bedeckt München

Musikworkshop in Eching:Klavierstimmung mit Leidenschaft

Pianist Burak Cebi hat in Eching zahlreiche Schulkinder an die klassische Musik herangeführt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Pianist Burak Cebi vermittelt Einblicke in die Welt der Klassik. Er erklärt auch, wer Beethovens "Elise" war, warum Leidenschaft wichtig ist und wie man sich in einem Konzert benimmt.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Das Piano hämmert gleich mal los, dass es die Schüler regelrecht aus ihren Zuhörersitzen hebt. Ein paar Takte lang, dann sausen die Finger des Pianisten in irrwitziger Schnelligkeit über die Tasten, aber ganz behutsam - und damit leise. Erste Lektion: Ein Klavier ist nur ein Kasten aus Holz, aber wie hart man zum Beispiel auf die Tasten drückt, hat Auswirkungen auf die Lautstärke. Warum klingt ein Klavier wie ein Klavier? Und überhaupt, "warum klingt Klassik wie Klassik"? Das ist der Titel einer Reihe an der Mittelschule Eching in diesem Schuljahr. Damit möchte der Verein Kulturforum "Schüler durch sehr abwechslungsreiche Klassik-Workshops mit hohem Interaktionsanteil auf klassische Musik aufmerksam machen, sensibilisieren und im besten Fall sogar begeistern", wie das Vorsitzende Sybille Schmidtchen überschreibt.

Die beruhigendste Botschaft schickt Pianist Burak Cebi an die über hundert Kinder gleich mal vorweg: "Ihr müsst gar nicht so viel üben!" Gut, in seiner Vita, da stünden viele Schulen, Prüfungen und Abschlüsse, erzählt der 34-jährige Berufsmusiker, dafür müsse man sich schon gehörig auf den Hosenboden setzen; aber wer Klavier nur aus Lust und Freude spielt, der müsse das nur trainieren "wie man Fußball oder Basketball trainiert, wenn man Sport machen will". Cebi, geboren in Izmir, hat schon in Berlin konzertiert und in Istanbul, in Spanien, Frankreich und Italien. Jetzt steht er auf der Bühne der Echinger Musikschule und vermittelt "Klavierstimmung", einen Baustein der Klassik-Reihe, die wie im Vorjahr von der "Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation" in München mit finanzieller Unterstützung des Kulturfonds Bayern ausgerichtet und vom Kulturforum an die Schule gebracht wird. Die Stücke, die Burak Cebi da buchstäblich aus dem Handgelenk schüttelt, hören sich jetzt nicht wirklich so an wie aus den Playlists der Kinder im Saal. Aber so mit Erklärungen haben sie schon auch was. Warum zum Beispiel Mozart nie in der Türkei war, aber einen "Türkischen Marsch" komponiert hat, wer die "Elise" war, für die Beethoven die Zeilen komponiert hat, die man immerhin von manchem Klingelton kennt, und dass der verliebte Domenico Scarlatti seiner angebeteten Königin 550 - da geht ein Raunen durch den Saal! - Klaviersonaten komponiert hat.

"Das ist ja eigentlich nicht ihre Musik"

"Das ist ja eigentlich nicht ihre Musik", weiß auch Klassenlehrerin Ina Fischbach, die mit ihrer 8a heuer ein Jahresprogramm mit mehreren Workshops absolviert. Aber der Auftakt, "Stimme in Bewegung", eine Wahrnehmungsschulung für Körper und Stimme, habe die Klasse "echt begeistert", schildert sie, "erst waren sie zögerlich, aber dann haben sie voll mitgemacht". Mit den nötigen Basisinfos und Grundschule in Stimmbildung habe die Klasse dann zum Abschluss "Bella Ciao" geschmettert, "dass ich Gänsehaut bekommen hab".

Zum Klavierkonzert mit Burak Cebi und seinen Erläuterungen hat die 8a dann noch die Klassen fünf bis sieben mitgenommen. Erstmals ging es in die Musikschule, weil in die Kooperation im zweiten Jahr zwischen Stiftung, Verein und Schule auch noch die Echinger Musikschule einbezogen werden soll. Ein umfassendes Paket für "wirklich außergewöhnliche Bildungsangebote an unserer Schule", wie Schmidtchen schwärmt. Im März gibt es einen weiteren spektakulären Workshop "#Oper", wahrscheinlich wieder mit mehreren Klassen, wahrscheinlich wieder an der Musikschule.

Was es zum Kavierspielen braucht? "Leidenschaft", sagt eine Sechstklässlerin

Das Klavier ist jetzt schon - in Grundzügen - erklärt, was braucht's dann noch zum gelungenen Spiel? Die erste Antwort der Kinder verblüfft sogar den Profi. "Leidenschaft!" sagt eine Sechstklässlerin. Da strahlt der Maestro. Hände, Füße, Noten, alles habe er schon gehört an anderen Schulen, sagt er, aber Leidenschaft ...

Klavier, Klavierwerke, Komponisten, nächste Lektion - wenn es dann mal wirklich in ein Klavierkonzert geht: Wie benimmt man sich da als Publikum, was darf man keinesfalls? Die bisher geschwätzt haben, ziehen vorsichtshalber schon mal die Köpfe ein, aber die erste Antwort ist: "Man darf nicht auf die Bühne rennen."

Burak Cebi kann auch das nur unterstreichen; einerseits. Andererseits erzählt er den Kindern, war er von seinem ersten Konzert, in das ihn seine musizierenden Eltern schon mit fünf Jahren geschleppt haben, so begeistert, dass er nach dem Abgang der Sängerin auf die Bühne stürmte und selbst weitersang. Der Anfang einer großen Karriere - oder: Es braucht eben Leidenschaft ...

© SZ vom 29.01.2020/lada
Montagsinterview mit Musikschullehrer und Leiter der Musikschule Odilo Zapf in Freising

Neuer Leiter der Musikschule Freising
:"Ein wunderbares Mittel, sich auszudrücken"

Odilo Zapf ist begeisterter Posaunist und Lehrer. Seine Liebe zur Musik versucht er an seine Schüler weiterzugeben. Vor kurzem hat er die Leitung der städtischen Musikschule in Freising übernommen.

Interview von Katharina Aurich

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite