Richtfest auf dem Freisinger DombergDer Rohbau des neuen Gästehauses steht

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Kardinal Reinhard Marx hat auf dem Freisinger Domberg zusammen mit zahlreichen geladenen Gästen Richtfest für das neue Gästehaus der Erzdiözese gefeiert.
Kardinal Reinhard Marx hat auf dem Freisinger Domberg zusammen mit zahlreichen geladenen Gästen Richtfest für das neue Gästehaus der Erzdiözese gefeiert. Marco Einfeldt

Die Erzdiözese München und Freising investiert gut 140 Millionen Euro in den Beherbergungsbetrieb ihres Tagungszentrums und die Sanierungsarbeiten an der historischen Residenz. Zur Hebweih kommt Kardinal Marx – und fordert einen Wohnsitz auf dem Domberg.

Von Kerstin Vogel, Freising

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Vor einem Jahr wurde der Grundstein für das neue Gästehaus des Seminar- und Tagungszentrums der Erzdiözese München und Freising gelegt – jetzt ist zusammen mit Kardinal Reinhard Marx Richtfest für den Rohbau auf dem Freisinger Domberg gefeiert worden. Der Erzbischof von München und Freising zeigte sich dabei so begeistert von dem Projekt, dass er forderte, ihm einen Wohnsitz dort einzurichten: „Und wenn es nur ein kleines Zimmer ist.“ Hier auf dem Domberg, an einem „Ort von europäischem Rang“, entstehe ein Ort der Begegnung, „wo sich das Bistum neu auf den Weg machen und den Dialog mit allen Menschen guten Willens führen kann“.

Das neue Gästehaus ersetzt als „Haus am Domberg“ den 2022 abgerissenen Anbau an die Residenz aus den 1960er-Jahren. Mit dem Neubau wurden auch in der historischen Residenz umfassende Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten begonnen. Die Fertigstellung ist aktuell für das vierte Quartal 2027 geplant. Die Gesamtkosten belaufen sich auf gut 140 Millionen Euro.

Errichtet nach Plänen des Berliner Architekturbüros Bruno Fioretti Marquez, wird das Haus am Domberg künftig auf einer Fläche von gut 5600 Quadratmetern in 46 Zimmern Platz für bis zu 115 Übernachtungsgäste bieten. Mit drei Appartements in der Residenz steigt die Beherbergungskapazität auf 127 Personen.

Einfach, aber hochwertig ausgestattet wird das neue Gästehaus:  Architekt Piero Bruno in dem bereits fertigen Musterzimmer.
Einfach, aber hochwertig ausgestattet wird das neue Gästehaus:  Architekt Piero Bruno in dem bereits fertigen Musterzimmer. Marco Einfeldt

Ein Musterzimmer kann bereits besichtigt werden. Der Raum ist relativ einfach gehalten: ein Bett, ein Tisch und zwei Stühle, ein modernes Bad und ein kleiner Balkon gehören zur Ausstattung. Die Zimmer werden in einer Art Zellenstruktur mit umlaufenden Gängen angeordnet, die „klösterliche Tradition“ fortzusetzen, sei eine der Aufgaben für die Architekten gewesen, sagt Christoph Kürzeder, Direktor des benachbarten Diözesanmuseums. Unter dem Dach nahe der Residenz wird es zudem vier Familienzimmer mit einer zweiten Ebene und einer spektakulären Aussicht geben – Architekt Piero Bruno habe die Bauherren einfach „immer wieder mit seinen Visionen verführt“, sagt Kürzeder.

Spektakulär wird auch das skulpturale Treppenhaus, das die Verbindung zur einst feudalen Residenz herstellt. Seiner Wirkung kann man sich selbst im Rohbauzustand nur schwer entziehen, gleiches gilt für die von hier aus zu erreichende sieben Meter hohe neue Loggia mit Blick in die Alpen: Architekt Bruno und Kürzeder kommen gemeinsam aus dem Schwärmen kaum noch heraus.

