Energiewende:Mehr Strom vom Dach

Energiewende: Die PV-Anlage auf den Steinparkschulen in Freising.

Die PV-Anlage auf den Steinparkschulen in Freising.

(Foto: Marco Einfeldt)

Immer mehr Kommunen rüsten ihre Liegenschaften mit Fotovoltaikanlagen aus und leisten so einen Beitrag zur Energiewende. Doch wie ist die Lage im Landkreis? Und was sind die größten Hemmnisse? Ein Überblick.

Von Francesca Polistina, Freising

Kindertagesstätten, Schulen, Turnhallen und Rathäuser haben eines gemeinsam: Sie alle verfügen über große, meist ungenutzte und fast immer unansehnliche Dachflächen. Lange Zeit dienten diese Flächen nur der Vogelpopulation, doch in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan: Immer mehr Gemeinden rüsten ihre Dächer mit Photovoltaikanlagen aus. Doch wie ist die Situation im Landkreis Freising? Die SZ hat bei den größeren Gemeinden des Landkreises nachgefragt.

Freising

Die Stadt Freising betreibt derzeit PV-Anlagen auf 20 städtischen Liegenschaften. Von der Leistung her sind die Anlagen durchaus unterschiedlich: Die kleinsten, mit einer Leistung von nur 1,2 Kilowattpeak (die Maßeinheit kWp bezeichnet die maximale Leistung von Photovoltaikmodulen), befinden sich auf der Paul-Gerhardt Schule und auf der Schule Neustift. Die größte Anlage auf den Steinparkschulen kann hingegen bis zu 253 kWp liefern. Andere Anlagen befinden sich etwa auf der Feuerwache in Pulling, der Hauptfeuerwache, der Karl-Meichelbeck-Realschule, der Mittelschule Lerchenfeld und dem Kindergarten Wetterstein.

Insgesamt wurden im Jahr 2022 rund 407 000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt, heißt es von der Stadt Freising. Die Zahlen für das Jahr 2023 liegen noch nicht vor, es wird aber erwartet, dass durch den Zubau im vergangenen Jahr weitere 360 000 kWh hinzugekommen sind - das macht also insgesamt rund 767 000 kWh. Derzeit ist die Errichtung von PV-Anlagen auf der Grundschule Vötting, auf der neuen Feuerwache 2 und im Rahmen des Umbaus der Paul-Gerhardt-Schule geplant, in allen Fällen soll die Umsetzung nach Angaben der Stadt zwischen 2024 und 2026 erfolgen.

Auf die Frage nach den größten Hemmnissen für den Ausbau der Photovoltaik, nennt Irene Striegl von der Pressestelle die hohen Kosten: "Die Preise für PV-Dachflächenanlagen sind aufgrund der hohen Nachfrage in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was hohe anfängliche Investitionskosten zur Folge hat", sagt sie. Alle städtischen Liegenschaften wurden hinsichtlich ihres Solarpotentials geprüft, die höchste Wirtschaftlichkeit haben Gebäude, welche einen Teil des erzeugten PV-Stroms auch selbst verbrauchen, so die Sprecherin.

Moosburg

Die Stadtverwaltung betreibt in Moosburg Photovoltaikanlagen auf elf kommunalen Gebäuden: auf der Grundschule Süd und dem Erweiterungsbau, der Grundschule Nord, dem Erweiterungsbau der Mittelschule, dem Bauhof, der neuen Halle des Bauhofs, der Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Aich, dem Kindergarten an der Ginsterstraße, der Obdachlosenunterkunft, dem Hallenbad und dem Kindergarten in den Amperauen. Insgesamt liefern die Anlagen rund 456 000 kWh pro Jahr. Hinzu kommen sechs Anlagen auf städtischen Dächern, die aber von Dritten betrieben werden - zum Beispiel die große Anlage auf dem Eisstadion mit einer Leistung von 340 kWp.

Laut Melanie Falkenstein, Klimaschutzmanagerin der Stadt, sind die größten Herausforderungen derzeit der Denkmalschutz, wobei es in Zukunft mehr Möglichkeiten geben wird, und der Netzanschlusspunkt - also der Punkt, an dem die Energie der Photovoltaikanlage in das öffentliche Netz eingespeist wird. "Leider ist der Netzanschlusspunkt bei einigen Gebäuden bereits ausgeschöpft, sodass nicht die Größe installiert werden konnte, die von unserer Seite aus gewünscht gewesen wäre", so Falkenstein. Bei Gebäuden, bei denen es Sinn mache, versuche die Stadt, Batteriespeicher einzusetzen, so die Klimaschutzmanagerin.

Neufahrn

In Neufahrn befinden sich Photovoltaik-​Dachanlagen auf sechs Gebäuden: dem Rathaus, dem Bauhof, der Turnhalle 1, dem Kindergarten am Sportplatz, der Kinderkrippe am Galgenbachweg sowie dem Schwimmbad Neufun. Die Gesamtleistung liegt derzeit bei rund 150 000 kWh, teilt die Pressesprecherin Gabriele Ostertag-Hill mit.

Neben der laufenden Installation von PV-Anlagen auf dem Dach der Grundschule am Fürholzer Weg und dem Neubau der Turnhalle 2 plant die Verwaltung weitere PV-Anlagen auf dem Dach des Kindergartens in Mintraching, dem Feuerwehrgebäude und eine Erweiterung der vorhandenen Anlage auf dem Dach der Krippe am Galgenbachweg.

Direkte Hindernisse für den Ausbau der PV-Anlagen gebe es nicht, so Bauamtsleiter Michael Schöfer. Verzögerungen ergäben sich aber "aus der angespannten Marktsituation und der Auslastung der Projektanten".

Hallbergmoos

Auf 15 Dächern kommunaler Gebäude sind PV-Anlagen installiert, teilt die Gemeinde mit. Von diesen 15 sind drei Anlagen nicht im Eigentum der Gemeinde: eine Mieterstromanlage der Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Freisinger Land und zwei Bürger-PV-Anlagen. Insgesamt, wenn man nur die von der Gemeinde betriebenen Anlagen zusammenrechnet, werden pro Jahr 600 000 kWh an Strom erzeugt, so Bauamtsleiter Frank Zimmermann.

Schwierigkeiten beim Ausbau der Anlagen gebe es vor allem bei bereits bestehenden Gebäuden: "Bei neuen Gebäuden werden bei uns eigentlich immer PV-Anlagen mit errichtet", sagt er. Bei der Nachrüstung bestehender Gebäude sei teilweise die schlechte Wirtschaftlichkeit ein Hindernis. Geplant sind derzeit eine Mieterstromanlage auf dem Dach des Wohnhauses an der Predazzoallee und eine Freiflächenanlage auf dem Gelände der Kläranlage.

Eching

In Eching befinden sich PV-Anlagen auf insgesamt acht kommunalen Immobilien: auf der Tennishalle, dem Bauhof, der Grundschule Nelkenstraße, der Grund- und Mittelschule Danzigerstraße, der Musikschule, der Alten Schule, dem Kindergarten Untere Hauptstraße und dem Rathaus. Die Jahresproduktion beträgt nach Angaben der Gemeinde ganze 790 000 kWh - wobei die größten Projekte, nämlich die PV-Anlagen auf der Tennishalle, dem Bauhof, der Grundschule Nelkenstraße und der Schule Danzigerstraße (die insgesamt schätzungsweise 700 000 kWh liefern können) von der Bürger-Energie-Genossenschaft betrieben werden. Weitere fünf Anlagen sind geplant.

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