Energiekrise:"Lasst den Menschen die Weihnachtsbeleuchtung, wenn an anderer Stelle gespart wird"

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Energiekrise: Christmas Hill bei Anni und Peter Huber in Ottenhofen

Christmas Hill bei Anni und Peter Huber in Ottenhofen

(Foto: Renate Schmidt)

Die Frage, ob auch in diesem Jahr in der Adventszeit alles in stimmungsvolles Licht getaucht wird, beschäftigt momentan viele Kommunen und Privatpersonen. Der Energiebeauftragte des Landkreises Freising, Moritz Strey, will Bürgerinnen und Bürgern keine Vorschriften machen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Energiekrise trifft uns alle, verschiedene Einsparmaßnahmen wurden von den Kommunen bereits beschlossen. Die Deutsche Umwelthilfe forderte, in diesem Jahr auch auf die Weihnachtsbeleuchtung und auf illuminierte Innenstädte zu verzichten. Ist das sinnvoll und notwendig - oder sollte den Menschen gerade in Krisenzeiten dieser Rest einer heilen Welt erhalten bleiben? Die SZ hat sich in der Region umgehört, wie es hier gehandhabt wird.

Stadt Freising

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es auch in diesem Jahr die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt geben, sagt Freisings Hauptamtsleiter Rupert Widmann. Endgültig beschlossen sei das aber noch nicht, auch zum Umfang und der zeitlichen Dauer - also wann genau die Beleuchtung angeschaltet werde - könne er noch keine Auskunft geben. "Das wird auf politischer Ebene entschieden." Am 10. Oktober wird die Weihnachtsbeleuchtung Thema im Finanz- und Verwaltungsausschuss sein, dieser werde dann einen Beschluss fassen.

Energiekrise: Die neuen Sterne der Freisinger Weihnachtsbeleuchtung werden bereits im LED betrieben.

Die neuen Sterne der Freisinger Weihnachtsbeleuchtung werden bereits im LED betrieben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ein Teil der Beleuchtung - die neuen Sternschnuppen - werden bereits mit LED betrieben, die älteren Lichterketten, die an den Zugängen zu den Parkhäusern hängen, aber noch nicht. Die Sternschnuppen leuchteten im vergangenen Winter an etwa 45 Tage für fünfeinhalb Stunden - der Gesamtverbrauch an Strom dafür lag bei 700 Kilowattstunden, berichtet Widmann.

Aktive City Freising

"Wir wünschen uns die Weihnachtsbeleuchtung", sagt Manuela Paparizos, Vorsitzende des Vereins Aktive City Freising. Diese locke Besucher in die Innenstadt, unterstütze also den dortigen Einzelhandel. Die Weihnachtsbeleuchtung sei aber nicht nur deshalb wichtig, sie sei - gerade in Krisenzeiten - unverzichtbar, sagt Paparizos. "Trotz der notwendigen Energiesparmaßnahmen können wir nicht alles zurückfahren. Wir müssen die Balance halten und in schwierigen Zeiten nach vorne blicken." Eine stimmungsvoll beleuchtete Innenstadt schenke Zuversicht. Die Weihnachtsbeleuchtung sei wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sie schaffe eine Atmosphäre, die Hoffnung und Solidarität erzeuge. "Die Beleuchtung hat eine große Bedeutung - für die Innenstadt, für die Akteure und für die Besucher." Das Thema Nachhaltigkeit und Einsparung habe man dabei natürlich im Blick, die Beleuchtung wurde bereits zum großen Teil auf LED umgestellt.

Der Energiebeauftragte

"Lasst den Menschen ihre Weihnachtsbeleuchtung - wenn an anderer Stelle eingespart wird", sagt Moritz Strey, Energiebeauftragter im Landkreis Freising. Dann sei auch die Weihnachtsbeleuchtung moralisch vertretbar. Die Diskussion über diese sorge zwar für viel Aufmerksamkeit, sei aber nicht ganz sachlich, sagt Strey.

"Ich mache als Energiebeauftragter keinem Bürger Vorschriften. Aber unser Ziel diesen Winter ist primär nicht, Energie zu sparen." Das werde bereits seit Jahren im Rahmen der Energiewende versucht - und werde auch zukünftig geschehen. Dieses Jahr aber gehe es vor allem darum, Erdgas einzusparen. Die Beleuchtung mache bei Haushalten etwa zehn Prozent des Stromverbrauches aus. Strom werde in Deutschland aber nur zu etwa 12,5 Prozent aus Gas gewonnen. Der Einspareffekt also sei verhältnismäßig gering. "50 Prozent aller Heizungen dagegen werden mit Erdgas betrieben und jedes Grad geringere Raumtemperatur reduziert den Verbrauch um etwa fünf Prozent", erklärt Strey. Liebhaber einer Weihnachtsbeleuchtung mit Gasheizung könnten bei 19 Grad Celsius - und einem heißen Tee - die bunte Pracht genießen. Die niedrigere Zimmertemperatur spare mehr Gas ein, als wenn auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichtet würde.

Weihnachtshaus Moosburg, Familie Förster

In diesem Jahr wird die Weihnachtsbeleuchtung ausfallen, sagt Manuel Förster. Nur ein oder zwei Bäume im Garten werden beleuchtet. Das sei natürlich der Energiekrise, der Energieknappheit und den steigenden Preisen geschuldet. Wobei der Preis eigentlich die geringere Rolle spielt, den alles bei den Försters laufe zu 100 Prozent über LED. "Wir brauchen ja fast nichts an Strom", sagt Manuel Förster.

Als Kind schon sei er von den in der Weihnachtszeit beleuchteten Häusern begeistert gewesen, prägend war für ihn der jährliche Spaziergang mit seinem Vater am Heiligen Abend zu dem damals einzigen weihnachtlich beleuchteten Haus in Moosburg, erzählt der 26-Jährige. Er hatte sich schon als Kind gewünscht, auch einmal so ein Haus zu haben. Vor zehn Jahren ging es dann los, damals illuminierte und dekorierte er das Haus der Familie das erste Mal weihnachtlich - und seitdem jedes Jahr. Nicht nur mit Lichterketten, auch Weihnachtsfiguren erstrahlen im Lichterglanz, Lichterketten Lichterschläuche und Licht-Vorhänge zaubern eine weihnachtliche Atmosphäre. 2020 waren es insgesamt 19.000 einzelnen LED-Lämpchen, die das Haus und den Garten illuminierten. Etwa einen Monat dauert die Vorbereitung jedes Jahr dafür. "Weihnachten ohne Beleuchtung, das geht eigentlich gar nicht", sagt Förster. Dieses Jahr wird es aber so sein.

Die Stadt Erding bleibt hell

Die Stadt Erding hat schnell auf das neue Energiesicherungs-Paket der Bundesregierung reagiert und bereits im August Einsparmaßnahmen beschlossen, sagt Pressesprecher Christian Wanninger. So wurde die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden - Rathaus, Museum, Stadtbücherei, Stadthalle und Jugendzentrum - auf 19 Grad Celsius reduziert, daneben wird es kein Warmwasser mehr in Sporthallen geben - geduscht werden muss also mit kaltem Wasser. Auch werden öffentliche Gebäude, unter anderem das Rathaus, Museum, Kirchtürme, der Leuchtturm im Stadtpark, Schaukästen und Infotafeln, nicht mehr illuminiert und die Lichtstärke der Straßenbeleuchtung wurde auf 70 Prozent reduziert - zumindest dort, wo es technisch möglich ist und die Sicherheit nicht beeinträchtigt wird.

An der Weihnachtsbeleuchtung aber wird festgehalten, sie sei bereits komplett auf LED umgerüstet worden. "Wir dürfen nicht alles an kulturellem Leben kürzen", sagte Bürgermeister Max Gotz zu diesem Beschluss. Gerade in der Krise müsse man das Miteinander fördern.

Interessengemeinschaft Ardeo Erding

"Wir wissen ja nicht, was wäre, wenn es die Beleuchtung nicht geben würde", sagt Wolfgang Kraus, Vorsitzender von Ardeo, der Interessengemeinschaft Erdinger Einzelhändler. Die Frage, ob dann tatsächlich weniger Menschen in die Innenstadt kämen, sei nur schwer zu beantworten. Im vergangenen Jahr, als er keine Christbaumkugeln oder andere Weihnachtsdeko in seinem Modehaus anbrachte, habe er zumindest keinen Umsatzeinbruch bemerkt. Generell aber trage eine festliche Beleuchtung der schmucken Innenstadt sicherlich zum Erscheinungsbild bei, "das erzeugt eine andere Stimmung und fördert vielleicht ja auch die Kauflaune." Fehlen würde die Beleuchtung sicher, sagt Kraus.

