Abrissarbeiten:Baustopp am Domberg

Lesezeit: 2 min

Der langwierige Prozess zu Sanierung und Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses ist um eine Episode reicher. Eine Firma arbeitet schneller als erlaubt und deckt das Dach des Anbaus ohne Genehmigung ab. Die Stadt muss reagieren.

Von Petra Schnirch, Freising

Die Abbrucharbeiten am Kardinal-Döpfner-Haus auf dem Domberg haben begonnen - und sind weiter fortgeschritten als vorgesehen. Das Dach des Anbaus aus den Sechzigerjahren, der durch einen Neubau ersetzt werden soll, ist bereits weitgehend abgedeckt, dafür lag allerdings keine Genehmigung vor. Die Stadt hatte deshalb Mitte September einen Baustopp verhängt. Nach Auskunft des Erzbistums München und Freising war eine Firma über das Ziel hinausgeschossen.

Derzeit fänden "nicht genehmigungspflichtige, aber mit der Stadt abgestimmte Entrümpelungsarbeiten statt, auch Schadstoffe würden beseitigt und entsorgt. Die damit beauftragte Firma habe jedoch darüber hinaus" aus eigener Initiative ohne jede Weisung und Rücksprache mit dem Bauherrn" weitere Arbeiten vorgenommen und in die Gebäudesubstanz eingegriffen, was einer Genehmigung bedurft hätte. Die Stadt war darauf aufmerksam geworden.

Newsletter abonnieren
:SZ Gerne draußen!

Land und Leute rund um München erkunden: Jeden Donnerstag mit den besten Freizeittipps fürs Wochenende. Kostenlos anmelden.

Die Firma hat sich inzwischen entschuldigt

Die Firma habe das Versehen inzwischen schriftlich bestätigt "und sich hierfür ausdrücklich entschuldigt", sagt Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt. Die freigelegten Dachflächen würden nun abgedeckt und gesichert, um Gefahren für Menschen und auch das angrenzende Baudenkmal, die ehemalige fürstbischöfliche Residenz, auszuschließen. Gegen die Beteiligten sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Weitere Auskünfte gibt die Stadt dazu nicht, "da es sich um ein laufendes, internes Verfahren handelt".

Der Baustopp wird aufgehoben, sobald eine Genehmigung für die Arbeiten vorliegt. Wann das der Fall sein wird, konnte Steinhart noch nicht sagen. Der eingegangene Bauantrag werde derzeit in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbehörden geprüft, ebenso ein damit verbundener städtebaulicher Vertragsentwurf zur zeitnahen Wiedererrichtung des zum Abriss vorgesehenen Gebäudeteils in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Die Entrümpelung ist von der Zwangspause nicht betroffen.

Mit dem Vorhaben hatte die Erzdiözese bisher wenig Glück

Damit ist der langwierige Prozess zu Sanierung und Neubau des Gebäudekomplexes auf dem Domberg um eine Episode reicher. Im Februar 2017 hatte die Erzdiözese den Entwurf für das Kardinal-Döpfner-Haus vorgestellt. Das Berliner Büro "GMP international" hatte den Architektenwettbewerb gewonnen und anstelle des Sechzigerjahre-Baus zwei lang gezogene Bauteile mit einer eindrucksvollen Glasfassade vorgesehen. Im Dezember 2018 gab die Erzdiözese dann allerdings bekannt, dass der Entwurf nicht umgesetzt werde. Als Obergrenze galten 53 Millionen Euro, eine Verwirklichung hätte nach neuen Berechnungen jedoch mindestens 94 Millionen gekostet.

Ein halbes Jahr später wiederum stand fest, dass das Projekt aus Kostengründen deutlich kleiner ausfallen soll, mit weniger Zimmern. Auch der Steinerne Saal in der Residenz soll nicht mehr, wie zunächst geplant, hergerichtet werden. Neuer Wettbewerb war keiner geplant, die Erzdiözese wollte mehrere Büros anschreiben und um Vorschläge bitten.

Bald will das Erzbistum bekanntgeben, wie es weitergeht

Ein weiterer Rückschlag kam dann durch finanzielle Einbußen während der Corona-Krise. Seitdem hält sich die Erzdiözese bedeckt, wie es mit den Planungen für das Kardinal-Döpfner-Haus weitergeht, in Kürze will sie das weitere Vorgehen aber vorstellen. Anträge dafür liegen nach Auskunft der Stadt bisher nicht vor. Im beabsichtigten städtebaulichen Vertrag sei als Grundlage für den möglichen Ersatzbau aber ein erster Entwurfsstand abgebildet.

© SZ vom 06.10.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Freisinger Domberg
:Anbau des Kardinal-Döpfner-Hauses wird kleiner als geplant

Erzdiözese speckt geplanten Anbau des Kardinal-Döpfner-Hauses ab - mit nur noch halb so vielen Gästezimmern und weniger Raum. Kosten wird er nun wohl 77 Millionen Euro, immer noch viel mehr als ursprünglich geplant.

Von Petra Schnirch

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: