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Corona-Pandemie im Umland:Nur noch drei Intensivbetten frei

FREISING: Aussenansicht KLINIKUM / KREISKLINIK / KRANKENHAUS

Das Klinikum in Freising

(Foto: Johannes Simon)

In den Landkreisen Erding, Freising und Ebersberg werden die Kapazitäten in den Kliniken knapp. Die Krankenhauskoordinierung geht davon aus, dass die Zahl der Erkrankten noch weiter steigt.

Von Florian Tempel, Freising

"Aktuell geht es noch", sagt Rainald Kaube, "aber die Probleme nehmen zu." Als Ärztlicher Leiter der Krankenhauskoordinierung für die drei Landkreise Erding, Freising und Ebersberg ist es eine seiner Aufgaben, den Überblick über die Möglichkeiten der stationären Versorgung von Covid-19-Patienten zu haben. Und da sah es am Dienstag schon ziemlich eng aus: Von den insgesamt 38 regulären Intensivbetten in den drei Kreiskliniken waren nur noch drei frei. 13 der aktuell 35 Intensivpatienten sind an Covid-19 erkrankt, drei weitere sind es sehr wahrscheinlich, nur lagen noch keine Testergebnisse vor. Eine der drei Kreiskliniken - welche, wollte Kaube nicht sagen - hatte am Dienstag bereits die Vollbelegung ihrer Intensivstation gemeldet. In einem Kreiskrankenhaus gab es noch zwei, im anderen nur noch einen freien Intensivplatz.

Kaube will nichts beschönigen: Viele freie Plätze seien das nicht, aber immerhin seien es welche. Er bestätigt zudem, dass seit dem Wochenende spürbar mehr Covid-19-Patienten in die Kliniken in seinem Zuständigkeitsbereich eingewiesen worden sind. Kein gutes Zeichen, "doch wir kommen mit dem Fallzahlen zurecht". Solche zwischenzeitlichen Sprünge gab es auch in anderen Phasen der Pandemie immer wieder. "Es könnte aber auch der Beginn einer dramatischen Verschärfung sein", sagt Kaube. Eines werde jedoch unter allen Umständen weiter gelten: "Ein Patient, der lebensbedrohlich erkrankt ist, wird immer behandelt werden. Das ist das Allerwichtigste: Es wird kein Patient abgewiesen werden."

In jedem Fall müsse man davon ausgehen, dass die Zahl der Erkrankten vorerst weiter steigen werde. Da die Standard-Kapazitätsgrenzen der Kliniken bald ausgelastet sein werden, bereite man sich auf eine Ausweitung vor. Man könne sehr schnell eine erste stille Reserve aktivieren, um weitere sechs Patienten intensivmedizinisch zu versorgen. Konkret würde man dazu Beatmungsgeräte aus OP-Sälen abziehen, erklärt Kaube. Falls diese sechs Notfallplätze noch nicht ausreichend sein sollten, "bin ich mir sicher, dass auch das nicht das letzte Wort sein wird". Von einer derartigen Zuspitzung der Lage "sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt".

Das liegt vor allem daran, "dass unser Umland noch Kapazitäten hat", sagt Kaube und er meint damit den Bezirk Oberbayern, in dem aktuell am Dienstag 220 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt wurden. Das waren gut ein Drittel weniger als zu den Spitzenzeiten in der ersten und zweiten Welle der Pandemie. Allerdings heiße das nicht, dass noch mehr als hundert Intensivbetten in Oberbayern frei seien, schränkt Kaube ein. Ob man eine Gesamtbettenzahl von deutlich mehr als 300 Intensivplätzen in Oberbayern noch einmal zusammenbekommen könne, sei fraglich. "Die Engstelle ist nicht wie früher die Zahl der Beatmungsgeräte, sondern das einsatzfähige und einsatzwillige Personal." Die Pflegekräfte und Ärzte auf den Intensivstationen "sind schon lange jenseits der Belastungsgrenze - die machen das ja jetzt seit mehr als einem Jahr".

Die gefährlichen Virusvarianten seien eine weitere Erschwernis, da sie nicht nur ansteckender seien, sondern auch schwerere Verläufe verursachten. Die britische Virusmutation sei mittlerweile für fast alle Covid-19-Erkrankungen verantwortlich. Die südafrikanische und die brasilianische Virusvariante spielten hingegen nur eine ganz untergeordnete Rolle.

Hat Rainald Kaube aktuell auch etwas Positives, Beruhigendes zu melden? "Die gute Nachricht ist: Impfen macht Sinn, Impfen verhindert einen Aufenthalt auf der Intensivstation." Die zweite Säule der Pandemiebewältigung sei das Testen, um Erkrankungen möglichst früh zu erkennen. Bei der Behandlung in frühen Krankheitsstadien gebe es erfolgversprechende Ansätze. Eines müsse sich aber jeder auch weiterhin klarmachen: "Es ist wichtig für uns alle, dass jeder die Regeln ernst nimmt."

© SZ vom 21.04.2021/psc/vewo
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