Denkbar wäre für ihn ein Kompromiss. Man könnte den großen Weihnachtsbaum wie jedes Jahr auf dem Marktplatz aufstellen, in den Nebengassen dagegen aber auf die Lichterketten verzichten. "Aber wahrscheinlich verbrauchen die gar nicht besonders viel Strom", sagt er. Da gebe es wahrscheinlich ganz andere, große Einsparpotenziale. "Die Weihnachtsbeleuchtung ist zwar ein emotional diskutiertes Thema, hat auf das Energiesparen aber letztendlich wahrscheinlich nur einen kleinen Impact."

Christmas Hill in Ottenhofen, Familie Huber

Bei der Familie Huber laufen schon die Vorbereitungen, an diesem Donnerstag hat das Ehepaar kleine Holzhäuschen im Garten aufgebaut. Den Christmas Hill in Ottenhofen wird es auch in diesem Jahr wieder geben - zum 18. Mal. Anni und Peter Huber werden ihr Haus und ihren Garten in ein leuchtendes Winterwunderland im amerikanischen Stil verwandeln. "Wir machen es - trotz Energiekrise", sagt Anni Huber. Rentiere, der Nikolaus mit seinem Schlitten auf dem Dach, funkelnde Sterne an den Fenstern, Rehe und Schneemänner im Garten: ein buntes Lichtermeer wird auch in diesem Jahr wieder zu bestaunen sein. "Die Beleuchtung gehört einfach zu Weihnachten dazu."

Energiekrise: In Christmas Hill in Ottenhofen bei Anni und Peter Huber leuchtet es wieder. In diesem Jahr wird im Garten auch wieder Glühwein und Kinderpunsch angeboten.

In Christmas Hill in Ottenhofen bei Anni und Peter Huber leuchtet es wieder. In diesem Jahr wird im Garten auch wieder Glühwein und Kinderpunsch angeboten.

(Foto: Renate Schmidt)

2021 habe das Ehepaar für die vier Wochen Beleuchtung insgesamt etwa 160 Euro ausgegeben, und auch wenn es in diesem Jahr etwas mehr sein sollte: "Das ist nicht die Welt", sagt Anni Huber. Vor allem, da im vergangenen Jahr knapp 20 000 Euro gespendet wurden, die wie jedes Jahr an eine Elterninitiative der Haunerschen Kinderklinik München gingen. In diesem Jahr werde im Garten auch wieder Glühwein und Kinderpunsch angeboten, und es wird nach zwei Jahren coronabedingter Pause wieder ein Musikprogramm geben. Für ihr Engagement wurden die Hubers im vergangenen Jahr übrigens mit dem Ehrenzeichen für Verdienste im Ehrenamt vom Freistaat Bayern ausgezeichnet.

Gemeinde Neufahrn

Vor Kurzem erst hat es der Ausschuss für Personal, Soziales und Kultur beschlossen: es wird auch in diesem Jahr in Neufahrn eine Weihnachtsbeleuchtung geben. Wenn auch eine im Vergleich zu den Vorjahren reduzierte, berichtet Pressereferentin Gabriele Ostertag-Hill. Schon in der Nord-Allianz haben sich die beteiligten Gemeinden über die Weihnachtsbeleuchtung Gedanken gemacht, Energiesparmaßnahmen seien derzeit großes Thema. Viele Kommunen hätten sich deshalb auch dagegen entschieden. "Wir haben für uns nun beschlossen, den Marktplatz und den Christkindlmarkt zu beleuchten, die Bahnhofsstraße aber ist davon ausgenommen, sie wird in diesem Jahr nicht illuminiert", sagt Ostertag-Hill.

Die Beleuchtung wurde bereits auf LED umgestellt, der Energieverbrauch sei also nur gering. Diese Umrüstung sei ausschlaggebend für den Beschluss gewesen. Für die Betreiber der Marktstände auf dem Christkindlsmarkt, die ihren eigenen Stand weihnachtlich beleuchten wollen, gebe es auch bereits die Vorgabe, dass dies mit LED-Lämpchen geschehen müsse.

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