Pfarrverband HolledauGläubige wollen Pfarrer Stephan Rauscher nicht ziehen lassen

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Der beliebte Pfarrer Stephan Rauscher soll nach Willen der Erzdiözese künftig im Pfarrverband Grafing und Aßling im Landkreis Ebersberg wirken. Gegen seine Versetzung setzt sich der Pfarrverband Holledau ein.
Der beliebte Pfarrer Stephan Rauscher soll nach Willen der Erzdiözese künftig im Pfarrverband Grafing und Aßling im Landkreis Ebersberg wirken. Gegen seine Versetzung setzt sich der Pfarrverband Holledau ein. (Foto: Marco Einfeldt)

Bürgerinnen und Bürger setzen sich für den Verbleib des beliebten Geistlichen ein. Eine Onlinepetition ist gestartet und ein offener Brief an Kardinal Marx folgt. Pfarrer Rauscher selbst ist dem Vernehmen nach von der Aktion gerührt.

Von Peter Becker, Attenkirchen

„Schweren Herzens muss ich meine geliebte Holledau, die mir zur Heimat geworden ist, verlassen.“ Mit diesen Worten hatte Pfarrer Stephan Rauscher Anfang März im Pfarrbrief seinen Abschied aus dem Pfarrverband Holledau angekündigt. Auf Wunsch des Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx wechselt er zum 1. September in den Landkreis Ebersberg.

Die Bürgerinnen und Bürger aus der Holledau wollen „ihren“ Pfarrer aber nicht so ohne Weiteres ziehen lassen. Zunächst starteten die Katholische Landjugend Nandlstadt, sowie die Vereine Dancing Angels und Zsamgspuit eine Petition zum Verbleib Rauschers. Diese haben jetzt während eines Pressetermins im Attenkirchener Rathaus die vier Bürgermeister der Gemeinden unterzeichnet, die zur Gänze oder zumindest in Teilen zum Pfarrverband gehören, den Rauscher betreut.

„Wir möchten unsere Stimme erheben und uns dafür einsetzen, damit Pfarrer Stephan Rauscher in unserem Pfarrverband Holledau bleiben kann“, ist der Wortlaut der Online-Petition (https://innn.it/pfarrer-rauscher-gehort-zu-uns). Die Petition solle die Unterstützung für ihn zeigen, denn Pfarrer Rauscher sei nicht nur ein hervorragender Seelsorger, „sondern auch eine zentrale Person in unserer Gemeinschaft“. Rebecca Bauer, Vorsitzende des Theatervereins Zsamgspuit und eine der Organisatorinnen der Petition, bestätigt die Angabe von Attenkirchens Bürgermeister Mathias Kern, dass online bereits über 2000 Unterschriften vorliegen.

Wie viele Unterschriften schon über die Listen eingegangen sind, die in Geschäften im Landkreis-Norden ausliegen, weiß Rebecca Bauer nicht. „Die müssen wir erst einsammeln.“ Die Unterschriftenaktion läuft noch mindestens eine Woche, bis zu den Aufführungen des Theatervereins.

Am vergangenen Mittwoch haben eine Bürgermeisterin und drei Bürgermeister aus den Nordgemeinden ihre Unterschriften unter die Petition gesetzt. Von den Beteiligten hatte jeder seine persönliche Beziehung zu Rauscher. Kern zitiert seinen Amtskollegen Gerhard Betz aus Nandlstadt. Dieser schilderte die „Coolness und Lockerheit“ von Rauscher, insbesondere im Umgang mit den Jugendlichen. Er selbst habe mit dem Geistlichen einen persönlichen Deal gehabt, verriet Betz: Der Pfarrer solle zu wichtigen Veranstaltungen in der Marktgemeinde kommen und er gehe dafür zu solchen in der kirchlichen Gemeinde.

Anita Wölfle, Bürgermeisterin von Wolfersdorf, habe die enge Verbundenheit zwischen Rauscher und ihrer Gemeinde dargestellt. Hans Sailer, Bürgermeister der Marktgemeinde Au, habe die Fähigkeit Rauschers, junge Leute zu begeistern, hervorgehoben. Kern selbst lobt die Kompetenzen des Geistlichen in der Seelsorge, der Außendarstellung und der Administration. „Das sind gefragte Fähigkeiten“, sagt Kern auf Nachfrage. Ausgenommen von der Seelsorge seien dies Eigenschaften, die auch einem Bürgermeister gut zu Gesicht stünden. Eigentlich könne er Rauscher seinen Posten als Rathauschef abtreten, sagt Kern scherzend. Doch der Pfarrer habe sicher seine eigene Mission.

Nichts soll unversucht bleiben, Pfarrer Rauscher in der Holledau zu halten

Kern sagt, dass demnächst ein offener Brief der Bürgermeister folgen solle. Der solle aber nicht als „Brandbrief“ erstanden werden, sondern ein Zeichen der Wertschätzung des Pfarrers im Pfarrverband. „Er soll zeigen, wie wichtig er für uns ist“, betont Kern. Als Ergebnis der Petition und des offenen Briefes wünscht sich der Attenkirchener Bürgermeister ein Gespräch mit Kardinal Marx oder aber Verantwortlichen aus der Erzdiözese.

In diesem soll begründet werden, warum sich der Pfarrverband so vehement für den Verbleib „seines Pfarrers“ einsetzt. Kern hofft, dass die Aktion von Erfolg gekrönt sein wird, auch wenn ein Meinungsumschwung bei den Verantwortlichen in der Erzdiözese sicher schwer zu erreichen sein werde. „Aber wir wollen nichts unversucht lassen“, betont Kern.

Rauscher ist dem Vernehmen nach von der Unterschriftenaktion gerührt. Er verweist aber auch darauf, dass es durchaus üblich sei, dass Seelsorger nach einer gewissen Anzahl von Jahren ihre Stelle wechselten. Es gehe ja darum, ein eigenständiges pfarrliches Leben zu erhalten, das nicht allein auf die Persönlichkeit des Pfarrers hin ausgerichtet sei.

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