Deutsche PostRewe kündigt Postfilialen

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In Freising soll die Postfiliale in den Schlüterhallen geschlossen werden.
In Freising soll die Postfiliale in den Schlüterhallen geschlossen werden. (Foto: Marco Einfeldt)

Betroffen sind sechs Standorte im Landkreis Freising und einer im Landkreis Erding, die bis Ende Juli geschlossen werden sollen. Die Bürgermeister bedauern die Entscheidung und wollen sich um eine Lösung bemühen.

Von Francesca Polistina, Freising

Für viele Bürgerinnen und Bürger könnte der Weg zur nächsten Poststelle künftig deutlich weiter werden. Der Lebensmittelhändler Rewe hat bayernweit vielen Postfilialen in den eigenen Märkten gekündigt. Davon betroffen sind im Landkreis Freising die Postfilialen in Freising (Schlüterhallen), Eching, Neufahrn (sowohl an der Dietersheimer Straße als auch am Kurt-Kittel-Ring), Hallbergmoos und Langenbach. Im Landkreis Erding geht es um die Postfiliale im Rewe-Markt in Wartenberg. Stand jetzt sollen sie alle bis zum 31. Juli schließen.

Grund für diese Entscheidung sind unterschiedliche Provisionsvorstellungen. „Aufgrund der Provisionspolitik der Deutschen Post AG sehen wir keine andere Möglichkeit. Bei insgesamt gestiegenen Kosten (steigende Löhne, Mieten und Betriebskosten) ermöglichen es uns die Vergütungen der Post in keiner Weise, Postfilialen in unseren Märkten einigermaßen wirtschaftlich zu betreiben“, sagt Rewe-Unternehmenssprecherin Ursula Egger auf Anfrage. Die Entscheidung sei „uns nicht leichtgefallen, da wir wissen, wie wichtig Postdienstleistungen für viele Menschen sind“, so die Sprecherin weiter. In den Rewe-Postfilialen wird das Geschäft nicht von Angestellten der Deutschen Post, sondern von Mitarbeitenden der Supermarktkette erledigt.

Aus Sicht von Rewe wurden bereits mehrere Gespräche mit der Deutschen Post geführt, die allerdings bislang „zu keiner für beide Seiten vertretbaren Einigung“ geführt haben. „Um die Verluste zu minimieren, haben wir uns deshalb zur Kündigung entschlossen“, so die Rewe-Sprecherin. Doch immerhin laufen die Verhandlungen weiter – das bestätigen sowohl Rewe als auch die Deutsche Post. Und gerade wegen der laufenden Verhandlungen will sich diese zur Zukunft einzelner Standorte nicht äußern und auch keine Details kommentieren.

Sonja Radojicic, Leiterin der Pressestelle Süd bei der Deutschen Post, betont, dass es grundsätzlich nicht ungewöhnlich sei, dass einzelne Standorte die Kooperation aus verschiedenen Gründen beenden. „Wir haben hier bewährte Prozesse, um sicherzustellen, dass Bürgerinnen und Bürger vor Ort Postdienstleistungen weiterhin in Anspruch nehmen können“, versichert die Sprecherin. Auf die Frage, ob die Deutsche Post in den betroffenen Gemeinden die Eröffnung von alternative Filialen plant, antwortet Radojicic: „Wir ziehen uns nicht zurück und werden auch weiterhin mit Hochdruck und im engen Dialog mit den Städten und Gemeinden daran arbeiten, an allen sogenannten Pflichtstandorten präsent zu sein.“ Konkrete Details dazu will sie allerdings nicht nennen.

Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern müssen eine Postfiliale haben

Dem Postgesetz zufolge muss es in jeder Gemeinde mit mehr als 2000 Einwohnern mindestens eine Filiale geben. Bei mehr als 4000 Einwohnern darf die Entfernung zur nächsten Filiale nicht mehr als zwei Kilometer betragen. Doch Trotz der Pflicht fehlen bundesweit vor allem auf dem Land Filialen: In Ausnahmefällen können automatisierte Stationen die Grundversorgung gewährleisten, aber die Lage bleibt angespannt.

Besonders gravierend wäre die Schließung in den Gemeinden Neufahrn, Eching oder Langenbach, die deutlich mehr als 2000 Einwohner haben und zumindest eine Zeit lang ohne Filiale auskommen müssten, wenn bis Ende Juli tatsächlich keine andere Lösung gefunden wird. Zwar würden in Neufahrn und Eching die Packstationen oder die Paketshops in Schreibwarengeschäften und anderen Läden bleiben, aber eine Postfiliale mit all ihren Dienstleistungen würde fehlen. Auf die Frage, ob Rewe die geografische Aufteilung der gekündigten Postfilialen berücksichtigt hat, heißt es: „Wir haben jeden Markt einzeln für sich betrachtet.“

Die Bürgermeister bedauern die Entscheidung. Neufahrns zweiter Bürgermeister Josef Eschlwech betont, dass Postfilialen ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens sind und dazu beitragen, die Nahversorgung in der Gemeinde zu sichern. „Ich verstehe die Sorgen und Bedenken in Bezug auf diese Entscheidung. Es ist mir ein Anliegen, die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger zu vertreten und sicherzustellen, dass wir auch in Zukunft Zugang zu wichtigen Dienstleistungen haben.“ Er will sich umgehend mit den Verantwortlichen der Deutschen Post in Verbindung setzen, um die Hintergründe dieser Entscheidung zu erfragen und mögliche Alternativen zu prüfen.

Auch für den Echinger Bürgermeister Sebastian Thaler ist die Post eine wichtige Infrastruktur der Daseinsvorsorge und in einer Gemeinde wie Eching unbedingt notwendig. Er denkt dabei insbesondere an ältere Menschen, für die Online-Dienste keine Option sind. Thaler findet das Post-Konzept im Rewe-Mark sehr gut und effizient, er selbst habe das bisher gerne genutzt. Er wünscht sich mehr Kommunikation seitens der Deutschen Post und weist darauf hin, dass die Kommunen kostengünstig Räumlichkeiten zur Verfügung stellen können.

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