Freising Eingesperrt in der Fremde

Internetbekanntschaft wird für eine junge Frau zum Martyrium

Von Johann Kirchberger

- Ein wahres Martyrium hat Tatjana hinter sich. Vor zwei Jahren hatte die junge Polin im Internet einen deutschen Mann kennengelernt. Alles ließ sich zunächst gut an. Die beiden verstanden sich, sie wollten zusammenleben, er holte sie nach Deutschland. Die ersten Wochen waren wunderschön, wie Tatjana erzählt, aber schon bald war es mit dem schönen Leben vorbei. Sie durfte nur noch mit Erlaubnis ihres Freundes aus dem Haus, sie bekam keinen eigenen Wohnungsschlüssel und wenn sie sich etwas aus dem Kühlschrank holte, weil sie hungrig war, wurde sie geschlagen. Sie hatte darauf zu warten, bis sie von ihm Essen vorgesetzt bekam. Tatjana bemühte sich, ihrem Freund alles recht zu machen, sie wollte nicht mehr geschlagen werden. Trotzdem wurde sie immer öfter verprügelt. Das hörte erst auf, als sie schwanger wurde. Dafür zog nun eine neue Geliebte mit in die Wohnung ein. Da Tatjana kaum Deutsch konnte und auch kein Geld hatte, ließ sie zunächst alles mit sich machen. Sie wollte fliehen, aber dazu fehlte ihr der Mut und sie wusste auch nicht wohin. Eines Tages aber konnte sie unbemerkt aus der Wohnung schlüpfen. Sie lief zu einer Nachbarin, der sie sich schon einmal im Treppenhaus anvertraut hatte. Die fuhr mit Tatjana zur Polizei und von dort wurde sie noch am gleichen Tag in das Frauenhaus vermittelt.

Dort ist sie nun schon ein halbes Jahr. Im Juni ist ihr Kind auf die Welt gekommen. Tatjana weiß, dass sie nicht auf Dauer im Frauenhaus wohnen kann, dass sie sich ein eigenes Leben aufbauen muss, und sie will das auch. Gerne würde sie sich eine kleine Wohnung mieten und die für sich und das Baby gemütlich einrichten. Aber dazu fehlt ihr das Geld. Der "Adventskalender für gute Werke", das Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung möchte Tatjana eine kleine Starthilfe geben, damit es ihr leichter fällt, wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn sie dann auch noch den erhofften Krippenplatz bekommt und eine Arbeitsstelle findet, dann sollte ihr das auch gelingen.