Einkaufen rund um die Uhr, ganz ohne Personal, das liegt im Trend. In Freising eröffnen die Landwirte Lorenz und Tobias Kratzer am Donnerstag, 13. November, um 9 Uhr einen 24/7-Regionalladen mit Biofleisch und weiteren Produkten. In mehreren Landkreisgemeinden will der Gastronom und Metzgermeister Benedikt Schuhbauer im kommenden Jahr, zusätzlich zu dem bestehenden Container in Kirchdorf, vier solcher sogenannter Smart-Stores einrichten. Bereits über drei Standorte, an denen sich Kunden selbst bedienen können, verfügt die Freisinger Metzgerei Hack – und hat damit positive Erfahrungen gemacht.

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Den kleinen Laden an der Landshuter Straße 36 in Freising haben Lorenz und Tobias Kratzer in den vergangenen Wochen komplett renoviert. Auf 28 Quadratmeter gibt es in zwei großen Kühlschränken Fleisch, Wurst und Molkereiprodukte, außerdem Tiefkühlkost, Kartoffeln, Eier und Trockensortiment wie Nudeln, Reis, Mehl, Frühstücksflocken oder Chips, alles in Bio-Qualität und überwiegend aus der Region. Mit EC- oder Kreditkarte können Kundinnen und Kunden die Tür öffnen, wann immer sie möchten und damit auch bezahlen, ebenso per Paypal. Extra registrieren lassen müssen sie sich nicht.
In Lageltshausen, etwas außerhalb von Freising, betreibt Familie Kratzer den Daschingerhof. Seit 25 Jahren vermarktet sie ihr Bio-Rindfleisch direkt ab Hof, außerdem beliefert sie Betriebskantinen im Raum München. Nun sollte, so die Idee, ein kleiner Laden mit Wurst der Biometzgerei Tagwerk, die Lorenz Kratzer mitbegründet hat, und seinem Rindfleisch dazukommen. Gedacht war das zunächst ganz anders. Nicht als Rund-um-die Uhr-Shop, sondern ganz traditionell mit Personal und festen Öffnungszeiten.
Das 24/7-Konzept
Nachdem mehrere Bewerber abgesprungen waren, stellte sich für die Kratzers die Frage, wie es mit dem Projekt weitergehen sollte. Sie entschieden sich für ein 24/7-Konzept ohne Personal. Mit seiner Ware geht der Kunde zur Kasse, scannt die Artikel und bezahlt bargeldlos. Überwacht wird der Raum zum Schutz vor Dieben mit drei Kameras. Nebenan steht ein Parkplatz zur Verfügung, der mit genutzt werden kann. Die Produktpalette wird nach den ersten Erfahrungen noch an den Bedarf angepasst.


Unterstützung bekommen Lorenz und Tobias Kratzer von der Öko-Modellregion Kulturraum Ampertal, die Klein-Projekte zu 50 Prozent fördert, um regionale Bio-Wertschöpfungsketten zu stärken und neue Absatzwege zu entwickeln. Für die Kühlschränke und das Kassensystem erhielten die beiden Landwirte einen Zuschuss von knapp 10 000 Euro. Außerdem bauen die Kratzers gerade einen Online-Shop für Bio-Fleisch und -Wurst in Zusammenarbeit mit der Tagwerk-Metzgerei in Niederhummel auf. Von kommendem Frühjahr an kann die Ware online bestellt und bezahlt werden und liegt dann am Daschingerhof zur Abholung bereit.

Gleich vier Smart-Stores will Benedikt Schuhbauer im kommenden Frühjahr in den Gemeinden Fahrenzhausen und Reichertshausen sowie den Freisinger Stadtteilen Lerchenfeld und Pulling eröffnen. Auch dort kann man dann rund um die Uhr mit Selbstbedienungskasse einkaufen. Mit einem ersten Testlauf in Kirchdorf ist er sehr zufrieden. Seit August steht neben der Metzgerei ein „Jederzeit“-Container mit gekühlten, tiefgefrorenen, aber auch ungekühlten Produkten. Der Gastronom bietet dort auch hausgemachte Convenience-Produkte im Glas an, die nur aufgewärmt werden müssen. Die Kunden können mit EC-Karte oder Kreditkarte bezahlen. Wer sich registrieren lässt, erhält Rabatt, mehrere Hundert Interessenten haben ihre Daten bereits hinterlegt.
Im kommenden Jahr soll auch die Metzgerei in Teilen zu einem Smart Store umgebaut werden, sodass man sich nach Ladenschluss dort selbst versorgen kann. Ein Rolltor trennt diesen Bereich künftig ab. Wenn der Umbau abgeschlossen ist, wird der Container an einen anderen Standort verlegt.
Das Leader-Programm der EU
Über das regionale Leader-Programm der Europäischen Union erhält Schuhbauer einen hohen Zuschuss, denn auch mit diesem Förderinstrument soll die Nahversorgung im ländlichen Raum verbessert werden. Im Fokus steht die direkte Vermarktung von Produkten aus der Region, die Wertschöpfung bleibt also bei den Erzeugern der Umgebung. Der Förderbetrag kann sich sehen lassen: Hans Huss, Manager der Lokalen Arbeitsgruppe (LAG) Mittlere Isarregion, übergab Schuhbauer den Bewilligungsbescheid über 250 000 Euro.

Schon seit drei Jahren betreibt Steffen Schütze, Inhaber der Metzgerei Hack in Freising und stets experimentierfreudig, den Hack24-Smart-Store an der Erdinger Straße in Lerchenfeld. Einkaufen ist hier mit einmaliger Registrierung möglich. Ein zweiter Container steht seit März 2024 in Hebertshausen. Die Metzgerei an der Alten Poststraße in Freising-Neustift ist Anfang dieses Jahres ebenfalls so umgestaltet worden, dass dort nach Ladenschluss weiter eingekauft werden kann. Samstags ist der Bedienbereich mittlerweile geschlossen. Nicht nur wegen Personalmangels, wie Office-Managerin Stefanie Ebner erklärt, sondern auch um die Arbeitszeiten für die Mitarbeitenden attraktiv zu machen. Das Angebot kommt an: Etwa 10 000 Kundinnen und Kunden sind nach ihren Worten mittlerweile registriert.