Ein Treppenhaus, das selber einer Skulptur gleichen wird, schafft den Übergang zwischen dem Neubau und der feudalen Residenz.
Ein Treppenhaus, das selber einer Skulptur gleichen wird, schafft den Übergang zwischen dem Neubau und der feudalen Residenz. Marco Einfeldt
Eine sieben Meter hohe Loggia mit Blick auf die Alpen soll vor allem im Sommer als besonderer  Aufenthaltsraum dienen.
Eine sieben Meter hohe Loggia mit Blick auf die Alpen soll vor allem im Sommer als besonderer  Aufenthaltsraum dienen. Marco Einfeldt
Christoph Kürzeder (rechts), Direktor des Diözesanmuseums, kann sich für die Arbeiten am Steinernen Saal begeistern. Architekt Piero Bruno sieht die Aufgabe schon fast als „Lebenswerk“.
Christoph Kürzeder (rechts), Direktor des Diözesanmuseums, kann sich für die Arbeiten am Steinernen Saal begeistern. Architekt Piero Bruno sieht die Aufgabe schon fast als „Lebenswerk“. Marco Einfeldt

In der Residenz wird allem voran der barocke Steinerne Saal wieder hergestellt, zeitgenössisch interpretiert als repräsentativer Veranstaltungsort für bis zu 220 Personen. Nicht nur für die Freisingerinnen und Freisinger übrigens:  Christoph Klingan, Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, bestätigt, dass auch den Münchnern ein Veranstaltungsraum in dieser Größenordnung fehle. Ganz praktisch mussten zunächst Mauern und eine nachträglich eingezogene Zwischendecke entfernt werden, um den Saal wieder freizulegen. Dabei wurden alte Malereien entdeckt, die es nun zu erhalten gilt.

Die Wiederherstellung sei „kein leichtes Unterfangen“, räumt Kürzeder ein, während Architekt Bruno hier schon fast sein „Lebenswerk“  entstehen sieht: „Wir bauen hier nichts, wir legen nur frei und setzen das Puzzle wieder zusammen, das ist eine fantastische Arbeit.“

Daneben werden zahlreiche weitere historische Räumlichkeiten restauratorisch aufgearbeitet, darunter der Rote Saal, der Arbeosaal oder der Speisesaal von Gabriel von Seidl.  Als optischer Höhepunkt der neuen Dombergsilhouette soll der verloren gegangene historische Khueturm an der Nordwestecke der Residenz wiederhergestellt werden.

Auf dem Freisinger Domberg wolle man „mit Blick auf das Morgen Akzente setzen“, sagt der Generalvikar

Generalvikar Klingan hatte das Haus am Dom vor der Führung als ein zentrales Projekt der Diözese bezeichnet. Hier habe vor 1300 Jahren der Ursprungsort der Erzdiözese gelegen, hier wolle man  „Gegenwart und Zukunft gestalten und mit Blick auf das Morgen Akzente setzen“. Man wolle einen offenen, einladenden Ort für möglichst viele Menschen gestalten, einen „Ort der Begegnung, des Dialogs, der Inspiration und geistigen Weite – mit wahrnehmbarer christlicher Basis.“

Dabei legt die Erzdiözese den Schwerpunkt auf eine nachhaltige Bauweise und folgt mit möglichst minimaler Haustechnik einem sogenannten Low-Tech-Ansatz, wie der technische Projektleiter Benedikt Buckler erläuterte. Unter anderem setze man bei den Geschossdecken und der inneren Tragstruktur auf eine Holzhybridbauweise, die Außenwände seien aus Ziegelmauerwerk und im Kellerbereich werde in Teilen Recyclingbeton verwendet.

Kardinal Reinhard Marx möchte, dass der Domberg zum Weltkulturerbe wird

Kein Wunder also, dass auch Kardinal Marx begeistert war und offensichtlich gewillt ist, die Bedeutung des Freisinger Dombergs weiter zu mehren: „Wir arbeiten daran, dass dieser Ort Weltkulturerbe wird“, sagte er augenzwinkernd an die Adresse vom Museumsdirektor Kürzeder: „Not finished yet.“

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