Baum des Jahres 2023:Robuster Pionier mit weichem Flaum

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Baum des Jahres 2023: Die Moorbirke ist zum "Baum des Jahres" 2023 ausgerufen worden. Sie ist in den einst sehr moorreichen Landkreisen Erding und Freising nach wie vor heimisch.

Die Moorbirke ist zum "Baum des Jahres" 2023 ausgerufen worden. Sie ist in den einst sehr moorreichen Landkreisen Erding und Freising nach wie vor heimisch.

(Foto: Rainer Maus/dpa)

Die Moorbirke hat sich in den Landkreisen Freising und Erding behauptet, obwohl ein Großteil der Moore trockengelegt worden ist. Der "Baum des Jahres 2023" ist hart in Nehmen, widersetzt sich Überflutungen, starken Winden und kann bis zu 150 Jahre alt werden.

Von Petra Schnirch, Freising

Die Moorbirke ist der "Baum des Jahres 2023" - und sie ist in den einst sehr moorreichen Landkreisen Erding und Freising nach wie vor heimisch, obwohl ein großer Teil der Moorlandschaft dort in den vergangenen 200 Jahren trockengelegt worden ist. Doch der Baum gilt als robust und anspruchslos und hat sich vielleicht auch deshalb so lange behaupten können. Im Zengermoos im Landkreis Erding befindet sich einer der größten Moorbirkenwälder in Bayern.

Ausgewählt hat den "Baum des Jahres" die Silvius-Wodarz-Stiftung, um auf die besonderen Fähigkeiten der Moorbirke aufmerksam zu machen, wie die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) unter der Überschrift "Hart im Nehmen" schreibt. Als typische Pionierart sei die Moorbirke (Betula pubescens), wegen ihres weichen Flaums auch Haarbirke genannt, darauf spezialisiert, neu entstandene Lebensräume zu erobern. Zwar toleriere sie starke Fröste bis zu Temperaturen von minus 40 Grad Celsius, sei aber zugleich auf viel Sonnenlicht angewiesen. Auch zeitweise Überflutungen erträgt sie gut und durch ihr Herzwurzelsystem trotzt sie starken Winden.

Die Moore in Freising sind weniger waldreich als im Nachbarlandkreis Erding

In der Region gibt es im Landkreis Erding im Notzingermoos weitere Bestände. Auch im Viehlassmoos sind Moorbirken zu finden, allerdings weniger als geschlossene Wälder, "sondern mehr als Baumgruppen und Einzelbäume im Niedermoor-Mosaik", wie Dirk Schmechel, an der LWF für Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erklärt.

Deutlich rarer macht sich die Moorbirke im Landkreis Freising: Die Moore dort seien insgesamt waldärmer als die Erdinger, sagt Schmechel. Einige kleinere Bestände befinden sich im Giggenhauser Moos in den Waldflächen, eine davon war im Frühjahr Ziel einer Exkursion beim Freisinger Umwelttags. Auch im Dachauer Moos, gleich beginnend hinter Unterschleißheim, gibt es zum Teil ausgedehnte Moorbirkenwälder.

Die jungen Laubblätter duften aromatisch

Die Moorbirke kann laut LWF bis zu 150 Jahre alt werden und im Flachland eine Höhe von 30 Metern erreichen. Verbreitet ist sie in Mittel- und Nordeuropa, Russland und Asien. Sie gilt als nördlichster Baum Europas. Im Unterschied zur Sandbirke ist die glatte Borke anfangs dunkel rötlich-braun gefärbt und wird erst mit zunehmendem Alter heller und schließlich gräulich-weiß. Eine weitere Besonderheit: Junge Laubblätter von Betula pubescens duften aromatisch .

"Die Moorbirke ist nicht nur ein Pionier, sie ist auch eine Waldbaumart, die auf Moorstandorten die natürliche Waldgesellschaft bildet", sagt LWF-Präsident Peter Pröbstle. "Nasse Moor- und Bruchwälder mit Moorbirken sind sehr artenreich und zudem gut für den Moor- und Klimaschutz." In der Forstwirtschaft eigneten sich Moor- und Sandbirken als sogenannter Vorwald auf größeren Kahlflächen nach Sturmwurf oder Borkenkäferschäden: Sind die Birken einige Jahre alt, bieten sie nachfolgenden Baumarten Schutz gegen Frost oder Wind und verhindern eine zu starke Vergrasung des Waldbodens. Eine einzelne Moorbirke kann pro Jahr bis zu vier Kilogramm Samen produzieren, das sind 16 Millionen einzelne Samenkörnchen. Da die Birkensamen sehr leicht sind, können sie mit dem Wind weit verbreitet werden und so Freiflächen sehr rasch besiedeln.

Dennoch haben in den Landkreisen Freising und Erding die Isarbegradigung, der Flughafenbau und der Klimawandel "sehr wahrscheinlich auch zu einem Rückgang der Moorbirke geführt", vermutet Schmechel. Denn die Moorflächen sind dadurch weniger geworden und es ist trockener als früher. "Aber", sagt der LWF-Experte, "wir haben dazu keine Zahlen." Andererseits sei die Moorbirke sehr robust und eben eine Pionierin auf sehr vielen Flächen. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Webseite der Landesanstalt (www.lwf.bayern.de/moorbirke).

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