch (SPD) und Andie Wörle (Grüne). Eingeladen wurden laut KJR alle Parteien, die an einem Stichtag im April in den Umfragen mindestens 3,5 Prozent erreichten, von der AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht habe es keine positive Rückmeldung gegeben.




Es wird viel um Europa und die Jugend gehen am Mittwochabend. Denn die EU trifft viele Entscheidungen, die die Lebenswirklichkeit junger Menschen beeinflussen. Insbesondere Themen wie Bildungspolitik, Reisefreiheit, Klimaschutz und Digitalisierung seien für Jugendlichen besonders relevant, da sie die Gegenwart und die Zukunft betreffen, so KJR-Mitarbeiterin Suda.
Ein weiteres wichtiges Thema: die Partizipation. Um das Vertrauen junger Menschen in die EU aufzubauen und zu stärken, sollte die EU das Gefühl fördern, dass junge Menschen Teil des europäischen Projekts sind. „In allen Phasen der Entscheidungsfindung sollte eine wirkungsvolle Beteiligung und ein Dialog mit der Jugend sichergestellt werden“, so der KJR. Ein Zeichen dafür wäre beispielsweise die Erhöhung des Budgets für europäische Jugendprogramme. Auch die Bildung über Europa und die EU sollte sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich gestärkt werden, schlägt der KJR vor. Der Dachverband der Jugendorganisationen ist der Auffassung, dass die politische Dimension von Bildung und damit das Erlernen von politischer Teilhabe „von herausragender Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit Europas“ sei.
Anmerkung der Redaktion: Von Ludwig Degmayr (Freie Wähler) hat die SZ keine Bilder zum Interview ohne Worte erhalten.

